Line Messenger (Bild: LINE)

BBC News nutzt Line-Messenger als Distributionskanal für Videos

Die britische BBC hat einen eigenen Account im Instant Messenger Line gestartet. Über den Kanal will man international Nachrichten in Form kurzer Videos verbreiten. // von Daniel Kuhn

Line Messenger (Bild: LINE)

Die BBC experimentiert viel mit Distributionskanälen für die eigenen Nachrichten herum. Eines dieser Experimentierfelder sind Chat-Apps für Smartphones. Nach einigen Testläufen, die auf bestimmte Länder und News-Ereignisse beschränkt waren, hat die BBC nun einen eigenen internationalen Kanal in der Messenger-App Line gestartet. Hier werden in Form von 15 Sekunden kurzen Videos die wichtigen News-Themen des Tages an die Nutzer gesendet.


Warum ist das wichtig? Große Nachrichtenhäuser suchen nach immer neuen Wegen, ihre Inhalte an die Menschen zu liefern. Chat-Apps bieten hier nun den bisher direktesten Draht.

  • Die BBC hat einen eigenen Kanal innerhalb der Chat-App Line gestartet, die über 400 Millionen Nuter weltweit besitzt.
  • Über diesen Kanal werden ein paar 15 Sekunden lange Videos pro Tag an die interessierten Nutzer gepusht.
  • Line bietet einen großen Vorteil gegenüber anderen Chat-Apps, da der Messenger sich auch als rudimentäres Social Network nutzen lässt.

Warum ausgerechnet Line?

Eine Chat-App auf dem Smartphone ist sicher nicht das Erste, was einem als geeigneter Nachrichtenkanal einfällt. Bei der BBC ist man da deutlich offener und experimentierfreudiger eingestellt. Es gab bereits erste Gehversuche über WhatsApp und dem BlackBerry Messenger (BBM) zu Wahlen in Indien und Nigeria. Der Line-Account ist nun aber der erste internationale News-Kanal der BBC, über den man über das globale Nachrichtengeschehen informieren will. Anders als bei den bisherigen Experimenten bietet Line aber ein größeres Erfolgspotenzial, aufgrund seiner Alleinstellungsmerkmale.

Line ist auf den ersten Blick ein sehr typischer Instant Messenger – allerdings ohne den Zwang, die eigene Telefonnummer angeben zu müssen. Man kann Textnachrichten, Bilder, Videos und Audioschnipsel versenden. Man kann aber auch kostenlose Telefonate (VoIP) führen, was wiederum eher an Skype erinnert und der App nach dem Erdbeben 2011 in Japan zu großer Popularität verholfen hat, nachdem dort die Telefonnetze zusammengebrochen sind. Dass man den Dienst aber auch als rudimentäres Social Network nutzen kann, hebt Line dann allerdings doch von der Konkurrenz ab und macht es für die BBC letztendlich interessanter als andere Instant Messenger, da sich diese nicht oder nur sehr schwer skalieren lassen.

Im Kleinen wie im Großen

Zwar haben die Experimente in Indien und Nigeria einige positive Effekte gehabt, im Großen und Ganzen haben sie aber auch eine Menge Probleme für diese Art der Kommunikationskanäle aufgezeigt. WhatsApp zum Beispiel bietet keine API, über die die Konten verwaltet werden können. Außerdem gibt es für große Unternehmen wie die BBC keine Möglichkeit, Kanäle einzurichten. Vielmehr müssen alle Kontaktanfragen persönlich akzeptiert werden und diese Nutzer müssen dann einer Gruppe beitreten, damit sie die Inhalte erhalten. Ein großer Nachteil davon ist, dass jedes Feedback eines Nutzers bei allen Nutzern in der Gruppe ankommt, was zu einem unerträglichen Grundrauschen führt. Außerdem stellt die Moderation der Kommentare eine kaum zu meisternde Herausforderung dar.

Line bietet genau diese Funktionen. Es gibt eine API, auch wenn diese nicht öffentlich ist, sondern nur ausgewählten Partnern zur Verfügung steht. Darüber lassen sich sogenannte Line-Channels eröffnen, denen jeder Nutzer folgen kann, ohne dass die Kontaktaufnahme erst bestätigt werden muss. Über diese Chanels lassen sich dann Inhalte an jeden Kontakt senden und über die API lassen sich die Interaktionen mit den Nutzern bequem steuern.

Warum überhaupt Chat-Apps

Aber es bleibt die Frage im Raum stehen, warum eigentlich Chat-Apps als News-Kanal nutzen? Die klassischen Social Networks sind zwar bereits gut besucht, doch gibt es viele Regionen, wo nur wenige Menschen Facebook, Twitter und Co., stattdessen aber eben Instant Messenger nutzen. Außerdem bieten Instant Messenger aufgrund ihrer großen Nutzerzahl eine breite potenzielle Leserschaft. Line hat immerhin über 400 Millionen Nutzer weltweit und WhatsApp sogar 600 Millionen.

Aber sie bieten noch einen weiteren großen Vorteil, nämlich das Generieren von User Generated Content (USG). Anders als bei den üblichen Social Media-Kanälen sei das User Engagement bei Chat-Apps besonders hoch, teilte Trushar Barot, Apps Editor, BBC World Service and Global News, den Kollegen von journalism.co.uk mit. Bei dem Test mit WhatsApp hätten viele Nutzer mit einem „Dankeschön“ oder einem Emoticon geantwortet und es sei einfacher, direkte Meinungen zu bestimmten Meldungen zu erhalten.

Dieser direkte Draht zu den Bürgern kann der Berichterstattung auch neue Sichtweisen geben. In Südafrika hatte die BBC vor einer Wahl in einem Experiment mit der App Mxit eine Umfrage an die Nutzer geschickt, in der sie gefragt wurden, was ihrer Meinung nach die wichtigsten Themen im Wahlkampf seien. Die lokalen Medien hatten den Fokus auf die Führung gesetzt, doch in der Umfrage, an der vor allem jüngere Menschen teilgenommen haben, fanden sich Jobs, Gesundheit und Bildung an der Spitze. Die BBC konnte so den Fokus der eigenen Berichterstattung auf diese wichtigen Themen verschieben. Potenzial besitzen die Chat-Apps als News-Kanal also, nun müssen sie sich nur noch etablieren.


Teaser & Image by LINE


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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