BP: Was bedeutet “Digital Lifestyle” für Dich ? Welche Rolle spielt Telewebber dabei?
AD: Für mich bedeutet “Digital Lifestyle” die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Die ganzen Tools und Gadgets verknüpfen sich und passen sich an unsere Bedürfnisse an. So zumindest die Theorie – in der Praxis fehlt da oft noch ein bisschen was…
Die Rolle von telewebber soll dabei die Verknüpfung von TV und Internet sein. Als Nutzer bekomme ich einen Sendungsvorschlag für den Abend, der meine Interessen anspricht und mitteilt, welche meiner Freunde die Sendung auch sehen wollen. Während der Ausstrahlung kann ich mich mit meinen Freunden oder anderen Fans der Serie oder des Films unterhalten und interagieren.
BP: Bei den Blogpiloten gab es in den letzten Wochen vermehrt Beiträge zur Zukunft des Fernsehens. Der Tenor war dabei meist, dass die Web-2.0-Crowd das Fernsehen stark kritisiert hat. Man konnte den Eindruck bekommen: du bist entweder Web oder du bist Fernsehen. Telewebber geht nun einen interessanten anderen Weg: der Dienst versucht, das Beste aus den beiden Welten zu vereinen. Wie kam es zu der Idee?
AD: Zu der Idee sind wir schon vor fast 1,5 Jahren gekommen, nachdem Heiko vergeblich nach einem TV-Chat gesucht hatte. Schnell wurde uns klar, dass es hier einen Bedarf gibt, der noch nicht gedeckt wird.
Wir glauben, dass es mit telewebber möglich ist, klassisches Fernsehen wieder interessant zu machen und neue Möglichkeiten für die Nutzer und die Werbeindustrie zu schaffen.
BP: Wer ist eure Zielgruppe? Und wie sind die Nutzerzahlen im Augenblick?
AD: Unsere Zielgruppe sind alle Onliner, die sich über die TV-Inhalte unterhalten wollen. Hier vor allem junge Leute, die gleichzeitig TV schauen und im Internet surfen. Wir haben mit etwas über 1000 Nutzern die “Sneak Preview” gestartet und arbeiten jetzt am Wachstum der Community.
BP: Im Test war ich fasziniert von einigen der Ideen, die in Telewebber stecken, wie zum Beispiel die Spielchen für die Werbepausen. Wie entwickelt ihr das System weiter?
AD: Wir haben sehr viele Ideen, wie man die Plattform weiterentwickeln kann. Hier ist vor allem unsere besondere Position zwischen TV und Internet sehr interessant. Ein Beispiel, Sendungsvorschläge anhand der Sehpräferenz anzubieten, möchte ich später noch ausführlicher erläutern. Lasst euch überraschen…
BP: Habt ihr Vorbilder und/oder Konkurrenten, von denen ihr euch abheben wollt?
AD: Natürlich gibt es viele Dienste, die ganz leicht in unsere Richtung gehen; eine direkte Konkurrenz haben wir jedoch nicht. Unser Fokus liegt auf “Realtime Crossmedia” – wir wollen TV und Internet auf eine neue Art verbinden und damit interaktives Fernsehen durch Nutzung vorhandener Infrastrukturen ermöglichen.
BP: Telewebber hat eine Vielzahl an Features, die wirklich Spaß machen. Im Test sind mir noch einige Verbesserungsvorschläge eingefallen: man könnte zum Beispiel den Nutzer ermöglichen, die Sendungen zu beschreiben oder Empfehlungen auf Basis der Sehpräferenzen geben, wie es etwa last.fm oder auch Amazon für Musik tun. Ist etwas in dieser Richtung geplant?
AD: Dieses Feature haben wir in der Tat schon auf unserer Liste. Ähnlich wie bei Last.fm wollen wir den Nutzern auch Sendungsvorschläge unterbreiten können. Hier soll es neben dem vollautomatischen Matching allerdings auch die Möglichkeit geben, sich in Interessensgruppe zu organisieren und dort auch Sendungsvorschläge mit anderen Nutzern auszutauschen. Dies ist eine Möglichkeit, klassisches Fernsehen durch die Zusammenstellung verschiedener Sendungen zu personalisieren.
BP: Wo wollt ihr hin mit dem Dienst? Was ist eure Vision?
AD: Wir können uns vorstellen, dass durch telewebber in Zukunft echte interaktive Fernsehprogramme ermöglicht werden. Im Zuge der Medienkonvergenz soll es egal sein, wo die TV-Inhalte konsumiert werden – telewebber kann auf allen Endgeräten zu Interaktion und Kommunikation live zum Programm genutzt werden.
BP: Dienste im Web leben von der Aktivität ihrer Mitglieder. Welche Aktionen plant ihr, um telewebber bekannter zu machen und Nutzer an euch zu binden?
AD: Wir haben gesehen, dass zu Events wie der Fussball-EM das Interesse an Austausch extrem hoch ist. Hier und im Umfeld von TV-Serien werden wir verstärkt aktiv sein. Zur Fussball-EM hatten wir mit “Mon Schiri” beispielsweise einige extra für de Sendung angepasste interaktive Elemente. Die Nutzer konnten selbst Schiedsrichter werden und gelbe Karten verteilen, Fouls pfeifen oder virtuelle La-Ola Wellen starten.
BP: Wie ist deine Meinung zur Zukunft des Fernsehens? Welche Entwicklungen werden wir miterleben, gerade auch in Anbetracht des Webs?
AD: Ich glaube, dass es das klassische Fernsehen noch lange geben wird. Gerade die verschwindend geringe Nutzung von IPTV zeigt, dass viele Nutzer einfach noch nicht bereit sind, selbst zum Programmdirektor zu werden. Natürlich werden die Medien immer weiter verschmelzen, aber das ist ein Prozess, der extrem langsam voran geht…
BP: Gibt es sonst noch etwas, das du unseren Lesern mitteilen möchtest?
AD: Klar: Probiert telewebber aus – denn nur gemeinsam kann man besser fernsehen!
Insgesamt würden derartige Tendenzen die Frage aufwerfen, ob Blogs immer stärker ihre ursprüngliche Funktion eines “digitalen Tagebuchs” verlieren und zunehmend aus der Mode kämen.
Bei der Diskussion sollten jedoch zwei Faktoren bedacht werden. Erstens lassen sich Gruppenblogs und Magazine kaum durch Lifestreaming ersetzen: Schon die Twitter-Accounts sind selten mehr als Links zu den aktuellen Beiträgen. Die These scheint sich also eher auf persönliche Blogs zu beziehen, die von Einzelpersonen geführt werden.
Zweitens stellen sich jedoch auch bei persönlichen Blogs einige Fragen. Haben persönliche Blogs wirklich ausschließlich die Funktion, über Aktivitäten einer Person zu berichten, die sich über Lifestreaming besser abbilden ließen? Oder sind Blogs nicht viel mehr thematisch ausgerichtet (mal eher persönlich, mal eher fachlich), so dass sie eine Leserschaft bedienen, die sich zwar für das Thema, nicht aber für den Autor interessiert? Was meint ihr?
Der beliebte Social-Bookmarking-Dienst Delicious hat gestern den lange angekündigten Relaunch durchgeführt.
Delicious präsentiert sich traditionell in einem extrem einfachen Design und hat daran nichts geändert. Optische Anpassungen wurden äußerst vorsichtig vorgenommen, in Bezug auf die Usability hingegen hat die Seite einen enormen Fortschritt gemacht: so kann man jetzt selbst entscheiden, wie viele Details zu den Bookmarks angezeigt werden sollen, und zahlreiche Funktionen sind nun direkt anzuwählen, ohne sich durch mehrere Menüebenen zu navigieren.
Außerdem sind neue Funktionen dazu gekommen: es stehen neue Suchmöglichkeiten zur Verfügung, zudem wurde die Geschwindigkeit erhöht. Zudem ist der Dienst auf delicious.com umgezogen, da die alte URL del.icio.us von Nutzern häufig falsch eingegeben wurde. Selbstverständlich werden alte Links auf die neue URL umgeleitet. [via del.icio.us-Blog]
Die noch sehr junge Suchmaschine Cuil, online gegangen am vergangenen Sonntag und bereits einem Blogpiloten-Test unterzogen, steht in einem eher zweifelhaften Licht. Gestartet mit stolzen Ankündigungen (“besser als Google!”), hat sich der Dienst überraschend schnell Unmut und Spott der Blogosphäre zugezogen. Ein Beispiel unter vielen: Spreeblick sammelt Dinge, die Cuil nicht findet. Eine weitere schöne Sammlung: Paul Buchheit sammelt auf Friendfeed besonders harte Kritik an Cuil.
Der Grund: Unausgegorenheit. Davidko hat in den Kommentaren zum Test darauf hingewiesen, dass Cuils Bild-Text-Zuordnung nicht richtig funktioniert (die Montage unten zeigt die falsche Zuordnung eines Bildes in den Suchergebnissen und das richtige auf der Originalseite), Erick Schonfeld von Techcrunch bestätigt dieses Ergebnis. Die Idee ist gut: den Suchergebnissen werden Bilder zugeordnet, die das Auffinden der gewünschten Informationen erleichtern. Wenn aber falsche Bilder einem Ergebnis zugeordnet werden, leidet darunter die Glaubwürdigkeit der Suchmaschine.
Im Test wurde bereits auf Cuils gut gemeinte Features hingewiesen. Kategorien, Tabs, übersichtliche Präsentation mit Bild und Text sind mit Sicherheit gute Ideen. Und selbstverständlich muss nicht jedes Feature auf Anhieb so funktionieren wie gedacht. Doch: Warum startet eine ambitionierte Suchmaschine wie Cuil aus dem Stealth Mode, also dem web-mäßigen Nichts, ohne sich vorher einer ausgiebigen Alpha- und Beta-Phase mit gut meinenden Nutzern zu unterziehen? So hätte man Fehler und Ungereimtheiten vorher finden können.
Cuil wird die Probleme mit Sicherheit lösen können: es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Index größer wird und nicht-englische Ergebnisse zuverlässig geliefert werden können. Falsche Zuordnungen von Inhalt und Bild wird man wohl auch lösen können – im Notfall nimmt man das Feature einfach vorübergehend raus. Viel schlimmer wiegt jedoch der Vertrauensverlust der Nutzer in die Ergebnisse, den Cuil nur wenige Tage nach seinem Start hinnehmen muss. Eben jener hätte leicht vermieden werden können.
Seit Jahren schon dominiert Google die Suche im Web. Seit Sonntag Abend hat sich nun ein neuer Konkurrent in die Reihe der Herausforderer gestellt: Cuil. Der Neuling behauptet, mit 120 Milliarden den größten Index aller Suchmaschinen vorweisen zu können. Google schweigt über die Größe seines Indexes, kennt aber angeblich eine Billion (in Zahlen: 1.000.000.000.000) URLs mit unterschiedlichen Inhalten.
Reine Zahlenspiele helfen den Nutzern jedoch nur bedingt weiter: was für ihn zählt, ist die Relevanz der Ergebnisse. Auch hier behauptet Cuil, die Nase vorn zu haben. Ein Beitrag über Cuil in Techcrunch erklärt, wie das funktionieren soll: Man indiziere nicht nur die reinen Schlagwörter, sondern beziehe auch das Verhältnis der Wörter zueinander ein. Dementsprechend organisiere man die Webseiten in Kategorien. So ergäben sich Sinnketten wie “Frankreich – Käse – Wein”. Was ist von diesen Aussagen zu halten?
Wie funktioniert Cuil?
Cuil präsentiert sich im schlichten Look mit einem zentralen Eingabefeld auf schwarzem Grund. Suchergebnisse werden in zwei oder drei Spalten mit Bild präsentiert. Über die Optionen lässt sich eine sichere Suche (Pornografie und andere unerwünschte Ergebnisse werden ausgelassen) und eine Tippfehlerkorrektur an- und abschalten. Sollte ein Begriff mehrere Bedeutungen haben, werden sie in unterschiedlichen Tabs dargestellt.
Bei allgemeinen Suchbegriffen wie “Hund” oder “Auto” spielt Cuil eine weitere Stärke aus: unter “Explore by Category” kann man die Cuil-Kategorien durchsuchen.
Der Test: Cuil gegen Google
Es ist äußerst schwierig, zwei Suchmaschinen mit überschaubarem Aufwand zu untersuchen – besonders, wenn man nicht auf die hinter den Ergebnisse stehende Technologie Zugriff hat. Ein solcher Test kann daher nicht mehr als grobe Anhaltspunkte liefern. Im Folgenden wurde nach einigen speziellen und einigen allgemeinen Suchbegriffen gesucht und die Ergebnisse verglichen. Im Gegensatz zum ähnlich angelegten Techcrunch-Test wurde dabei auf deutsche Begriffe gesetzt. Namentlich kamen folgende Begriffe zum Einsatz: “Hund”, “Meilenstein” und “Arbeit” (allgemein) sowie “Blogpiloten” und “Hermeneutik” (speziell).
Allgemeine Begriffe: In Punkto Anzahl der Suchergebnisse geht die allgemeine Runde 3:0 an Google: der etablierte Suchdienst hat die Nase einfach vorn (“Hund”: 39.000.000 gegenüber 8.800.000, “Meilenstein”: 2.350.000 gegenüber 200.000, “Arbeit”: 95.300.000 gegenüber 23.400.000). Relevanz ist schwer zu messen, doch scheint auch hier Google einen Vorsprung zu haben: Google verweist bei “Hund” auf Wikipedia und spezialisierte Hunde-Seiten, Cuil listet auf der ersten Ergebnisseite keine einzige deutsche Quelle auf – dafür auf der zweiten allerdings mehrmals Informationen zu einer Band namens “Der Hund am Strand”. Dafür punktet der Dienst allerdings mit seiner “Explore by Category”-Funktion und listet übersichtlich deutsche Physiker mit dem Namen “Hund” auf. Ähnliches bei “Meilenstein”: Google hat Wikipedia und URLs, die das Wort enthalten; Cuil dagegen Pressemitteilungen. Unter den Kategorien führt es die besten Alben von Emmylou Harris als Meilensteine auf – nicht jedoch die anderer Musiker. Und “Arbeit” lieferte bei Cuil auf der ersten Trefferseite Informationen zum Nazi-Spruch am Eingang der KZs.
Doch liefert Cuil nicht nur alle Ergebnisse auf einmal – die Ergebnisse lassen sich über die Tabs einschränken, wenn ein Begriff mehrere Bedeutungen hat. Im Falle von “Hund” waren diese Bedeutungen noch lückenhaft: “Urlaub mit Hund”, “Bob Hund” sowie “Wild und Hund” wurden angeboten. Im Falle von “Arbeit” erschlossen sich über die Tabs weitere Bedeutungen des Wortes.
Spezielle Begriffe: Auch hier liegt Google vorne, was die Anzahl der Treffer angeht. In Bezug auf die Relevanz geht es diesmal enger zu: beide Dienste finden unseren Blog unter “Blogpiloten”. Google gibt jedoch eine aussagekräftigere Beschreibung, während Cuil oft nur das Schlagwort “Blogpiloten” bei verschiedenen Diensten listet. “Hermeneutik” liefert eine Wikipedia-Definition an erster Stelle bei Google, jedoch vorrangig Buchtitel bei Cuil.
An wen richtet sich Cuil?
Der Test macht deutlich: Cuil ist für deutsche Suchbegriffe zur Zeit noch kaum zu gebrauchen. Allerdings sollte fairerweise gesagt werden, dass der Dienst auch noch keine deutsche Seite hat und sich somit folglich vorrangig an den englischsprachigen Raum richtet. Einen Test mit englischen Begriffen hat Techcrunch vorgelegt, doch auch hier lag Google am Ende knapp vorne.
Blogpiloten-Urteil
Dennoch: Cuil ist ein hochinteressanter Dienst. Denn es gilt zwei Dinge zu bedenken:
Gestern wurden die deutschen Creative Commons auf die Version 3.0 aktualisiert. Mit der neuen Version wird aktuellen Entwicklungen in der Gesetzgebung Rechnung getragen. In der Pressemitteilung werden die Änderungen ausführlich vorgestellt, hier eine kurze Version ohne juristische Gewähr:
Vor kurzem gab identi.ca, der Micro-Blogging-Dienst auf Open Source-Basis, bekannt, dass man nun mit der Twitter-API kompatibel sei. Nun gibt es die erste Anwendung, die darauf zugreift: Twhirl. Damit unterstützt der Client nach Friendfeed, Twitter und Seesmic schon den vierten Dienst und entwickelt sich immer mehr zum Allround-Werkzeug im Social Web. Twhirl basiert auf der Laufzeitumgebung Adobe Air und läuft daher auf Windows und MacOS gleichermaßen. An der Linux-Version wird derzeit gearbeitet. Einziger Wermutstropfen: bisher öffnet Twhirl für jeden Account ein eigenes Fenster. Sarah Perez hat im ReadWriteWeb-Interview mit den Twhirl-Machern jedoch herausgefunden, dass sich das bald ändern wird. Einen ausführlichen Test von identi.ca kann man in diesem Blog nachlesen. [via ReadWriteWeb]