Es lässt sich leicht in die Welt hinein rufen. Dass die Welt auch zurückruft, ist nicht selbstverständlich. Das Gesagte muss einen Sinn ergeben. Das leuchtet schnell ein. Aber im Internet erscheint der Sinn häufig außerhalb eines Gedankens zu stecken. In keinem anderen Medium werden Stimmungen so schnell und so kurzfristig angeheizt oder abgekühlt. In keinem anderen Medium werden Stimmungen zu einem Sinnersatz befördert. Die BILD-Zeitung hatte neulich die Griechen und Griechenland mit Stimmungen überzogen. Die Verwertung von Inhalten wurde in vielen Printmedien zu einer ganzen Salve von Stimmungen emporgehievt. Ohne die entsprechende Gegenkanonade aus dem Netz wäre sie sang- und klanglos versickert - mangels öffentlicher Relevanz. Sogar die Piraten haben sich quasi proaktiv instrumentalisieren lassen und dazu das Netz betätigt...

In den Wissenschaften wird das Problem schon lange diskutiert: Wer nicht publiziert, hat keine Chance etwas vom schrumpfenden Kuchen der akademischen Existenzsicherung in Universitäten und Forschungseinrichtungen abzubekommen. Also werden die Fachzeitungen mit Artikeln geradezu bombardiert. Peer Review, das fachlich versierte Drübersehen von Kollegen zur Qualitätssicherung, ist weder in der Lage, die Mengen angemessen zu beurteilen noch gibt es überhaupt objektivierbare Gründe, eine Veröffentlichung gutzuheißen oder zu verneinen - abgesehen von offensichtlich falschen Annahmen oder Ergebnissen bzw. lächerlichen Forschungsmethodiken.
Aber da liegt der Hase schon im Pfeffer: Was heute lächerlich sein mag, kann morgen zum traditionellen Kanon eines Fachbereichs gehören. Und wo liegen die Perlen in der inflationären Forschungsproduktion? Analog dazu verhält es sich mit Texten im Netz. Immer mehr beruflich oder privat ambitionierte Schreiber verfassen immer mehr Buchstabensalat. Aber wer soll das alles essen und vor allem - warum? Ist Google ein gelungenes Werkzeug Peer Review zu simulieren?
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Damals in der guten alten Zeit, also in den 70er, die die Jüngeren unter uns als die stylishe Zeit in Sachen Design auserkoren haben, damals also, da gab es Käpt'n Nuss. Das war sechs Trillionen mal leckerer als Nutella. Aber das ist weg. Ausgemustert. Wahrscheinlich bis unter's Dach voll mit Geschmacksverstärkern. Und deswegen habe ich neuerdings Sympathie für die Piraten: Es wird mit denen genauso kommen wie mit Käpt'n Nuss. Weil die anderen Nutella sind.
Seit die Musik- und Verlagswelt mit ihrer IG Content gegen die Piraten schießt, finde ich die bedauernswert. Sie bekommen den Underdog-Bonus. Der ist gut für eine Emotionalisierung. Mit dieser Kampagne schießen sich die etablierten Parteien und Lobbyverbände ins eigene Weichteil. Manche von den Piraten sind wirklich sehr eloquent und viele haben hehre Absichten und setzen sich für wichtige Belange ein. Aber für mich ist es ein Unding, dass System der Parteiendemokratie weiterhin zu unterstützen. Deshalb ist die Piratenpartei für mich so etwas wie biologisch-dynamische Prostitution. Ein Wolpertinger. Etwas, das nicht aufgeht. Ein Paradoxon im Gewand eines Analogieschlusses. Man kann nicht die Vereinsmeierei der Parteien überwinden, indem man eine Partei gründet...
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IBM hat sich eine Studie geleistet. Klar. Die müssen das. Denn sie verkaufen nur Digitales. Nein. Ihre Kunden sollen damit Geld verdienen. Denn die IBM verdient mit den Dienstleistungen für Firmen, die auf das papierlose Büro setzen, die die Lagerverwaltung digital regeln und die via Web Geld verdienen und daher ihre Prozesse digital abbilden bzw. gestalten.
In der Studie aber geht es um die Kunden dieser Kunden und das goldene Kalb des dritten Jahrtausends: Digitalien. Also geht es um uns und die Welt der Computer bzw. Software. Klar ist schon lange, dass nicht nur die jungen Leute ihre Zeit mit digitalen Diensten und Werkzeugen verplempern. Die Studie hat einen beeindruckenden Umfang: Fast 4000 Leute in China, Frankreich, Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA wurden befragt. Holla die Waldfee. Das sind zufällig die Länder in denen das Web seit Jahren boomt. Eigentlich hat IBM also die Leute danach befragt, was für einen Einfluß das Web auf ihren Konsum hat. Zerstreuung wäre die Antwort. Neu ist, dass das auch für die Älteren gilt: Rund 65 Prozent der Befragten zwischen 55 und 64 Jahren gaben häufiger zeitgleich das Fernsehen anzuschalten und im Internet surfen oder mit Freunden zu chatten. Chatten! Kennt das noch jemand? ICQ? Macht nix.
Durch die Medien geistern aktuell jedoch die Enkel der Digital Natives und Digital Immigrants und sollen schon bald die Powerpoint-Folien von 1001 Berater bevölkern:
[MEHR]Es sind Milliarden. Es sind Milliarden Dollar. Es sind Milliarden Werke. Es sind Milliarden Leser, Zuschauer, Zuhörer.
Aber es gibt nur Tausende Künstler, Musiker und Autoren, die von ihren Werken leben können.
Warum das so ist?
Wir haben wenig Zeit. Wir müssen arbeiten. Wir müssen einkaufen. Wir müssen die Hausaufgaben kontrollieren. Uns mit dem Partner streiten oder versöhnen. Wir gründen Familien oder Firmen. Wir sind lebendig und schaffen unsere eigenen Werke.
Aus Sicht des Gesetzes sind dies Alltagswerke aber nicht schützenswert. Und wenn, dann nur als Privatsphäre. Nur leider wird diese Privatsphäre zunehmend durch Medien gestört, die sich in unser Leben drängeln. Bücher fallen vom Himmel, Filme laufen ungefragt auf der Fassade des Bürogebäudes gegenüber und überall tönt uns Musik entgegen.
Nein?
Nein, natürlich nicht, denn wir holen uns all das in unser Leben, indem wir Fernseher, Radio oder Smartphone nutzen. Zumindest wenn die Medien elektronischer Natur sind. Bücher und Zeitungen müssen wir aktiv holen, falls sie nicht per Abo ins Haus flattern. Alles das kommt zu einem Preis zu uns. Der ist unsere kostbare Zeit.
Wir können nicht zu den Tausenden Künstlern gehen und sagen: Lasst uns unsere Zeit für die Kinder, das Spazierengehen oder die Liebe. Denn die Künstler wollen einfach von ihren Werken leben. Also müssen sie viel produzieren. Denn diejenigen, die den Preis bezahlen, sind nicht wir. Es sind Verlage. Sie zahlen einmal und bekommen vielfach. Von den Werbekunden. Von den Lesern, Zuschauern und Zuhörern. Von den Gebührenzahlern. Von den Hoteliers und Kneipenwirten. Von den ganzen Menschen, die bereits bezahlte Werke wieder und wieder bezahlen müssen, um sie anderen wahrnehmbar anzubieten als Wartezimmerhintergrund oder sonstwei als Aufführung - auch wenn die Kneipe gähnend leer ist...
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Hier müsste eigentlich der Wochenrückblick stehen. Ob Google eine gute Strategie fährt mit seiner Neuausrichtung, ob sich die Sonstigen (früher bekannt unter dem Namen FDP) einen Gefallen getan haben mit dem Bashing der Piratenwähler, ob am Ende Facebook bald eine valide Alternative mit Good Privacy erhalten wird, sowas würde hier eigentlich stehen...
Über all dieses und noch viel mehr hätte ich gern weiter geschrieben. Aber heute ist mein letzter Tag als Redaktionsleiter bei netzpiloten.de (früher blogpiloten.de) und ich schaue wehmütig auf die letzten 30 Monate zurück. Es gibt Tage, da gehen mir die Nabelschauen der Internetexperten und ihrer Vasallen gehörig auf den Geist. Es gibt Tage, da erreicht die Relevanz des Internet für mich kaum die Höhe eines Flohsprungs. Aber im Grunde bin ich noch immer beeindruckt von der Wucht, die vom Web ausstrahlt.
In anderen Ländern, da ist aus dem Internet eine Medienmasse geworden. Ganze Volksgruppen oder gar Völker betrachten sich selbst in den 1000 Spiegeln, die die Unzahl an Webseiten darstellt. Ich habe das Netz vor einem Jahr bei telepolis als Massenvergewisserungswaffe bezeichnet. In vielen Ländern, deren Kultur auf arachischen Stammesstrukturen basiert, entdecken die Frauen das Web als Mittel der Befreiung...
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Harvard-Forscher David Weinberger legt ein profundes Buch vor über die digitale Republik der Buchstaben und die Auswirkungen auf unseren Umgang mit Wissen.
Wir brauchen mehr Fähigkeiten im Jiu-Jitsu, wenn es um die Informationsflut im Web geht. Denn laut Dr. Weinberger lehrt uns die asiatische Kampfkunst, in die permanenten Handkantenschläge der Millionen Informationen einzutauchen, um aus dem Datenstrom den eigenen Schwung zu entwickeln. Konsequent breitet er auf rund zweihundert Seiten seine Theorie aus, laut der wir zukünftig eine angstlose und offene Hinwendung zum Internet brauchen. Denn nur dort lauert all das Wissen, was wir für die Lösung unserer Probleme brauchen.
Bisher war für die meisten von uns das Wissen eine Art Stoppschild für unser Hirn. Erst wenn Fragen beantwortet wurden, kam unser Geist zur Ruhe. Damit soll es nun vorbei sein. Denn genau genommen war diese Art, Wissen zu nutzen schon vor dem Web zum Scheitern verurteilt. Wissen war immer begrenzt durch Regalplatz, eine strenge Auswahl an Mitgliedern eines Fachbereichs in einer Universität und nicht zuletzt durch die Bildung, also die akademischen Meriten. Hier geht der freundlich Harvard-Experte leider gar nicht auf die begrenzten mentalen Fähigkeiten einiger Zeitgenossen ein. Aus seiner Sicht sind alle potentiell schlau...
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Hier seht Ihr einmal wie China die Welt verändert und wie die digitale Welt China verändert. Vier Minuten Bewegtbild in englischer Sprache. Sehr sehenswert!
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[MEHR]Es bahnt sich Seltsames an im Staate CLOUD-COMPUTING. Bekannte Anbieter von mietbarerer Infratstruktur für das Web wie Amazon oder Rackspace haben ein Problem mit Kunden, die sie gar nicht haben. Denn viele angesagten Webdienste buchen dort ihre Server, Datenbanken und Prozessorzeiten und nehmen damit irgendwie auch die Cloud-Anbieter mit in die Haftung, wenn es z.B. um Urheberrechtsverstöße geht. Pinterest, der Foto/Grafik/Video-Bookmarking-Dienst kann ein Lied davon singen, was es heißt, wenn seine Nutzer wirldfremde Inhalte einfach weiterverbreiten. Physikalisch liegen diese Fotos dann jedoch auf den Servern eben der Cloud-Anbieter. Und so nimmt Amazon nun die Beschwerden für Pinterest entgegen...
In den 5 wichtigsten EU-Ländern in Sachen mobiler Nutzung greifen 37% der Smartphone-Nutzer täglich auf News-Webseiten zu, im Vereinigten Königreich sind es schon fast 50 Prozent, laut einer ComScore-Studie. Damit stieg der Anteil allein im letzten Jahr um 75%. Es lässt sich also leicht erklären, warum Springer so gute Geschäfte im Netz macht. Seit Döpfner vor Steve Jobs niederkniete, bescherte die mobile Welle dem Hamburger Konzern ein Rekordergebnis nach dem anderen.
Dass Adobe seine Beta von CS6 "verschenkt" (für 60 Tage freie Nutzung jedenfalls), dürfte sich herum gesprochen haben. Hoffen wir, dass die heiligen Hallen der Mehrprozessorarchitektur nun besser mit diesem Kleinod an Ressourcenfresserei umgehen bzw. umgekehrt. Manchmal, wenn man mehrere Layer im Photoshop oder ein bißchen aufwendigere Schnittvorhaben hat, wünscht man sich bei Adobe-Produkten würden 16-Kern-CPUs und 32 GB RAM gleich mitgeliefert. Aber was soll ich meckern, die armen Menschen, die ihr MacBook Air aufrüsten für die Apokalypse, damit sie endlich mal drei Browsertabs und einen Text-Editor gleichzeitig aufmachen können, ohne das das ganze System in Geschwindigkeiten läuft wie zu seligen 486er-Zeiten. Damals waren Computer von Apple übrigens rattenschnell...
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Die „Studie“ basiert auf zwei „Analysen“ – der Einkommensschätzungen der KSK Mitglieder und der GEMA Umsätze. Im Folgenden soll kurz auf die gröbsten methodischen Fehler hingewiesen werden. Vorab sei angemerkt, dass die Kernaussage der Studie („30% Einkommenssteigerung für Künstler“) sowohl 16 Jahre Inflation als auch die Einführung deutlich strengerer Kontrollen der KSK Schätzungen 2007 ignoriert. Die Kernaussage bezieht sich außerdem nur auf unzuverlässige Einkommensschätzungen, empirisch belastbare Einkommensdaten werden nicht berücksichtigt.
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