Beate Stender

Beate StenderBeate Stender ist als Musikredakteurin beim Radio und als Freie Autorin in Berlin unterwegs. Sie interessiert sich für alles, was klingt und experimentierfreudig ist. Neben den netzpiloten schreibt sie auch für kulturprozess.com

transmediale11: Radio Tactics – Radio Magics

Beate Stender:

RESPONSE:ABILITY lautete die kryptische Metapher der diesjährigen transmediale.11, die am Wochenende in Berlin zu Ende gegangen ist. Gemeint war damit das Zurechtfinden der Menschen innerhalb der digitalen Welt, in der wir uns ununterbrochen einer digitalen Stimulation ausgesetzt sehen. Über 200 Künstler, Kreative und Wissenschaftler stellten hierzu im Haus der Kulturen der Welt sowie über die ganze Stadt verteilt verschiedenste Performances, Installationen, Videoarbeiten und Konferenzen vor. Dabei wurde auch ein alter Staubfänger wiederentdeckt: das Radio!

Das Netz als Echtzeit-Lebensraum und der Mensch mittendrin: die digitale Kultur hat unser Leben nicht nur technisch, sondern auch sozial radikal verändert. Mittlerweile sind wir gleichzeitig on- und offline, erstellen eine Vielzahl an virtuellen Identitäten und schaffen es so scheinbar mühelos, zur selben Zeit überall zu sein. Was aber bedeutet dieser permanente Zustand der Digitalen Liveness für uns Menschen in unseren Identitätskonzepten und sozialen Beziehungen? Welche politischen Fragestellungen ergeben sich daraus? Und überhaupt: trägt in diesem Gewusel eigentlich irgend jemand die Verantwortung? Auf dem diesjährigen Festival für Kunst und digitale Kultur transmediale wurden eine Vielzahl an Arbeiten vorgestellt, die den Menschen in diesen Entwicklungen positionieren...

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Switched-On Tron

Beate Stender:

Von Beate Stender und Philipp Noltensmeier

Daft Punk sind zurück: mit einem Soundtrack für den Disneyblockbuster „Tron Legacy“, der ihre Fans überraschen dürfte! Denn sowenig „Tron Legacy“, der kurz vor Weihnachten in den USA startet, ein bloßes 'Remake' des fast dreißig Jahre alten Kultfilms darstellt, sowenig steht der Soundtrack von Daft Punk in direkter musikalischer Folge zu ihren bisherigen Alben. Anstelle von clubbiger Housemusik sind 22 großformatige, orchestral und elektronisch arrangierte Tracks entstanden, die eines deutlich machen: niemand anders als Daft Punk wäre geeigneter für diese Arbeit gewesen!

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Was soll Musik kosten?

Beate Stender:

Scheiden tut weh. Auch noch nach Jahren, wie auf der diesjährigen Konferenz für Musik- und Kreativwirtschaft Alltogethernow, die am Montag im Rahmen der Berlin Music Week gestartet ist, uneindeutig zu vernehmen ist. So präsentiert sich das Thema Filesharing auch 2010 noch immer als ungelöstes Dilemma in der Musikindustrie und legt damit auf den ersten Blick die Vermutung nahe, dass konservativ denkende Majorlabels nicht das Internet verschlafen, sondern ungeachtet ihrer zerbröckelnden Machtposition bewusst nicht wahrhaben wollen. Doch wer die Debatte als reines Problem einer raffgierigen Majorklientel aburteilt, irrt: denn nicht nur marktwirtschaftliche, sondern auch moralische Fragen begleiten das Thema Internet und ihre Urheberrechte. So ist der Ruf nach einer zur Gänze legalisierten Filesharer-Kultur von digitalen Gütern eben auch der Ruf nach dem Tod des Urhebers des digitalen Guts, der damit Geld verdienen will. So unvereinbar die beiden Positionen „Digital Goods for free“ versus „Copy kills music“ erscheinen, so vehement wurden sie bereits auf den ersten beiden Tagen der Konferenz, dem Alltogethernow Camp, in den verschiedenen Sessions vertreten. Neben hitzigen Diskussionsrunden gab es jedoch auch Lösungsvorschläge, wie der Musiker in Zukunft jenseits von „Zensursula“ vor dem Ruin zu retten ist. Doch festzuhalten gilt: eine Einigung beider Positionen gibt es vorläufig nicht. Warum eigentlich nicht? Ein kleiner Exkurs...

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a2n-Interview S. Lobo: “Ich bin verhalten optimistisch“

Beate Stender:

Interview mit Sascha Lobo zum Thema Filesharing auf der Konferenz all2gethernow 2010

Zum zweiten Mal findet derzeit die Fachmesse Alltogehternow im Rahmen der Berlin Music Week statt. Seit Montag stellen mehr als 250 Redner aus der Musik- und Kreativbranche neue Ideen und Strategien in über 100 Workshops, Sessions, Barcamps, Panels und Lectures vor. Schwerpunktmäßig wurde die Konferenz in drei Module Camp, Kongress und Forum unterteilt, die je an zwei Tagen vom 6. bis zum 11. September in der Kulturbrauerei und auf dem Flughafengelände Tempelhof stattfinden. Besonders das Camp, welches den Auftakt der Alltogethernow machte, verstand sich dabei als eine Plattform, auf der „auf Augenhöhe“ diskutiert werden sollte. Das hierbei auch mal die Fetzen fliegen können, zeigten Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo und Blogger Marcel Weiß von „neunetz.com“ am Montag in ihrer Diskussion zum Thema Filesharing. Das Gespräch knüpfte an eine vorab im Internet geführte Diskussion der beiden an, ob Filesharer als „schmierige Egoisten oder Wegbereiter der Kreativbranche“ zu verstehen sind. Das Interview wurde mit Sascha Lobo kurz nach dem Schlagabtausch geführt.

Sascha Lobo, die Diskussion um Filesharing wird von zwei Positionen polarisiert, die auch von Euch beiden vertreten werden: die einen sehen Musikstücke als Kulturgüter an, die es zu entlohnen gilt. Die anderen wollen nicht bezahlen, weil sie damit argumentieren, dass die heutigen Technologien die digitalen Güter inflationär im Netz verteilen und damit den Mehrwert von Musikproduktionen zunichte machen...

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High Energy Shit – Die Antwoord klettern aus dem Netz

Beate Stender: Sie klingen wie eine Autoscooterfahrt auf Speed und zelebrieren in ihrer Musik “the next level shit“: seit Beginn des Jahres irritieren ´Die Antwoord´ das internationale Pop-Publikum und scharren gleichzeitig eine wachsende Jägermeister-begeisterte Fangemeinde um sich. Dabei weiß bis heute immer noch niemand so richtig, was das Trio aus Kapstadt wirklich im Schilde führt: ist ihr hochproduzierter Ghettotechrave ernst gemeint oder reine Show? Wer zieht die Fäden im Hintergrund? Und leben Sänger Ninja und seine Freundin Yo-Landi mit der gemeinsamen Tochter womöglich gar nicht in den Townships von Kapstadt, wie sie uns weismachen wollen?

“the next level shit“
Wie Phoenix aus der Asche tauchten Vanilla-Ice-Mähne Ninja, “fresh futuristik rich bitch“ Yo-Landi Vi$$er und der entrückte Beatmaster DJ Hi-Tek Anfang 2010 zum ersten Mal im Internet auf. Mit einem Debutalbum zum kostenlosen Download, das sich im weitesten Sinne als Antwort auf Eurodance und Kwaito versteht, demonstrierten ´Die Antwoord´ selbstbewusst, wie white-trash aus Südafrika klingen soll: pumpende Basslinien, trillernde Synthesizer und ein hochgepitchter weiblicher Gesang über aggressivem Rap von Ninja, gesungen auf Afrikaans und Englisch. Die Band selber bezeichnet ihre Musik als Zef, was im Englischen mit “redneck“ und im Deutschen schlicht mit „Prolet“ übersetzt werden kann. “Everybody has like an inner zef,“ erklärt Ninja in einem Interview auf Youtube, “and we found the fucking ´Antwoord´ according to my inner zef. It´s not something you can really explain, it´s something that you kinda experience! It´s like in a video game when you reach the next level: basically zef is the next level shit!“ Mit pointierter Ungenauigkeit lassen ´Die Antwoord´ Ninja´s innerem Proll seinen freien Lauf und orientieren sich dabei an allem, was einen südafrikanischen white trash boy in seiner Identität geprägt haben mag: “Check it, a ready present South African culture, in this place you hear a lot of different things, blacks, whites, coloreds, english, records, coza, zulu, vudokka, I’m rom. All these different things, all these different people, packed into one bus.“ Oder, wie Ninja dann weiter in “Enter the Ninja“ singt: „My style is UFO, totally unknown!“

MaxNormal
Dabei ist Ninja gar nicht so ein Unbekannter, wie er glauben machen will. Hinter dem aggressiv-angestrengten Proletengesicht verbirgt sich Watkin Tudor Jones, ein bekannter Künstler aus der südafrikanischen Musikszene, der schon seit längerem vergnügt zwischen verschiedenen musikalischen Alter Egos hin- und herspringt. 2002 gründete er als Max Normal das hörenswerte multimediale HipHop-Projekt ´MaxNormal.tv´, in der er in selbstproduzierten Videos nicht nur Beats, sondern auch niedliche Stofftiere selber zusammenbastelte und mit Karaoke-Texten den Zuschauer zum Mitsingen animierte. Schon damals mit an seiner Seite: die blutjunge Sängerin Yolandi Visser unter dem Pseudonym “Anica The Snuffling“...
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Lissabon: betahaus goes southwest

Beate Stender: Coworking - kaum eine andere Idee hat die Cafés hierzulande so schlagartig von Laptop-Freiberuflern gesäubert wie diese. Gemeint ist jene Form des Zusammenarbeitens, bei der sich verschiedene Freiberufler im Prinzip ein öffentliches Gemeinschaftsbüro mit der dazugehörenden Infrastruktur namens Internet, Telefon, Kopierer, Kaffeemaschine und gemeinschaftlich gepflegter Akquise teilen. Da jedoch heutzutage der frisch gebrühte Filterkaffee ebenso der Vergangenheit angehört wie das Wörtchen „Gemeinschaftsbüro“, gibt es mittlerweile überall auf der Welt ´Coworking-Spaces´, die auf die Arbeitsanforderungen der heutigen, frei arbeitenden Digital- und Kreativszene ausgerichtet sind. Dem Wort „flexibel“ fällt hierbei eine tragende Bedeutung zu: flexible Arbeitszeiten, flexible Schreibtische und flexibler Austausch mit anderen Coworkern gehören zum Programm. Ein Arbeitsplatz in einem Coworking-Space kann schon ab einem Tag gemietet werden, Schnupperplätze gibt´s in der Regel gratis. Eine neue Form der Arbeit? Ein Audio-Interview mit Daniela Marzavan vom Betahaus Berlin nach dem Klick... [MEHR]

Ravel: Ein phantastisch-böser Walzer

Beate Stender: Gerade war das Seoul Philharmonic Orchestra im Rahmen einer Europa-Tournee in Deutschland unterwegs. Dabei kam auch La Valse von Maurice Ravel zur Aufführung.

Schwarze Wolken ziehen am Himmel entlang. Ein dunkler Bläserklang erhebt sich knurrend aus der Tiefe, Flöten trillern leise um Hilfe. Eine unheimliche Atmosphäre lässt erahnen: wo diese Musik her kommt, wächst kein Gras mehr. Schnitt. Liebliche Harfenklänge umspielen verzauberte Streicherglissandi. Die Melodie eines Wiener Walzers erklingt – fragil, phantastisch – und wird schon nach ein paar Takten wieder von dem Unheil in die Tiefe gerissen.
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