Björn Rohles

Björn RohlesBjörn Rohles ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor und Berater den digitalen Wandel. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide. Man findet ihn unter jorni.de.

Björn RohlesProkrastination

Gastbeitrag von Frank Lachmann Dieser Text hätte schon vor über zwei Wochen veröffentlicht werden sollen. Wurde er natürlich vor allem deswegen nicht, weil ich ein faules Stück bin, das Aufgaben gern vor sich her schiebt anstatt sie sofort zu erledigen. Das war, was mich angeht, schon immer so und wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern, solang ich damit nicht in nennenswerter Weise auf die Nase falle. Aber zum Glück gibt’s ja mittlerweile ein Fremdwort dafür. Das tolle an solchen Modebegriffen ist ja, daß man sie zum Distinktionsgewinn einsetzen kann. Früher war ich faul, dann irgendwann Aufschieber, aber seit mindestens 2007 schon kann ich stolz sagen, ich sei Prokrastinierer. Und bei Unwissenheit des Gesprächspartners gleich noch eine Erklärung hinterherschieben und dabei so tun, als würde ich mich mit medizinisch-psychologischen Fachbegriffen auskennen. Prokrastination jedenfalls hat einen Eintrag bei Wikipedia, ist vor allem in der Freiberufler-Ecke (erstes OG, hinten bei den Steckdosen, Latte Macchiato 2.60 EUR) schon fast wieder „out“ bei den T-Shirt-Sprüchen, aber generell doch offenbar noch irgendwie „in“ in der Massenwahrnehmung, so wie es vor gerade mal drei Jahren noch die freizeitsurfenden Webdesigner (oder 1997 animierte Baustellen-GIFs auf Homepage) waren. Abgesehen davon aber ist an Aufschieberitis nichts neu. Weder die Tatsache des Aufschiebens noch die des Schönredens währenddessen (eine lustige Variante der kognitiven Dissonanz wahrscheinlich, also eine Art präkognitiver Dissonanz). Auch, daß bestimmte Menschen „nur mit Deadline“ gut funktionieren, oder zumindest besser als ohne. Oder daß sich das Potential, das in einer prokrastinativen.. prokrastinierenden.. also, in einer aufschiebenden Handlung liegt, daß sich dieses Potential perfekt nutzen läßt, um andere gern mal liegenbleibende Dinge erledigt zu bekommen. Hätte ich keine Deadlines, wegen derer ich das Schreiben eines Textes vor mir herschiebe, wäre meine Wohnung nie so sauber wie sie gerade ist. Ganz zu schweigen von den Einkäufen und dem vielen Papierkram, den man so zu erledigen hat: mir ist alles recht, wenn es nur mein Gewissen beruhigt, wieso ich nicht an meiner eigentlichen Arbeit weitermachen kann. Und plant man dann noch ein wenig an seiner ToDo-Logistik, so läßt sich mit prokrastinativem Verhalten (zugegeben, so klingt das nun eher nach einer Krankheit) glatt soviel gebacken bekommen, daß man Bücher damit füllen könnte. Gut, irgendwann steht man vor dem naheliegenden Problem, daß einem die „echten“ Aufgaben ausgehen. Daß all das eben nur so lang funktioniert, wie man Dinge mit Aufschiebepotential hat. Daß auch so ein Gewissen ja nun nicht dauerhaft dämlich ist und irgendwann bemerkt, daß es ausgetrickst wird. Oder daß man alles andere, vom Relaunch der Website bis zum Entwanzen der Abstellkammer alles, aber auch wirklich alles erledigt hat, womit man sich nochmal aus der Schlinge ziehen konnte um das lähmende Voranschreiten der eigentlichen Aufgabenlösung vor sich zu rechtfertigen. Spätestens dann wird man sich wahrscheinlich eine neue Taktik einfallen lassen müssen, beispielsweise einen Personal Trainer. Oder die Schuld auf andere, beispielsweise Planeten und Sternbilder oder das Wetter, zu schieben. Aber eigentlich muß man sich deswegen ja nicht sofort wieder ein neues Fremdwort aus den Fingern saugen, finde ich.

Björn RohlesSocial Bookmarking vorrangig über E-Mail, Facebook und MySpace

Einer Untersuchung des Bookmarking-Widgets ShareThis zu Folge sind die Gewinner des Rennens um den Social-Bookmarking-Thron nicht die Testteilnehmer Delicious und Mister Wong, sondern E-Mail, Facebook und MySpace. Einem Blog-Eintrag des ReadWriteWeb ist zu entnehmen, dass der bekannte Social-Bookmarking-Dienst Delicious gerade einmal 4% des Marktes bedient. Viel weiter verbreitet seien Empfehlungen per E-Mail, Facebook und MySpace. Diagramm mit den Ergebnissen der UntersuchungDiesen Zahlen zu Folge kann Social Bookmarking über spezialisierte Dienste nicht als Massenphänomen angesehen werden. Sie geben allerdings Anlass zu einigen Thesen, die ich hier zur Diskussion stellen möchte:
  • Social-Bookmarking-Diensten sind vielen Online-Nutzern noch nicht bekannt. So jedenfalls deute ich die Beliebtheit, den (umständlichen) Weg über E-Mail oder soziale Netzwerke zu gehen, anstatt auf spezialisierte Dienste zuzugreifen, die mittels eines Klicks die neue Web-Entdeckung verteilen.
  • Die Empfehlungsfunktionen in den Blogs und Toolbars sollten ausgebaut werden: ein einfaches Formular, um einen Link über E-Mail zu verschicken, ist empfehlenswert.
Kritisch lässt sich allerdings anmerken, dass kein zahlenmäßiger Vergleichsrahmen angegeben wird. So wird nicht ersichtlich, ob das Teilen von Linkempfehlungen (unabhängig mit welchem Mittel) häufig genutzt wird. Zudem scheinen einige wichtige Möglichkeiten zu fehlen, da sie nicht in den Geschäftsbereich von ShareThis fallen. Die vielen YouTube-Video-Tipps mittels Instant Messaging werden somit nicht untersucht.

Björn RohlesDelicious und Mister Wong: Social Bookmarking im Vergleich

Logo von DeliciousDer Social-Bookmarking-Dienst Delicious ist seit einigen Tagen in neuer Version verfügbar. In den letzten Tagen hat Blogpilot Björn Rohles den Dienst auf Herz und Nieren untersucht und herausgearbeitet, was die neuen Funktionen bringen. Logo von Mister WongDoch Delicious ist nicht alleine auf seinem Gebiet: Mister Wong, mit ähnlichen Funktionen, aber auf deutsche Nutzer spezialisiert, ist ein großer Konkurrent. Wer von beiden hat die Nase vorn? [Mehr]

Björn RohlesLinktipp: ididwork berichtet über Aktivitäten am Arbeitsplatz

ididwork ist ein neues StartUp, das es Angestellten ermöglichen soll, die täglich verrichteten Arbeiten zu erfassen. Der Dienst ermöglicht, die aktuelle Aktivität mit bis zu 160 Zeichen zu beschreiben und zu verschlagworten. Anschließend lassen sich die Aktivitäten analysieren und in grafischer Form anzeigen. Zudem können Aktivitäten bei Fragen per E-Mail an Vorgesetzte gesschickt werden, die dann darauf antworten können. Zwei Punkte unterscheiden ididwork von anderen Diensten:
  1. Der Dienst richtet sich explizit an Angestellte: er ist schlank und einfach zu bedienen, bietet aber auch wesentlich weniger Funktionen als ausgewachsene Management-Systeme. Die Vorgesetzten müssen nicht angemeldet sein, um über Aktivitäten ihrer Mitarbeiter auf dem Laufenden zu bleiben, eine einfache E-Mail-Adresse genügt.
  2. Der Dienst ist nicht zeitbasiert: er erfasst nicht, wie viel Zeit für einzelne Aktivitäten in Anspruch genommen wurde. Daher eignet er sich nicht für Selbstständige, für die genau dieses Element wichtig ist.
Screenshot von ididwork [via Techcrunch]

Björn RohlesTelewebber-Macher Andreas Dittes im Interview

Nach unserem ausführlichen Test von Telewebber kommt nun einer der Macher zu Wort: Andreas Dittes, Jahrgang 1984, ist zusammen mit Heiko Seebach und Hannes Schippmann Gründer und Geschäftsführer der telewebber GmbH. Seine Aufgabenbereiche sind vor allem Marketing und Vertrieb. Als leidenschaftlicher Blogger pflegt er zudem das Corporate Blog von Telewebber. Im Blogpiloten-Interview spricht er über seine persönlichen Ansichten zum Thema Internet und Fernsehen sowie zur Zukunft von Telewebber. Bild von Andreas DittesBP: Was bedeutet “Digital Lifestyle” für Dich ? Welche Rolle spielt Telewebber dabei? AD: Für mich bedeutet “Digital Lifestyle” die zunehmende Digitalisierung unseres Alltags. Die ganzen Tools und Gadgets verknüpfen sich und passen sich an unsere Bedürfnisse an. So zumindest die Theorie – in der Praxis fehlt da oft noch ein bisschen was… Die Rolle von telewebber soll dabei die Verknüpfung von TV und Internet sein. Als Nutzer bekomme ich einen Sendungsvorschlag für den Abend, der meine Interessen anspricht und mitteilt, welche meiner Freunde die Sendung auch sehen wollen. Während der Ausstrahlung kann ich mich mit meinen Freunden oder anderen Fans der Serie oder des Films unterhalten und interagieren. BP: Bei den Blogpiloten gab es in den letzten Wochen vermehrt Beiträge zur Zukunft des Fernsehens. Der Tenor war dabei meist, dass die Web-2.0-Crowd das Fernsehen stark kritisiert hat. Man konnte den Eindruck bekommen: du bist entweder Web oder du bist Fernsehen. Telewebber geht nun einen interessanten anderen Weg: der Dienst versucht, das Beste aus den beiden Welten zu vereinen. Wie kam es zu der Idee? AD: Zu der Idee sind wir schon vor fast 1,5 Jahren gekommen, nachdem Heiko vergeblich nach einem TV-Chat gesucht hatte. Schnell wurde uns klar, dass es hier einen Bedarf gibt, der noch nicht gedeckt wird. Wir glauben, dass es mit telewebber möglich ist, klassisches Fernsehen wieder interessant zu machen und neue Möglichkeiten für die Nutzer und die Werbeindustrie zu schaffen. BP: Wer ist eure Zielgruppe? Und wie sind die Nutzerzahlen im Augenblick? AD: Unsere Zielgruppe sind alle Onliner, die sich über die TV-Inhalte unterhalten wollen. Hier vor allem junge Leute, die gleichzeitig TV schauen und im Internet surfen. Wir haben mit etwas über 1000 Nutzern die “Sneak Preview” gestartet und arbeiten jetzt am Wachstum der Community. BP: Im Test war ich fasziniert von einigen der Ideen, die in Telewebber stecken, wie zum Beispiel die Spielchen für die Werbepausen. Wie entwickelt ihr das System weiter? AD: Wir haben sehr viele Ideen, wie man die Plattform weiterentwickeln kann. Hier ist vor allem unsere besondere Position zwischen TV und Internet sehr interessant. Ein Beispiel, Sendungsvorschläge anhand der Sehpräferenz anzubieten, möchte ich später noch ausführlicher erläutern. Lasst euch überraschen… BP: Habt ihr Vorbilder und/oder Konkurrenten, von denen ihr euch abheben wollt? AD: Natürlich gibt es viele Dienste, die ganz leicht in unsere Richtung gehen; eine direkte Konkurrenz haben wir jedoch nicht. Unser Fokus liegt auf “Realtime Crossmedia” – wir wollen TV und Internet auf eine neue Art verbinden und damit interaktives Fernsehen durch Nutzung vorhandener Infrastrukturen ermöglichen. BP: Telewebber hat eine Vielzahl an Features, die wirklich Spaß machen. Im Test sind mir noch einige Verbesserungsvorschläge eingefallen: man könnte zum Beispiel den Nutzer ermöglichen, die Sendungen zu beschreiben oder Empfehlungen auf Basis der Sehpräferenzen geben, wie es etwa last.fm oder auch Amazon für Musik tun. Ist etwas in dieser Richtung geplant? AD: Dieses Feature haben wir in der Tat schon auf unserer Liste. Ähnlich wie bei Last.fm wollen wir den Nutzern auch Sendungsvorschläge unterbreiten können. Hier soll es neben dem vollautomatischen Matching allerdings auch die Möglichkeit geben, sich in Interessensgruppe zu organisieren und dort auch Sendungsvorschläge mit anderen Nutzern auszutauschen. Dies ist eine Möglichkeit, klassisches Fernsehen durch die Zusammenstellung verschiedener Sendungen zu personalisieren. BP: Wo wollt ihr hin mit dem Dienst? Was ist eure Vision? AD: Wir können uns vorstellen, dass durch telewebber in Zukunft echte interaktive Fernsehprogramme ermöglicht werden. Im Zuge der Medienkonvergenz soll es egal sein, wo die TV-Inhalte konsumiert werden – telewebber kann auf allen Endgeräten zu Interaktion und Kommunikation live zum Programm genutzt werden. BP: Dienste im Web leben von der Aktivität ihrer Mitglieder. Welche Aktionen plant ihr, um telewebber bekannter zu machen und Nutzer an euch zu binden? AD: Wir haben gesehen, dass zu Events wie der Fussball-EM das Interesse an Austausch extrem hoch ist. Hier und im Umfeld von TV-Serien werden wir verstärkt aktiv sein. Zur Fussball-EM hatten wir mit “Mon Schiri” beispielsweise einige extra für de Sendung angepasste interaktive Elemente. Die Nutzer konnten selbst Schiedsrichter werden und gelbe Karten verteilen, Fouls pfeifen oder virtuelle La-Ola Wellen starten. BP: Wie ist deine Meinung zur Zukunft des Fernsehens? Welche Entwicklungen werden wir miterleben, gerade auch in Anbetracht des Webs? AD: Ich glaube, dass es das klassische Fernsehen noch lange geben wird. Gerade die verschwindend geringe Nutzung von IPTV zeigt, dass viele Nutzer einfach noch nicht bereit sind, selbst zum Programmdirektor zu werden. Natürlich werden die Medien immer weiter verschmelzen, aber das ist ein Prozess, der extrem langsam voran geht… BP: Gibt es sonst noch etwas, das du unseren Lesern mitteilen möchtest? AD: Klar: Probiert telewebber aus – denn nur gemeinsam kann man besser fernsehen!

Björn RohlesLifestreaming als Alternative zu Blogs

Lifestreaming ist ein auffälliger Trend im aktuellen Web, doch vielleicht sind wir erst am Anfang dieser Entwicklung. In einem lesenswerten Beitrag fragt das Readwriteweb, ob Lifestreaming die traditionellen Blogs ablösen kann. Was ist Lifestreaming? Lifestreaming ist eine Möglichkeit, die Aktualisierungen verschiedenster Dienste zentral an einer Stelle zusammenzufügen. Das Ergebnis soll eine übersichtliche Darstellung der Netzaktivitäten einer Person sein. In den letzten Wochen wurden einige Dienste von den Blogpiloten getestet, allen voran Friendfeed und Lifestream.fm. Die These: Lifestreaming ist eine Alternative zu Blogs Im Artikel wird die These aufgestellt, dass Lifestreaming zusehends den Blog ablösen könnte. Als Beispiele werden Seiten wie die der Netzberühmtheit Julia Allison genannt, die chronologisch Mitteilungen aus ihrem Leben veröffentlicht. In analoger Form würden verschiedene öffentliche Profile Funktionen übernehmen, die vorher klassischen “Über mich”-Seiten vorbehalten waren. Screenshot von Julia Allisons Lifestream-Seite Insgesamt würden derartige Tendenzen die Frage aufwerfen, ob Blogs immer stärker ihre ursprüngliche Funktion eines “digitalen Tagebuchs” verlieren und zunehmend aus der Mode kämen. Bei der Diskussion sollten jedoch zwei Faktoren bedacht werden. Erstens lassen sich Gruppenblogs und Magazine kaum durch Lifestreaming ersetzen: Schon die Twitter-Accounts sind selten mehr als Links zu den aktuellen Beiträgen. Die These scheint sich also eher auf persönliche Blogs zu beziehen, die von Einzelpersonen geführt werden. Zweitens stellen sich jedoch auch bei persönlichen Blogs einige Fragen. Haben persönliche Blogs wirklich ausschließlich die Funktion, über Aktivitäten einer Person zu berichten, die sich über Lifestreaming besser abbilden ließen? Oder sind Blogs nicht viel mehr thematisch ausgerichtet (mal eher persönlich, mal eher fachlich), so dass sie eine Leserschaft bedienen, die sich zwar für das Thema, nicht aber für den Autor interessiert? Was meint ihr?

Björn RohlesFilme aus dem Netz auf 3sat

Der öffentlich-rechtliche Sender 3sat sendet zur Zeit eine Reihe interessanter Filme aus dem Netz. Vergangene Woche zeigten sie eine gekürzte Fassung von “Web 2.0 – Der Film”, den Anne Arndt, Felix Kolb und Heiko Brandosch im Rahmen ihres Studiums der Medienwissenschaft an der Universität der Medien Stuttgart gedreht haben. Der Film gibt Einblicke in die Arbeit der Macher verschiedener Web2.0-Plattformen. Die gesendete, gekürzte Fassung gibt es in der 3sat-Mediathek, das Original bei Sevenload. Kommenden Sonntag, den 03.08.2008, 16.30 Uhr geht die Reise weiter. Mit “7DAYSGC” zeigt 3sat eine Dokumentation über die Games Convention in Leipzig.

Björn RohlesDelicious: Neues Design und neue Funktionen

Logo von DeliciousDer beliebte Social-Bookmarking-Dienst Delicious hat gestern den lange angekündigten Relaunch durchgeführt. Delicious präsentiert sich traditionell in einem extrem einfachen Design und hat daran nichts geändert. Optische Anpassungen wurden äußerst vorsichtig vorgenommen, in Bezug auf die Usability hingegen hat die Seite einen enormen Fortschritt gemacht: so kann man jetzt selbst entscheiden, wie viele Details zu den Bookmarks angezeigt werden sollen, und zahlreiche Funktionen sind nun direkt anzuwählen, ohne sich durch mehrere Menüebenen zu navigieren. Außerdem sind neue Funktionen dazu gekommen: es stehen neue Suchmöglichkeiten zur Verfügung, zudem wurde die Geschwindigkeit erhöht. Zudem ist der Dienst auf delicious.com umgezogen, da die alte URL del.icio.us von Nutzern häufig falsch eingegeben wurde. Selbstverständlich werden alte Links auf die neue URL umgeleitet. [via del.icio.us-Blog] Screenshot des neuen Delicious-Designs

Björn RohlesStudie: Frauen dominieren soziale Netzwerke

Einer aktuellen Rapleaf-Studie zu Folge bilden Frauen die Mehrheit unter den Nutzern der meisten sozialen Netzwerke. Die Studie untersuchte mehrere soziale Netzwerke, darunter Facebook und MySpace, hinsichtlich Geschlecht und Alter ihrer Nutzer. Zentrale Ergebnisse waren:
  • Weibliche Nutzer zwischen 14 und 24 Jahren sind die größte Nutzergruppe und haben im Schnitt die meisten Kontakte.
  • Männliche Nutzer sind erst in der Altersklasse von 35 und mehr Jahren durchschnittlich aktiver und kontaktfreudiger als Frauen in derselben Altersklasse.
  • Der Durchschnittsnutzer eines sozialen Netzwerks hat zwischen 2 und 25 Freunde.
  • Insgesamt gibt es verhältnismäßig wenig Nutzer, die keine Angaben zu ihrem Geschlecht machen.
  • Eine überdurchschnittlich große Anzahl an Nutzern gibt an, 69 Jahre alt zu sein (vielleicht ein beliebtes Fake-Alter?).
Große deutsche Netzwerke wie studiVZ oder wer-kennt-wen werden in der Studie nicht berücksichtigt. Ausgewertet wurde die Gesamtzahl von 49,3 Millionen Nutzern, etwa zu 90% US-Amerikaner. Eine ausführliche Tabelle mit Angaben zur Methodik der Studie gibt es in einer Pressemitteilung von Rapleaf. [via ReadWriteWeb]

Björn RohlesWarum Cuil um das Vertrauen seiner Nutzer kämpfen muss

Logo CuilDie noch sehr junge Suchmaschine Cuil, online gegangen am vergangenen Sonntag und bereits einem Blogpiloten-Test unterzogen, steht in einem eher zweifelhaften Licht. Gestartet mit stolzen Ankündigungen (“besser als Google!”), hat sich der Dienst überraschend schnell Unmut und Spott der Blogosphäre zugezogen. Ein Beispiel unter vielen: Spreeblick sammelt Dinge, die Cuil nicht findet. Eine weitere schöne Sammlung: Paul Buchheit sammelt auf Friendfeed besonders harte Kritik an Cuil. Der Grund: Unausgegorenheit. Davidko hat in den Kommentaren zum Test darauf hingewiesen, dass Cuils Bild-Text-Zuordnung nicht richtig funktioniert (die Montage unten zeigt die falsche Zuordnung eines Bildes in den Suchergebnissen und das richtige auf der Originalseite), Erick Schonfeld von Techcrunch bestätigt dieses Ergebnis. Die Idee ist gut: den Suchergebnissen werden Bilder zugeordnet, die das Auffinden der gewünschten Informationen erleichtern. Wenn aber falsche Bilder einem Ergebnis zugeordnet werden, leidet darunter die Glaubwürdigkeit der Suchmaschine. Falsche Text-Bild-Zuordnung von Cuil Im Test wurde bereits auf Cuils gut gemeinte Features hingewiesen. Kategorien, Tabs, übersichtliche Präsentation mit Bild und Text sind mit Sicherheit gute Ideen. Und selbstverständlich muss nicht jedes Feature auf Anhieb so funktionieren wie gedacht. Doch: Warum startet eine ambitionierte Suchmaschine wie Cuil aus dem Stealth Mode, also dem web-mäßigen Nichts, ohne sich vorher einer ausgiebigen Alpha- und Beta-Phase mit gut meinenden Nutzern zu unterziehen? So hätte man Fehler und Ungereimtheiten vorher finden können. Cuil wird die Probleme mit Sicherheit lösen können: es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Index größer wird und nicht-englische Ergebnisse zuverlässig geliefert werden können. Falsche Zuordnungen von Inhalt und Bild wird man wohl auch lösen können – im Notfall nimmt man das Feature einfach vorübergehend raus. Viel schlimmer wiegt jedoch der Vertrauensverlust der Nutzer in die Ergebnisse, den Cuil nur wenige Tage nach seinem Start hinnehmen muss. Eben jener hätte leicht vermieden werden können.

Björn RohlesCuil gegen Google: das Duell der Suchmaschinen

Cuils LogoSeit Jahren schon dominiert Google die Suche im Web. Seit Sonntag Abend hat sich nun ein neuer Konkurrent in die Reihe der Herausforderer gestellt: Cuil. Der Neuling behauptet, mit 120 Milliarden den größten Index aller Suchmaschinen vorweisen zu können. Google schweigt über die Größe seines Indexes, kennt aber angeblich eine Billion (in Zahlen: 1.000.000.000.000) URLs mit unterschiedlichen Inhalten. Reine Zahlenspiele helfen den Nutzern jedoch nur bedingt weiter: was für ihn zählt, ist die Relevanz der Ergebnisse. Auch hier behauptet Cuil, die Nase vorn zu haben. Ein Beitrag über Cuil in Techcrunch erklärt, wie das funktionieren soll: Man indiziere nicht nur die reinen Schlagwörter, sondern beziehe auch das Verhältnis der Wörter zueinander ein. Dementsprechend organisiere man die Webseiten in Kategorien. So ergäben sich Sinnketten wie “Frankreich – Käse – Wein”. Was ist von diesen Aussagen zu halten? Wie funktioniert Cuil? Cuil präsentiert sich im schlichten Look mit einem zentralen Eingabefeld auf schwarzem Grund. Suchergebnisse werden in zwei oder drei Spalten mit Bild präsentiert. Über die Optionen lässt sich eine sichere Suche (Pornografie und andere unerwünschte Ergebnisse werden ausgelassen) und eine Tippfehlerkorrektur an- und abschalten. Sollte ein Begriff mehrere Bedeutungen haben, werden sie in unterschiedlichen Tabs dargestellt. Screenshot der Oberfläche von Cuil Bei allgemeinen Suchbegriffen wie “Hund” oder “Auto” spielt Cuil eine weitere Stärke aus: unter “Explore by Category” kann man die Cuil-Kategorien durchsuchen. Der Test: Cuil gegen Google Es ist äußerst schwierig, zwei Suchmaschinen mit überschaubarem Aufwand zu untersuchen – besonders, wenn man nicht auf die hinter den Ergebnisse stehende Technologie Zugriff hat. Ein solcher Test kann daher nicht mehr als grobe Anhaltspunkte liefern. Im Folgenden wurde nach einigen speziellen und einigen allgemeinen Suchbegriffen gesucht und die Ergebnisse verglichen. Im Gegensatz zum ähnlich angelegten Techcrunch-Test wurde dabei auf deutsche Begriffe gesetzt. Namentlich kamen folgende Begriffe zum Einsatz: “Hund”, “Meilenstein” und “Arbeit” (allgemein) sowie “Blogpiloten” und “Hermeneutik” (speziell). Explore by Category von CuilAllgemeine Begriffe: In Punkto Anzahl der Suchergebnisse geht die allgemeine Runde 3:0 an Google: der etablierte Suchdienst hat die Nase einfach vorn (“Hund”: 39.000.000 gegenüber 8.800.000, “Meilenstein”: 2.350.000 gegenüber 200.000, “Arbeit”: 95.300.000 gegenüber 23.400.000). Relevanz ist schwer zu messen, doch scheint auch hier Google einen Vorsprung zu haben: Google verweist bei “Hund” auf Wikipedia und spezialisierte Hunde-Seiten, Cuil listet auf der ersten Ergebnisseite keine einzige deutsche Quelle auf – dafür auf der zweiten allerdings mehrmals Informationen zu einer Band namens “Der Hund am Strand”. Dafür punktet der Dienst allerdings mit seiner “Explore by Category”-Funktion und listet übersichtlich deutsche Physiker mit dem Namen “Hund” auf. Ähnliches bei “Meilenstein”: Google hat Wikipedia und URLs, die das Wort enthalten; Cuil dagegen Pressemitteilungen. Unter den Kategorien führt es die besten Alben von Emmylou Harris als Meilensteine auf – nicht jedoch die anderer Musiker. Und “Arbeit” lieferte bei Cuil auf der ersten Trefferseite Informationen zum Nazi-Spruch am Eingang der KZs. Doch liefert Cuil nicht nur alle Ergebnisse auf einmal – die Ergebnisse lassen sich über die Tabs einschränken, wenn ein Begriff mehrere Bedeutungen hat. Im Falle von “Hund” waren diese Bedeutungen noch lückenhaft: “Urlaub mit Hund”, “Bob Hund” sowie “Wild und Hund” wurden angeboten. Im Falle von “Arbeit” erschlossen sich über die Tabs weitere Bedeutungen des Wortes.Tabs bei Cuil Spezielle Begriffe: Auch hier liegt Google vorne, was die Anzahl der Treffer angeht. In Bezug auf die Relevanz geht es diesmal enger zu: beide Dienste finden unseren Blog unter “Blogpiloten”. Google gibt jedoch eine aussagekräftigere Beschreibung, während Cuil oft nur das Schlagwort “Blogpiloten” bei verschiedenen Diensten listet. “Hermeneutik” liefert eine Wikipedia-Definition an erster Stelle bei Google, jedoch vorrangig Buchtitel bei Cuil. An wen richtet sich Cuil? Der Test macht deutlich: Cuil ist für deutsche Suchbegriffe zur Zeit noch kaum zu gebrauchen. Allerdings sollte fairerweise gesagt werden, dass der Dienst auch noch keine deutsche Seite hat und sich somit folglich vorrangig an den englischsprachigen Raum richtet. Einen Test mit englischen Begriffen hat Techcrunch vorgelegt, doch auch hier lag Google am Ende knapp vorne. Blogpiloten-Urteil Dennoch: Cuil ist ein hochinteressanter Dienst. Denn es gilt zwei Dinge zu bedenken:
  1. Cuil ist in englischer Oberfläche und unter amerikanischer Domain: nicht verwunderlich also, dass deutsche Begriffe (noch) keine guten Ergebnisse liefern.
  2. Cuil ist Sonntag Abend gestartet, Google hat jedoch schon mehrere Jahre an seiner Suchengine arbeiten können.
Außerdem sollte bedacht werden, dass Cuil einige hochinteressante Features bietet: über Tabs lassen sich unterschiedlichste Bedeutungen mit einem Klick aufrufen, um die Ergebnisse einzuschränken. Die Kategorien liefern Zusatzinformationen und erlauben die weitere Navigation. So könnte man sich, wie die PC-Welt im Test vormacht, über den Begriff “Caesar” zum römischen Imperator “Julius Caesar” (und nicht etwa dem Caesar-Salat) und von dort aus zur römischen Adelsfamilie “Julius” vorklicken. Cuil könnte also die Möglichkeit bieten, nach Begriffen zu suchen, die man nur mittels einer Assoziation benennen kann, indem man die vielen Ergebnisse vom Anfang immer stärker einschränkt. Dass derartige Features noch nicht bis ins letzte Detail ausgereift sind, sollte man einem Dienst nach so kurzer Bestehenszeit noch zugestehen.

Björn RohlesDeutsche Creative Commons in neuer Version

Logo der Creative CommonsGestern wurden die deutschen Creative Commons auf die Version 3.0 aktualisiert. Mit der neuen Version wird aktuellen Entwicklungen in der Gesetzgebung Rechnung getragen. In der Pressemitteilung werden die Änderungen ausführlich vorgestellt, hier eine kurze Version ohne juristische Gewähr:
  • Verzicht auf Sui-Generis-Datenbankrechte, damit die Lizenzbestimmungen nicht durch Datenbankaufnahme umgangen werden können,
  • Aufnahme der Möglichkeit, die Nutzung im Voraus für noch nicht bekannte Nutzungsformen zu ermöglichen,
  • Behandlung von gesetzlichen Vergütungsansprüchen und Zwangslizensierungen,
  • größere Freiheiten in der Variante “Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen” (abgekürzt BY-SA),
  • Ausweitung der Lizenzen auf Inhalte, die nicht alle Voraussetzungen eines “Werkes” im Sinne des deutschen Urheberrechtsgesetzes erfüllen,
  • Anpassungen von Sprache und Begrifflichkeiten.
Was sind die Creative Commons? Die Creative Commons sind verschiedene Lizenzmodelle, die es Kreativen ermöglichen sollen, frei über die Verwendung ihrer Werke zu bestimmen. Die Modelle sind Kombinationen der folgenden Merkmale:
  • Namensnennung: der Urheber des Werks muss genannt werden
  • Keine Bearbeitung: das Werk darf nicht bearbeitet werden
  • Nicht kommerziell: das Werk darf nicht in einem kommerziellen Rahmen genutzt werden
  • Weitergabe unter gleichen Bedingungen: alle Bearbeitungen müssen unter der gleichen Lizenz wiederveröffentlicht werden wie das ursprüngliche Werk
Damit bilden die Creative Commons eine hervorragende Möglichkeit, eigene Werke zu veröffentlichen. Der Kreative kann frei über die Verwendung bestimmen; der Interessierte kann entscheiden, ob er das Werk unter den gewählten Bedingungen verwenden darf oder mit dem Kreativen Rücksprache halten muss.

Björn RohlesGadgets für das mobile Web

Im Grunde genommen sind Web-Nerds ständig verliebt. Es gibt immer ein neues Gadget, mit dem man noch praktischer im Web surfen kann. Wer kann, hält die neuesten Teile ständig in den Händen, den anderen bleibt nichts anderes übrig, als von ihnen zu schwärmen. In den letzten Tagen und Wochen gab es einige interessante Beiträge, die sich aktuellen Gadgets widmen. Eine besonders lesenswerte Auswahl hat Blogpilot Björn Rohles zusammengestellt. [Mehr]

Björn RohlesMehr Umsatz für Online-Händler mit Nischen-Shops

Gastbeitrag von Albert Warnecke, dem Macher von Shoptrex. In seinem Text stellt er die Idee seines neuartigen Shops auf Basis von Nutzer-Empfehlungen vor. Nachlassende Werbewirkungen, starke Preiskämpfe und hohe Vergleichbarkeit sind Probleme, mit denen gerade der Internethandel kämpft. Insbesondere Shops mit einem spezialisierten Angebot haben es nicht leicht, wahrgenommen zu werden. Google-Adwords wird von den Großen mit ihren Spezialisten-Teams dominiert, Ebay presst die Händler mit immer neuen Gebühren aus und auch im Affiliate-Marketing haben es Online-Händler schwer. [Mehr]

Björn RohlesTwhirl integriert identi.ca

Logo von TwhirlVor kurzem gab identi.ca, der Micro-Blogging-Dienst auf Open Source-Basis, bekannt, dass man nun mit der Twitter-API kompatibel sei. Nun gibt es die erste Anwendung, die darauf zugreift: Twhirl. Damit unterstützt der Client nach Friendfeed, Twitter und Seesmic schon den vierten Dienst und entwickelt sich immer mehr zum Allround-Werkzeug im Social Web. Twhirl basiert auf der Laufzeitumgebung Adobe Air und läuft daher auf Windows und MacOS gleichermaßen. An der Linux-Version wird derzeit gearbeitet. Einziger Wermutstropfen: bisher öffnet Twhirl für jeden Account ein eigenes Fenster. Sarah Perez hat im ReadWriteWeb-Interview mit den Twhirl-Machern jedoch herausgefunden, dass sich das bald ändern wird. Einen ausführlichen Test von identi.ca kann man in diesem Blog nachlesen. [via ReadWriteWeb]