Bundeswirtschaftsministerium will 150 Millionen in Startups investieren

Wenige Tage vor seiner Silicon-Valley-Reise gibt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bekannt, dass private Investoren 20 Prozent ihrer Investitionssumme in Startups zurück bekommen können. Warmer Geldregen für Business Angels oder wirklich eine Fördermaßnahme für Startups?

Die US-amerikanischen Firmen Apple, Facebook oder Google sind mittlerweile jedem bekannt. Da Deutschland seit jeher als Land der Denker und Techniker bekannt ist, werden sich bestimmt schon viele Leser gefragt haben, welche großen IT-Firmen eigentlich aus Deutschland kommen. Warum es neben SAP oder Siemens Nixdorf so wenige deutschstämmige Unternehmen gibt, liegt auf der Hand. In den USA ist es sehr viel leichter, an Risikokapital zu kommen, weswegen dort sehr viele Technologiefirmen gegründet werden. Zunehmend wandern deutsche Firmengründer aus, um im Ausland ihre Idee mit dem Geld Dritter zu verwirklichen. Dieser Abwanderung von innovativen Köpfen möchte man jetzt entgegenwirken. Die Förderung unseres Wirtschaftsstandortes will sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie insgesamt 150 Millionen Euro kosten lassen. Schon am 15. Mai dieses Jahres begann die Förderung.

Durchführendes Organ ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das in 2009 und 2010 die Abwrackprämie für Pkws abwickelte. Investoren bekommen 20 Prozent ihres Wagniskapitals von der BAFA geschenkt, die staatliche Unterstützung unterliegt aber einigen Voraussetzungen. So prüfen die Mitarbeiter sowohl die Investoren als auch die geförderten Unternehmen. Der Empfänger des Kapitals muss jung, klein und unabhängig sein. Zudem ist eine innovative Branche Voraussetzung, die im Handelsregisterauszug vermerkt sein muss. Philipp Rösters Anschubfinanzierung klammert allerdings Startups aus dem Bereich E-Commerce und Firmen, die Dinge vermieten wollen, aus. Damit fällt die Unterstützung zahlreicher Unternehmen flach, die sich mit dem elektronischen Handel von Waren oder beispielsweise mit dem Thema Car Sharing beschäftigen.

Nach erfolgreicher Prüfung wird den Startups vom BAFA die Förderfähigkeit für den Investitionszuschuss Wagniskapital bescheinigt. Das wiederum soll den Investoren ein wenig Sicherheit bei der Vergabe ihrer Gelder geben. Geprüft wird auch, ob die Vergabe des Risikokapitals marktüblich ist oder zu Ungunsten des neuen Unternehmens ausfällt. Das Risikokapital in Höhe von mindestens 10.000 Euro muss vom Investor mindestens drei Jahre lang vergeben werden.

Rechtsanwalt Christian Musfeldt befürchtet allerdings, die Richtlinien beinhalten einige Unklarheiten, die sich wie eine juristische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme auswirken könnten. Da die Investoren nicht freiwillig auf den staatlichen Zuschuss verzichten werden, müssen die weniger klar definierten Regelungen für die Vergabe der Gelder mit juristischer Unterstützung geprüft werden. Laut Musfeldt kommt auch auf die BAFA-Mitarbeiter noch einiges an Arbeit zu. So ist beispielsweise unklar, inwiefern sich andere öffentliche Förderprogramme auf den Investitionszuschuss Wagniskapital auswirken werden. Offenbar wurden die Vorgaben des Ministeriums mit heißer Nadel gestrickt.

Trotzdem sollen die Gelder dafür sorgen, dass die künftigen Taktgeber des Marktes bei uns in Deutschland bleiben. Vielleicht fallen uns dann eines schönen Tages neben Apple, Facebook und Google ein paar neue und innovative IT-Firmen ein, die hierzulande gegründet wurden und die Deutschland dauerhaft als Standort ausgewählt haben.


 


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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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