Musik Streaming Plattform Beats Music (Bild: Beats Music)

Beats Music zieht in den Kampf um die Music-Stream-Marktanteile

Musik wird heute nicht mehr gekauft, sondern gestreamt. Die amerikanische Firma Beats Music will in dem hart umkämpften Markt nun mitmischen. // von Daniel Kuhn

Musik Streaming Plattform Beats Music (Bild: Beats Music)

Musik-Streaming-Dienste wie Spotify werden als Heilsbringer, oder Todesurteil der Musikindustrie gesehen – je nachdem, wen man fragt. Der Markt ist hart umkämpft und während die Großen mit immer härteren Mitteln um die Aufmerksamkeit der Hörer kämpfen, müssen ehemals angesagte Download-Portale wie Musicload bereits die Segel streichen. Trotz alledem traut sich mit Beats Music nun ein weiterer Wettbewerber auf den Markt. Ist der Dienst DOA, oder hat er reale Chancen?


Warum ist das wichtig? Der Verkauf von CDs und Downloads hat in den letzten Jahren zugunsten von Streaming-Plattformen wie Spotify und Beats Music nachgelassen.

  • Der Markt der Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Rdio, Google Play Music, etc. ist immer härter umkämpft.

  • Beats Audio wagt mit Beats Music trotzdem den Schritt auf diesen Markt – wenn auch vorerst nur auf den amerikanischen.

  • Mit kontextuellem Bewusstsein, sowie tatsächlich funktionierenden Empfehlungen soll der Dienst die Nutzer überzeugen.


Der Streaming-Markt ist hart umkämpft

Die Telekom hat gerade bekannt gegeben, dass der Download-Service Musicload in den nächsten Monaten geschlossen werden soll. Das Geschäft mit den MP3-Dateien ist schlicht unrentabel geworden, da Spotify & Co. ihnen den Rang ablaufen. Nutzer sind immer weniger bereit Geld für ein einzelnes Stück Musik auszugeben, wenn man für einen geringen monatlichen Betrag ohnehin alles streamen kann. Diese Trendwende hat die Telekom allerdings längst erkannt und einen Deal mit Spotify an Land gezogen, der den Kunden des Magenta-Providers die musikalische Grundversorgung sichert.

Spotifys Situation ist dagegen allerdings auch nicht so entspannt, wie es der enorme Erfolg in Sachen Nutzerzahlen vermuten lässt. Die Konkurrenz schläft nicht und mit Rdio, Google Play Music All Access, Sony Music Unlimited, Napster und vielen anderen, buhlen bereits einige Schwergewichte um die Aufmerksamkeit des Nutzers. Dies führt nicht nur zu einer stetigen Anpassung der Tarifstruktur, sondern auch zu ungewöhnlicheren Maßnahmen. So bietet Spotify Künstlern seit kurzem auch die Möglichkeit an, Merchandise wie z.B. T-Shirts zu vertreiben, ohne dafür eine Gebühr zu verlangen. Dies zeigt, wie hart umkämpft der Markt inzwischen geworden ist.

Beats Music setzt auf Menschen anstatt auf Algorithmen

Umso erstaunlicher scheint es da, dass Beats Audio – die Firma von Dr. Dre, die vor allem durch die als teures Fashion-Accessoire vermarkteten Kopfhörer bekannt geworden ist – ebenfalls in das Streaming-Geschäft einsteigt. Für 10 Dollar im Monat hat der Nutzer Zugriff auf 20 Millionen Songs. Soweit also nichts, was Spotify & Co. nicht auch anbieten. Ein paar Asse hat das Unternehmen dann allerdings doch im Ärmel.

Eines davon heißt Trent Reznor. Der Nine Inch Nails- Frontmann hat bereits sehr viel Erfahrung in der Musikindustrie gesammelt und nach dem Ende seines Plattenvertrages 2007 herumexperimentiert, seine Musik auf eigene Faust an den Fan zu bringen. Reznor hat sich nun mit seinem alten Label-Vorsitzenden Jimmy Iovine zusammengeschlossen, um für Beats Audio einen Streaming-Service mit seinen Vorstellungen anzureichern, der sich dadurch von der Masse abheben soll.

Statt wie die restlichen Vertreter dem Nutzer einfach nur einen Katalog anzubieten, durch den dieser sich alleine durchwühlen muss, soll Beats Musik den Hörer an die Hand nehmen und ihm die passende Musik im richtigen Moment präsentieren. Dafür wird zum einen auf Kontext gesetzt, also zu welcher Tageszeit und an welchem Ort hört der Nutzer welche Art von Musik. Je mehr Musik gehört wird, desto besser kann die App auf dem Smartphone oder Tablet das Nutzerverhalten analysieren und entsprechende Vorschläge liefern. Aber der Nutzer kann dies auch durch die manuelle Eingabe der Situation, seines Umfeldes, der Stimmungslage etc. auch eigenhändig steuern.

Außerdem soll Beats Music, wie ein guter Freund oder ein Magazin fungieren und dem Nutzer anhand seines Musikgeschmacks tatsächlich nützliche Vorschläge präsentieren. Diese sollen nicht, wie üblich, über starre Algorithmen generiert werden, sondern durch Menschen gesteuert werden. Dafür wurden namenhafte amerikanische Radio-DJs und Musikjournalisten angeheuert, die diese Aufgabe bewerkstelligen sollen.

Noch ein weiter Weg zu gehen

Im Mai 2014 wurde Beats von Apple für die Summe von drei Milliarden US-Dollar aufgekauft, wobei etwa 500 Millionen US-Dollar in Beats Music Streaming geflossen sind. 

Dies zeigt, dass Apple ein großes Potenzial in dem Dienst sieht, obwohl für Beats bislang nicht alles optimal läuft. Als im Mai 2014 die Nutzerzahlen veröffentlicht wurden, kam heraus, dass der Service, der jedoch auch nur in den USA verfügbar ist, gerade einmal 110.000 Abonnenten aufweisen konnte. In Anbetracht zu den hohen Summen, die Apple investiert hat, ein vergleichsweise niedriger Wert. 

Bis heute wird die Zahl der Abonnenten auf etwa 300.000 Nutzer geschätzt, was verglichen mit zehn Millionen zahlenden Spotify-Abonnenten immer noch verbesserungswürdig ist. Generell scheinen Apples Pläne mit Beats Music aber langfristiger Natur zu sein. Anfang diesen Jahres soll Beats in Apples iOS-Store integriert werden, was den Bekanntheitsgrad des Unternehmens steigern dürfte. Außerdem wurde vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass Semetric, der Entwickler des Analysetools Musicmetric gekauft wurde, mit dessen Hilfe nachverfolgt werden kann, wie gut der eigene Dienst bei den Nutzern ankommt. Damit geht Apple einen Schritt auf Künstler, Label und andere Partner zu. Insofern hat Beats noch immer einen weiten Weg vor sich, ehe es einen ernsthaften Konkurrenten zu Marktführer Spotify darstellen wird.

Zuletzt aktualisiert am 23.01.2015 von Niklas Möller.


Teaser & Image by Beats Music


Schlagwörter: , , ,
Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus