Alle Beiträge zu Gastautoren

Netzpolitisches Papier des ZdK: Partizipation und Beteiligung

Magdeburger Dom (adapted) (Image by FalkoMD [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hat einen medien- und netzpolitischen Beschluss zu Partizipationsmöglichkeiten und Beteiligungsgerechtigkeit in der digital vernetzten Gesellschaft gefasst. In netzpolitischen Debatten ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken bisher nicht sehr aufgefallen. Mit einen gestern beschlossenen medien- und netzpolitischen Positionspapier wird aber sehr lesenswert zu Fragen der Partizipation [...]
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Vom Hobby-Blog zum Fulltime-Job

BLOG IDEAS (adapted) (Image by Owen W Brown [CC BY 2.0] via Flickr)
Wie das eigene Blog zum Aushängeschild im Netz wird – und wie man daraus Früchte für die eigene Zukunft ernten kann. In der Schule und im anschließenden geisteswissenschaftlichen Studium habe ich eigentlich alles „richtig“ gemacht: Netzwerke knüpfen, Praktika absolvieren, Gedanken über die Zukunft machen und nicht zu viel Zeit verlieren. [...]
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Überwachung, macht nichts?

Surveillance (adapted) (Image by Jonathan McIntosh [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Katharina Große, Tinka genannt, schreibt in ihrer Kolumne über den digitalen Wandel in unserer Gesellschaft. In diesem Artikel schreibt sie, wie sich Überwachung anfühlt. Die Enthüllungen von Edward Snowden haben uns allen gezeigt, dass wir in unserer sich stets mehr digitalisierenden Gesellschaft ständig überwacht werden. Die Bundesregierung spielt die Überwachung [...]
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Vertrauen ist der Schlüssel zur digitalen Welt

Protest against ACTA - 2012-01-28 - Toulouse - 03 (adapted) (Image by Pierre-Selim [CC BY 2.0] via Flickr)
In seiner Kolumne beschäftigt sich Nico Lumma mit dem Vertrauensverlust ins Digitale in der Post-Snowden-Ära und warum dies keine Lösung sein kann. Natürlich, eigentlich wussten wir alle es schon immer. Das Netz ist nicht sicher und die Geheimdienste können eh alles lesen, wenn sie es denn wollen, aber wenn interessiert [...]
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Agenturen machen sich fit für Cross-Channel

meiden, iphone, tv
Die fragmentierte Mediennutzung der Konsumenten gepaart mit der Möglichkeit, alles Digitale zu messen, stellt die Agenturen – und hier besonders die vertriebsorientierten Performance- Marketing-Agenturen – vor gewaltigen Aufgaben. Man hat fast den Eindruck, die Technologien treiben die Agenturen vor sich her. // von Jens von Rauchhaupt  Affiliate-Marketing, Social-Media-Marketing, E-Mail-Marketing, Display [...]
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Journalismus 2.0 oder die neue Art der Medien

Gastbeitrag von Nathanael Meyer, Gründer und Chefredakteur von Poltec-Magazin.de, über Journalismus mit mobilen Endgeräten. // von Nathanael Meyer Günstig, schnell und von überall aus erreichbar. Das sind die neuen Anforderungen an den Journalismus. In der Welt der mobilen Endgeräte müssen Nachrichten immer „up-to-date“ sein. Schneller als die Konkurrenz lautet das [...]
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Fünf weitere Dinge, die ich an Lokalzeitungen nie verstehen werde

Reading the newspaper (adapted) (Image by James Cridland [CC BY 2.0] via flickr)
Der Lokaljournalismus in Deutschland scheint seine eigenen Gesetze zu haben, doch nicht alle sind verständlich. Es gibt gute Nachrichten: ich bin diesen Sommer schon wieder quer durch Deutschland gefahren und nicht etwa mit leeren Händen zurück nach Berlin gekehrt, sondern mit fünf weitere Dingen im Gepäck, die ich an Lokalzeitungen nie verstehen werden. [...]
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Ein Besuch auf dem DACH-Urheberrechtsforum

kreative arbeit und urheberrecht (adapted) (Image by Paul Keller [CC BY 2.0] via Flickr)
Letzte Woche diskutierten verschiedene Urheberrechtsorganisationen zusammen mit der Kreativwirtschaft übers Urheberrecht – leider wie anno dazumal. Am vergangenen Dienstag und Mittwoch trafen sich Teile der Kreativwirtschaft in der Kalkscheune in Berlin. Dabei wurde in einem geschlossenen Teil mit Judikative und Exekutive über die Möglichkeiten von Ermittlungen im Bereich von Urheberrechtsverletzungen [...]
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Or Be Programmed

Wenn die Zukunft wirklich digital sein sollte, dann muss sich etwas ändern und dafür müssen wir schon bei den Kindern ansetzen: Program or be programmed. Informatikunterricht. Gab es schon in den 80ern an meiner Schule, hatte ich nicht, denn, ihr erinnert euch, meine Eltern führten auf meinem Rücken und mit meiner Unterstützung damals den Kulturkampf gegen Computer, obwohl wir später sogar zu den ersten gehörten, die BTX zu Hause hatten, aber das ist eine andere Geschichte.

Tablets, Smartboards. Ein Thema, das Eltern erregt und elektrisiert. Aktuell mal wieder aufgrund eines Schulmodells in Hamburg. Was haben wir im Elternrat auch um die weitere Einführung von Smartboards gerungen, wie fehlgenutzt auch immer die in der Praxis teilweise werden.

Was mich ärgert (ich kam darauf aufgrund einer Diskussion mit Hansjörg Schmidt, den ich nicht nur aber auch als Netz- und Medienpolitiker in Hamburg schätze und der nicht die Ursache des Ärgers ist), ist aber, wenn die beiden Dinge miteinander verknüpft werden. Oder gar in einem Atemzug genannt. Und das hängt mit einem Thema zusammen, zu dem Nico Lumma neulich was schrieb, das ich nicht wiederfinde, weil die Suche in seinem Blog für mich unbrauchbar ist. Der Idee, dass alle Schülerinnen eine Programmiersprache lernen sollten, dass es wie Fremdsprachen zum Basiscurriculum einer höheren Schule gehöre.

Update: Hier beispielsweise, sagt Nico, habe er das geschrieben, wie sonst auch überall immer (hier, hier und hier). Danke. Lesen.

Mit dem ersten meiner vier Kinder bin ich ja nun fast einmal durch das Schulsystem hindurch. Ok, in Hamburg. Und die anderen drei durchlaufen es. Und nun wechseln wir nach Schläfrig-Holstein in die Schulen, wenn alles klappt.

In keinem Fall meiner Kinder ist eine aus meiner Sicht auch nur rudimentär angemessene Mediennutzung Teil ihres Unterrichts gewesen. Aktueller Höhepunkt war, dass Tertius auf meine Anregung hin sein Baumtagebuch, das er im Nawi-Unterricht anfertigen muss, als Blog führt (was ihn, wie überraschend, tatsächlich motiviert, was eine handschriftliche Papiervariante nicht gekonnt hätte) – aber es keine Lösung dafür gab, wie er dieses Tagebuch dann in der Schule vorführt (außer es auszudrucken, was ja auch keine Lösung sein kann), obwohl der Lehrer die Idee mit dem Blog gut fand. Der Computer im Bioraum ist irgendwie nicht online oder so. Bereits vorher erlebte ich bei einem der beiden Großen so himmlische Dinge wie eine Lehrerin, die für die Bebilderung eines Referats empfahl, diese Bilder doch „von Google“ zu nehmen.

Kopf –> Tisch.

Meine Befürchtung ist – und die ist sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen, denn ich beteilige mich ja nun schon seit mehr als zehn Jahren an der Elternmitarbeit in Schulen und mache noch länger mit bei Schulpolitik -, dass es zwar total wichtig ist, schon diese rudimentären Dinge glattzuziehen im Unterricht, aber der Fokus auf Smartboards und Tablets dazu führt, das weit wichtigere und dringendere Thema Informatik, Programmieren, Verständnis für Programme und Sprachen vollständig zu verdrängen. Dass die Frage der technischen Ausstattung der Schule sozusagen Symbolpädagogik für alles ist, was mit „dem Computer“ (und das heißt für die Generation der aktuellen Eltern und Lehrerinnen allzu oft auch noch „dem Internet“) zu tun hat. Smartboards da – alles ist gut.

Nix ist gut. An den Schulen meiner Kinder gibt es recht viele Smartboards. Aber keinen qualifizierten oder qualifizierenden Informatikunterricht. Geparkt im Wahlpflichtbereich in der Mittelstufe (Klasse 9 und 10) finden einige wenige uninspirierte und nicht inspirierende Einheiten statt, in denen einfache Spiele programmiert werden. Eine privatempirische Stichprobe in einer zehnten Klasse eines Gymnasiums ergab, dass keiner der Schüler (Mädchen wählten das Fach nicht) sich erinnern konnte, welche Sprache sie benutzt hatten oder warum. Oder für sich hätte behaupten wollen, er hätte was gelernt. Mag Pech sein, das glaube ich aber nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass dann die naturwissenschaftlichen Profile in den Oberstufen es so schwer haben, genug Schülerinnen zusammenzubekommen. Naja.

Ohne bisher Erfahrungen damit gemacht zu haben, finde ich den Weg, den die beiden Oberstufen in Eutin gehen, ganz interessant. In dieser kleinen „Stadt“ in Ostholstein werden meine Kinder ab dem Sommer wohl zur Schule gehen. Dort gibt es jeweils naturwissenschaftliche Profile in der Oberstufe, die als eines der beiden profilgebenden Fächer Informatik haben. Ob Informatik eine Naturwissenschaft sei, will ich hier mal nicht diskutieren – aber die Profile werden sehr gut angewählt. Informatik wird hier in der so genannten Eingangsstufe (früher: Klasse 11, heute: Klasse 10) neu aufgenommen, gleich auf einem Niveau, das für Jugendliche interessant ist, gleich mit fünf Wochenstunden, gleich so, dass es auch in die Abiturprüfung läuft. Einer meiner Jungs wird das wählen, dann werde ich es beobachten können. Primus hätte auch Lust dazu, aber da ihm das erste Jahr fehlt, kann er das nicht mehr aufholen, weil sein Informatikunterricht in der Mittelstufe im Vergleich dazu nur Killefitz war.

Fazit, vorläufig: Meine Kinder brauchen keine Computerräume in der Schule und kein iPad oder so einen Kram. Meine Kinder brauchen Lehrerinnen, die selbst wissen, was mit internetbasierten Medien im Unterricht möglich ist. Und meine Kinder brauchen das Angebot eines qualifizierten Informatikunterrichts, der keine Medienerziehung ist sondern eher Fremdsprachenunterricht. Mit den gleichen Abstufungen und Zielen wie anderer Fremdsprachenunterricht – denn nicht alle meine Kinder werden fließend eine andere Sprache sprechen oder gar Bücher schreiben in dieser Sprache. Aber alle sollen Code lesen können und wissen, wie sie rausfinden, wie man da was rausfindet.

Update: Ich habe den Gedanken noch einmal weitergeführt und in die Bildungsdebatte eingeordnet. Hier entlang, wenn ich bitten darf.

tl;dr

Program or be programmed (Rushkoff)


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Haltungsturnen.de.


 


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Die Entwicklung der Digitalen Wirtschaft

Silicon Valley Financial Center (adapted) (Image by Christian Rondeau [CC BY 2.0] via flickr)
Was muss für die Digitale Wirtschaft hierzulande getan werden? Auf Spurensuche an der Westküste der USA. Auf Organisation der AmCham machte sich vor kurzem eine Delegation von Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses und des Ausschusses Digitale Agenda auf den Weg in die Vereinigten Staaten. Bei Besuchen in Seattle und San Francisco standen [...]
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Wie böse ist YouTube?

Welche Auswirkungen hat Musikvideo-Streaming über YouTube in den USA auf die dortigen Albenverkäufe? Kritische Analyse einer neuen Studie dazu. Es gibt mittlerweile zahlreiche Studien, die hier im Blog auch ausführlich besprochen wurden, darüber, wie schädlich oder unschädlich Filesharing für die Musikverkäufe ist. Ein klares Fazit aus wissenschaftlicher Sicht kann aber immer noch nicht gezogen werden. Nun legen R. Scott Hiller von der Fairfield University und Jin-Hyuk Kim von der University of Colorado Boulder eine erste Studie vor, wie sich das weitverbreitet Musikvideo-Streaming über YouTube in den USA auf die dortigen Albenverkäufe ausgewirkt hat.

Sie beobachteten dabei, wie sich der vorübergehende Boykott, den die Warner Music Group über YouTube nach gescheiterten Lizenverhandlungen zwischen Anfang Januar und Ende September 2009 verhängt hat, auf die Verkäufe von Alben jener Warner-KünstlerInnen ausgewirkt hat, die in diesem Zeitraum in den Billboard 200 Albencharts vertreten waren. Das Ergebnis scheint eindeutig zu sein: Warner konnte durchschnittlich 10.000 Stück pro Hit-Album mehr pro Woche verkaufen als die Konkurrenten, die ihr Repertoire weiterhin auf YouTube verfügbar gemacht hatten. Zudem hat der Warner-Boykott keinerlei statistisch signifikante Auswirkungen auf das Suchverhalten der Fans auf Google gezeitigt, was die Autoren zu Schluss veranlassen, dass es keine positiven Sampling- bzw. Promotionseffekt von YouTube gibt.

Wie diese Ergebnisse zustande kommen und was von ihnen zu halten ist, möchte in weiterer Folge genauer untersuchen.

Vorgeschichte

Nachdem YouTube um US$ 1,65 Mrd. von Google im Herbst 2006 gekauft worden war, ging der neue Eigentümer mit allen Musikkonzernen Lizenzpartnerschaften ein, um dem Vorwurf, Urheberrechtsverletzungen Vorschub zu leisten, Wind aus den Segeln zu nehmen. Allerdings waren die Majors mit den bescheidenen Ausschüttungen von YouTube nicht zufrieden. Als 2008 die Erneuerung der Verträge anstand, forderten sie wurden höhere Lizenzzahlungen. Im Dezember 2008 hatte sich Google und alle Majors mit Ausnahme der Warner Music Group (WMG) auf neue Lizenzdeals geeinigt, was dazu führte, dass die WMG begann, Musikvideos, die ihre Rechte berührten, von YouTube entfernen zu lassen. Vom 1. Januar bis zum 29. September 2009 waren in den USA keine Musikvideos mit Warner-KünstlerInnen bzw. Amateuraufnahmen mit Warner-Material auf YouTube zu sehen, bis sich die Videoplattform und der Musikkonzern dann doch auf einen Lizenzdeal einigten.

Datensample und Methodik

Dieses Blackout für Warner-Musikvideos auf YouTube wurde nun von den Studienautoren zum Anlass genommen, die Verkaufszahlen der Alben von Warner-KünstlerInnen mit jenen anderer Musikkonzerne zu vergleichen. Dazu benutzen Hiller & Kim die von SoundScan erhobenen Absatzzahlen, auf deren Basis allwöchentlich die Billboard 200 Albencharts zusammengestellt werden. Das ergibt ein Gesamtsample von 2.261 Alben von 1.663 KünstlerInnen. Die Gesamtzahl wurde pro Chartwoche um 10 bis 20 Nichtmusik- bzw. Compilation-Alben bereinigt.

Für jedes Album wurden nun die Zahl der in einer Woche verkauften Einheiten eines Albumstitels als abhängige Variable defininiert. Als unabhängige Variable flossen in die Schätzung ein:

  1. Der “Warner-Effekt” des Blackouts
  2. Die Gesamtanzahl der Wochen, die ein Album in den Top 200 war
  3. Die Zahl der in der ersten Woche nach Neuerscheinen verkauften Einheiten eines Albumtitels
  4. Ein Indikator für das Debütalbum einer KünstlerIn
  5. Ein Indikator für nachfolgende Alben einer KünstlerIn
  6. Die Dauer in den Charts sowie die Absatzzahlen des vorletzten Albums einer KünstlerIn, um ggf. Spillover-Effekte von früheren Produktionen sichtbar zu machen

Alle Alben wurden dann noch nach Musikgenres und nach Indie- bzw. Major-Release mit Hilfe der Discogs-Datenbank codiert. Schließlich wurden auch noch der Rang eines Albums in den US Top-100 Airplay-Charts berücksichtigt, um etwaige Promotionseffekte des Radios feststellen zu können.

Als weitere abhängige Variable wurde die Suchintensität der Musikfans nach “ihren” KünstlerInnen” im Internet gewählt. Dazu mussten die Studienautoren einen komplexen Index bilden, der nach US-Region differenziert die Suche nach MusikerInnen auf Google.com abzubilden in der Lage ist. Während die erste Variable den Einfluss der Warner-Blackouts auf YouTube auf die Absatzzahlen messen soll, dient die zweite Variable dazu, herauszufinden, ob der Blackout einen negativen Einfluss auf die Wahrnehmung durch die Fans auf die Warner-KünstlerInnen hatte.

Auf dieser Basis wurden nun alle Warner-Alben im Sample mit den Alben anderer Labels in den Top-200 vor, während und nach dem Blackout verglichen, wobei das Zeitfenster mit 1 Jahr sowie 9 Monate, 6 Monate und 3 Monate jeweils davor und danach variiert wurde.

Ergebnisse

Getestet wurde die Hypothese, ob der Blackout einen positiven oder negativen Einfluss auf die Absatzzahlen von Alben der Warner-KünstlerInnen hatte bzw. ob sich die Suchintensität der Fans durch den Blackout verändert hat. Anders formuliert: Wenn die Warner-KünstlerInnen in der Blackout-Periode verhältnismäßig mehr Alben absetzen konnten, dann könnte man auf einen negativen (Substitutions-)Effekt auf den Albenvverkauf schließen.

Für die vier verschiedenen Zeitfenster wurden nun Regressionen sowohl für die Absatzzahlen (Tabellen 2 bis 5) als auch für Suchintensität (Tabellen 6 bis 9) gerechnet. Dabei wurden schrittweise zuerst die Top-10 Alben aus dem Sample eliminiert, dann die Top-25-Alben und schließlich die Top-50-Alben, um ggf. unterschiedliche Effekte auf Superstarrepertoire und weniger bekanntes Repertoire sichtbar zu machen.

Die Daten für das Gesamtsample (Top-200) zeigen, dass je nach Zeitfenster ein Warner-Album im Durchschnitt um 5.718 Einheiten pro Woche bis zu 9.829 Einheiten pro Woche mehr verkaufen konnte. Dieser Effekt nimmt ab, wenn die Top-10-Alben aus dem Sample eliminiert werden – plus 2.458 bis 3.678 Einheiten pro Album – und ist noch schwächer, wenn die Top-25-Alben unberücksichtigt bleiben – plus 1.419 bis 1.870 Einheiten pro Album. Dieser “Warner-Effekt” verschwindet sogar ganz, wenn die Top-50-Alben aus dem Sample verschwinden. Das lässt den Schluss zu, dass der Blackout für die Warner-Superstars vorteilhafter war als für die weniger nachgefragten Stars und überhaupt keine Rolle für das Nicht-Superstar-Repertoire spielte. Allerdings darf nicht der Umkehrschluss gezogen werden, dass es für die Nicht-Superstars einen positiven Samplingeffekt gäbe, da die Ergebnisse weder negativ noch statistisch signifikant sind.

Die Studienautoren schlussfolgern: “(…) that the Warner artists who had Billboard top 200 albums during the nine-month blackout sold on average larger quantities of albums, as opposed to the non-Warner artists during the same period. (…) The estimates represent causal effects and thus render support for the sales displacement hypothesis” (S. 14). Dieser Effekt verschwindet aber, wenn die Top-50 platzierten Alben aus dem Sample genommen werden. YouTube hätte demnach also keinerlei negative Wirkungen auf die Absatzzahlen von Nicht-Superstaralben.

Des Weiteren können die Studienautoren keinen irgendwie gearteten Promotionseffekt von YouTube feststellen. Es lässt sich zumindest kein statistisch signifikanter negativer Einfluss des Blackouts auf die Google-Suche nach Warner-KünstlerInnen in den USA feststellen. Die Regressionen zeigen “(…) that the blackout had no statistically significant effect on the level of Internet user’s search activity. (…) Therefore, the hypothesis that a greater exposure to free online content increases the user’s level of interests finds no support in our data” (S. 16).

Kurz zusammengefasst legen die Studienergebnisse folgende Schlüsse nahe:

  • Die Verfügbarkeit von gratis konsumierbarer Musikvideos auf YouTube hat einen negativen Effekt auf den Albenabsatz. YouTube kannibalisiert demnach bis zu einem gewissen Grad die physischen und Download-Musikverkäufe.
  • Die Autoren betonen zwar, dass die Ergebnisse aufgrund des begrenzten Samples nicht verallgemeinerbar sind, legen aber doch die Vermutung nahe, dass Musikstreaming insgesamt einen Kannibalisierungseffekt auf Musikverkäufe haben könnte. Studien dazu müssten aber noch durchgeführt werden.
  • YouTube hat keinen Sampling- bzw. Promotionseffekt, weder auf das Superstar- noch auf das Nicht-Superstar-Repertoire.

Kritische Würdigung

Was haben die Autoren im Grunde genommen festgestellt? Sie haben gezeigt, dass der Absatz von Alben der Warner Music Group (WMG), die in den Billboard 200 in den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 vertreten waren, im Durchschnitt relativ höher war als jener der Konkurrenz, verglichen mit den Jahren 2008 und 2010. Es handelt sich dabei um eine Korrelation von zwei Sachverhalten, die auf das Fehlen der Warner-Musikvideos auf YouTube im gleichen Zeitraum zurückgeführt wird. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Warner-Blackout auf YouTube und dem relativ höheren Albenabsatz kann aber noch nicht hergestellt werden. Es könnte schließlich auch andere Ursachen für die Korrelation geben, die von den Studienautoren nicht untersucht wurden.

Ein Anhaltspunkt für eine solche Ursache findet sich im Jahresbericht der Warner Music Group für 2009. Darin berichtet der damalige CEO Edgar J. Bronfman: “According to SoundScan data, we reported the highest U.S. album market share growth of all major music companies in total albums sold between calendar 2004 and calendar 2008″ (WMG 2010: 3). Dieses starke Wachstum wird allerdings im Jahresbericht 2009 nicht auf die fehlende Präsenz auf YouTube zurückgeführt, sondern auf die 2007 formulierte und ab 2008 konsequent umgesetzte Digitalstrategie des Musik-Majors. Der Erfolg schlug sich auch in Zahlen nieder. Die digitalen Musikverkäufe der WMG, die von 2007 auf 2008 im US-amerikanischen Markt um ein Drittel gestiegen waren, konnten ein Jahr später um weitere 10,7 Prozent zulegen. Von 2009 auf 2010 fiel hingegen das Umsatzwachstum im digitalen Musiksegment mit 1,1 Prozent recht bescheiden aus. Vor allem in den USA griff die Digitalstrategie besonders gut. Nachdem der Digitalanteil an allen in den USA getätigten Umsätzen 2008 auf 29,9 Prozent gestiegen war, machte er 2009 einen weiteren starken Sprung nach oben auf 38,8 Prozent. Der Zuwachs auf 44,3 Prozent fiel 2010 vergleichsweise schwach aus.

Ein Vergleich mit dem Weltmarktführer, Universal Music Group (UMG), macht den Erfolg der Digitalisierungsstrategie von Warner in den Jahren 2008 und 2009 noch sichtbarer. Der UMG konnte zwar von 2007 auf 2008 die digitalen Musikumsätze um 30,5 Prozent steigern, aber mit einem Plus von 7,8 Prozent im Jahr 2009 fiel die UMG hinter die WMG zurück. Erst mit einer Steigerung um 13,8 Prozent im darauffolgenden Jahr konnte der Rückstand zur WMG wieder aufgeholt werden. Dementsprechend moderat fiel der Anteil des Digitalumsatzes der UMG im Jahr 2009 aus, als er 25,7 Prozent erreichte – 13,1 Prozentpunkte niedriger als der Digitalanteil der WMG am US-Markt im gleichen Jahr (Vivendi 2010: 150) Am Rande sei noch erwähnt, dass bei Atlantic Records, einem Sublabel der WMG, 2009 mehr als 50 Prozent der phonografischen Umsätze auf digitale Musikverkäufe entfielen (WMG 2010: II).

Diese Indizienlage legt einen anderen Schluss nahe: Die relativ höheren Albenverkäufe der WMG sind nicht auf das YouTube-Blackout zurückzuführen, sondern auf die Umsetzung der Digitalstrategie, die Warner 2009 einen vorübergehenden Vorteil im Digitalgeschäft gegenüber der Konkurrenz verschafft hat. Dieser Vorteil ging, wie die Zahlen belegen, bereits 2010 wieder verloren, was sich durchaus mit der Analyse von Hiller & Kim deckt. Auch der schwächer werdende “Warner-Effekt”, wenn immer weniger Hit-Alben in Betracht gezogen werden, kann mit der Digitalstrategie der WMG erklärt werden. Da die Konzerne vor allem ihr Superstar-Repertoire mit entsprechendem PR- und Marketingsaufwand am Markt positionieren, profitierten vor allem die Hit-Alben von der Digitalstrategie.

Diese Erklärung ist trotz des statistischen Apparates, den die Autoren aufbieten, schlüssiger. Warum sollten die Verantwortlichen in der Warner Music Group, denen die präzisen Absatzzahlen für jedes Album vorliegen, so dumm sein, den Vertrag mit YouTube zu verlängern, wenn sie aus den Daten einen massiven Kannibalisierungseffekt herauslesen müssten? YouTube kann also nicht so böse sein, wie die Studie von Hiller & Kim suggeriert. Schließlich glauben nicht nur die WMG, sondern alle anderen Majors und der Großteil der Indies an die positiven Promotions- und Samplingeffekte, die von YouTube ausgehen. Ganz im Gegenteil, heutzutage kann es sich kein Label leisten, nicht mit seinem Repertoire auf YouTube verfügbar zu sein. Die Autoren sollten also ihr Forschungsdesign noch einmal überdenken, und auch noch andere mögliche Erklärungen für den “Warner-Effekt” in Betracht ziehen.


Quellenangaben


Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog Musikwirtschaftsforschung.


 


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Nach NSA-Skandal: Privacy-Startups sind das neue Schwarz

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Nervige Anrufe von Callcenter-Agenten

Wie leistet man erfolgreich Widerstand gegen Hotline-Terror und wehrt die telefonischen Heizdecken-Verkäufer ab? Eine Anleitung. Nervige Kaltanrufe von Callcenter-Agenten werden stets harmlos eingeleitet: „Hallo Frau/Herr xy, Sie sind jetzt schon seit Jahren ein treuer Kunde unserer Firma. Da haben wir etwas ganz Besonderes für Sie. Wir bieten Ihnen die fantastische Möglichkeit für ein Upgrade Ihres Mobilfunk-Vertrages, damit auch Ihre Familienangehörigen in den Genuss unserer unschlagbaren Flatrate-Preise kommen können.“

Zeigt man sich interessiert, folgt der Hinweis, dass man jetzt das Gespräch aufzeichnen wolle, um die „Qualität“ der telefonischen Services zu verbessern. Eigentlich geht es um die rechtsverbindliche Zustimmung für eine Vertragsänderung oder einen Neuvertrag. Die Verkaufstricks der Hotline-Agenten Was vom Hotline-Agenten runtergenudelt wird, klingt nicht wie ein Angebot, sondern wie die etwas verklausulierte Zustimmung zu einem Angebot. Stimmt man der Aufzeichnung nicht zu und verlangt ein schriftliches Angebot via E-Mail oder Post, stammelt der Hotline-Fritze dann irgendetwas über die technische Unmöglichkeit, von seinem Arbeitsplatz entsprechende Angebote zu verschicken oder vom bedauerlichen Absturz der firmeneigenen Server. Dümmliche Ausreden, um am Telefon die heißbegehrten Trefferquoten zu erzielen. Ein entsprechendes Telefonat führte meine Frau mit der E-Plus-Tochter Base. Sie stimmte einer Aufzeichnung des Gesprächs natürlich nicht zu – erste Empfehlung. Verlangte ein schriftliches Angebot – zweite Empfehlung. Und legte dann den Hörer auf – dritte Empfehlung. Das Ergebnis veröffentlichte meine Frau auf der Facebook-Seite von Base: „Die Methoden der unerwünschten Anrufe des Base-Callcenters gleichen denen von Drückerkolonnen. Noch ein solcher Anruf und ich kündige alle Verträge bei Base und melde dieses Vorgehen der Bundesnetzagentur.“ Als Antwort faselte ein Base-Mitarbeiter im rabulistischen Ton von einer „proaktiven Kontaktaufnahme“ seiner Firma, der man online widersprechen könne. Aha. Liebwertester Base-Gichtling. Nicht nötig. Deine proaktive Rechtfertigungslyrik kannst Du Dir sonst wo hinstecken. Ein Vertrag kam gar nicht zustande. Wir haben Eure Verkaufstricks durchschaut. Schwarze Schafe an jeder Ecke Der Kommunikationstrainer Markus Euler stellt die berechtigte Frage, wann dieser Schwachsinn endlich aufhört: „Ich weiß, es sind nur die schwarzen Schafe. Aber irgendwie blökt es an jeder Ecke so.“ Die Leierkasten-Truppe im telefonischen Kundendienst spielt schon seit Jahren die gleiche Musik: „Schön, dass ich Sie erreiche“; „Einmaliges Angebot“; „Kann keine Angebote versenden“, „Kann nicht durchstellen“, „Gilt nur heute und für Sie!“. Die Zeiten dieser hyperschwachsinnigen und verlogenen Akquise sollten wirklich der Vergangenheit angehören, fordert der Service-Experte Harald Henn. „Das ist ein unglaubwürdiges Geplappere. Ein guter Verkäufer begleitet den Kunden im Kaufprozess. Kaufen lassen, statt verkaufen.“ So sollte es jedenfalls sein. Abwehr im Social Web Im Social Web funktionieren die Heizdecken-Verkaufstaktiken ohnehin nicht. „Das monotone und gebetsmühlenartige Wiederholen von Verkaufsbotschaften stößt zunehmend auf Abwehrreaktionen; die Wirkung der Werbung lässt generell nach und das aggressive und unerlaubte Eindringen der Verkäufer mittels Callcenter hat der Gesetzgeber mittlerweile kräftig eingeschränkt“, weiß Henn. Es gibt also probate Mittel, sich gegen die Hotline-Drückkolonnen zu wehren. Die vierte Empfehlung funktioniert selbst bei Rufnummern-Unterdrückung: „Die Bundesnetzagentur, die seit 1. September 2009 als Kontroll- und Sanktionsinstanz im Spiel ist, hat perfekte technische Möglichkeiten, auch bei unterdrückter Rufnummer den Anrufer zu identifizieren, wenn der Anrufzeitpunkt einigermaßen eingegrenzt werden kann. Außerdem: Wenn ein Geschäft am Telefon zustande kommt, weiß Tante Erna spätestens nach Zusendung der Vertragsunterlagen und der Rechnung, wer dahinter steckt – und dann erfährt es auch die Bundesnetzagentur“, so der Ratschlag von Rechtsanwalt Michael Siegert, Spezialist für Datenschutz und Direktmarketing, im Interview mit NeueNachricht. Auf der Bundesnetzagentur-Website befinden sich Vordrucke, mit denen die Verbraucher unlauteres Telefonmarketing relativ einfach anzeigen können. Aber nach wie vor gilt für fast alle Netzbetreiber: Der Vertragsabschluss funktioniert ganz easy per Mausklick oder mit einem Hotline-Jawort; Kündigung oder Vertragsänderung ohne Upgrade-Gedöns nur auf handgemeißelter Marmortafel in fünffacher Ausfertigung. Mehr zu Themen des Netzes und dem digitalen Wandel gibt es auch vom European-Kolumnisten Lars Mensel in seinem aktuellen Artikel „Prism und Privatsphäre als Feature„.


Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf The European.

 

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Social Media und Hochwasser: Dammbruch auf Facebook

Im Ausnahmezustand werden Nachbarn zu Helfern. Dieses Prinzip hat sich schon in der Vergangenheit bewährt. Wieso tatenlos warten, wenn Eimer und Sand das Schlimmste schon vor Eintreffen der Feuerwehr verhindern können?  Gewandelt hat sich, dass Menschen heute nicht mehr nur analog nach Hilfe rufen, sondern auch digital. Im Falle des Hochwassers besprechen Menschen über Facebook und Twitter, wo und wann Unterstützung gebraucht wird. Ohne Koordination und verlässliche Informationen kann es aber passieren, dass sich an einer Stelle überflüssige Sandsäcke stapeln, während anderorts der Damm bricht. Weiterlesen »

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Digitale Urlaubstipps von der Schwarmintelligenz

Muss man sich 2013 noch einen Reiseführer kaufen oder reicht das Internet? Webseiten wie Yelp, Foursquare, TripAdvisor oder auch die neuen Google Maps schicken sich an, Lonely Planet, DuMont und Co. abzulösen – und das noch dazu kostenlos.

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Der Umstieg auf Internet-Dienste hat Folgen, wie sich auf meinen jüngsten Reisen nach Neuseeland, New York und in die Karibik zeigte. Denn statt bei den Experten von Lonely Planet, DuMont und Co. holt man sich seine Urlaubstipps bei der Masse – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Ein Erfahrungsbericht.

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