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BuzzFeed kooperiert mit den Geständnis-Sammlern von Whisper

BuzzFeed geht eine Kooperation mit dem auf Anonymität setzenden sozialen Netzwerk Whisper ein, dass die Bilder seiner Mitglieder zur Verfügung stellt. // von Tobias Schwarz

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Mit einer Content-Sharing-Kooperation bekommt das von Jonah Peretti gegründete BuzzFeed Zugang zu den Geständnissen und Fotosl der Nutzer von Whisper, einem sozialen Netzwerk, in dem sich Menschen vermeintlich anonym ihre Geheimnisse verraten. Ein lukrative Deal für beide Websites.


Warum ist das wichtig? Die Kooperation zwischen BuzzFeed und Whisper wirkt wie ein Deal für mehr Viralität, doch hier geht es auch um die journalistische Verantwortung, anonyme Quellen einzuordnen.

  • BuzzFeed und Whisper schließen eine Content-Sharing-Kooperation ab.
  • Dadurch erhält BuzzFeed Zugang zu den Fotos mit Geständnissen der Mitglieder von Whisper.
  • Es geht hier um mehr als Unterhaltung, sondern die journalistische Verantwortung bei der Darstellung von Geschichten.

BuzzFeed veröffentlicht Geheimnisse

Vergangene Woche wurde ich von Anna Bühler für die Sendung Zündfunk des Bayerischen Rundfunks zum bevorstehenden Deutschland-Start von BuzzFeed interviewt. In ihrem Artikel zum Interview schreibt Bühler dann über eine Aussage von mir, die sie zurecht beachtlich fand: „BuzzFeed kennt immer noch ein Netzwerk mehr, in das es sich einnisten kann„. Gemeint ist damit eine Sharing-Button zum Messengerdienst WhatsApp, mit dem schnell Artikel an Kontakte oder in Gruppen gepostet werden können. Ich argumentierte, dass BuzzFeed damit beweist, dass sie innovativ genug sind, auch beim Wegfall der aktuelle beliebtesten sozialen Netzwerke, neue Plattformen zu finden. Im Gegensatz zu vielen Medien ist BuzzFeed auch in der Lage umzudenken und scheinbar vorauszusehen, welches soziale Netzwerk relevant wird.

Ein weiterer Beleg könnte die diese Woche geschlossene Kooperation mit dem sozialen Netzwerk Whisper (gratis für iPhone und Android) sein. Auf diese Art und Weise ist ein virtueller Beichtstuhl entstanden, in dem „Nutzer frei von sozialem Druck ihre ehrliche Meinung veröffentlichen können„, wie Jakob Steinschaden auf Netzpiloten.de schrieb. Die Nachrichten der Nutzer werden über ein Bild gelegt, denn wie auch auf BuzzFeed funktioniert die Kommunikation mit visuellen Medien auf Whisper besser.

Für die Kooperation wird kein Geld fließen, noch gemeinsame Infrastrukturen geschaffen, wie Whispers neuer Chefredakteur Neetzan Zimmerman, der noch bis Januar beim auf Gerüchte setzenden News-Blog Gawker beschäftigt war, gegenüber Mashable erklärt: „Bei BuzzFeed werden die Leute in Einzelfällen, wenn sie etwas brauchen, an einen Projektmanager bei Whisper wenden, der dann mit seinem Team die Inhalte nach den BEdürfnissen von BuzzFeed aufarbeitet„. Eine erster Beitrag auf BuzzFeed mit Fotos von Whisper – „19 brutally Honest Teacher Confessions“ – ist bereits online und hat schon über 1,1 Millionen Views.

Wie anonym können Quellen sein?

Noch ist die Partnerschaft unentgeldlich, lukrativ ist sie jetzt aber schon für beide Seiten. Whisper hat als Werbefläche eines der weltweit angesagtesten Nachrichtenportale, während BuzzFeed durch Whisper über neue Trends an Geständnissen oder Dauerbrenner an Geheimnissen informiert wird. Auf den ersten Blick hat das nicht viel mit Journalismus zu tun, aber auch hinter einer Ansammlung von Geständnissen zu einem gleichen Thema versteckt sich eine aussagekräftige Geschichte. Die Whisper-Fotos der Lehrer und Lehrerinnen sagen durchaus etwas über das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern aus – ihre Anonymität über die Moralvorstellungen bei dem Thema.

BuzzFeed versucht sich immer mehr auch einen Namen als Plattform für guten Journalismus zu erarbeiten, doch die Whisper-Listicles gehen weit über die als nebensächliche Unterhaltung einzustufenden Bilder von Katzen hinaus. Hier werden anonynme Quellen zitiert, ohne Einordnung der Aussagen. Dies ist mehr als Unterhaltung. Hier geht es auch um Verantwortung und Authentizität. Whisper hat diesen Kritikpunkt eines möglichen Geschäftsmodells bereits erkannt. „Wie ich mich schon bei Gawker um Authentizität gekümmert habe, tue ich das überall wo bin„, sagt Zimmerman. Es wird spannende zu sehen sein, wie er das schaffen will.


Teaser & Image by Tobias Schwarz/Netzpiloten (CC BY 4.0)


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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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