Dr. Martin Lindner

Martin LindnerDr. Martin Lindner befasst sich als selbständiger Forscher und Berater mit Wissensarbeit, Informationsflüssen und Lernprozessen in der Google-Galaxis. Er erforscht und entwirft konkrete Lösungen für digitale WissensarbeiterInnen (Enterprise 2.0, e-Learning) und publiziert dazu in englischer und deutscher Sprache.

Test: Der neue Kindle 3

Dr. Martin Lindner:


Als vor 3 Monaten das iPad herauskam, prophezeiten eifrige Apple-Evangelisten sogleich den Untergang der eBook-Reader. Mit denen würde sich nun wiederholen, was der iPod mit den MP3-Playern und das iPhone mit den Smartphones gemacht hatte: Eine Sackgasse der Evolution.

Auf dem iPad zeigt die iBook-App die bunten "Umschläge" der heruntergeladenen "Bücher" in einem "hölzernen Bücherregal". Kaum tippst du ein solches "Buch" an, schon "blätterst" du darin mit diesen magisch federnden Apple-Finger-Gesten. Grafiken und Bilder in voller Farbpracht, und wann immer du willst, springst du mit einem Klick gleich ins unendliche Netz. Wer braucht da noch ein Gerät extra zum Bücherlesen? Kleine, freudlose Schwarzweiß-Bildschirme voll mit nackten, abstrakten Buchstaben, durch die man sich mit der Pfeiltaste endlos vorwärtsklickt..?

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Ich bin in der Überzahl

Dr. Martin Lindner: “2007 wurden nach dem rätselhaften Mord an einer Polizistin die Gen-Spuren einer weiblichen Person gefunden, deren DNA in den vergangenen 15 Jahren an 26 weiteren Tatorten festgestellt worden war. Es ging um weitere Morde, aber auch um Einbrüche. Die Opfer waren alt wie jung, männlich wie weiblich. Es gab keine Strategie, kein Muster, kein Motiv, keine Kohärenz, keine inneren, keine äußeren Zusammenhänge. Das folgende Psychogramm erschien letztendlich am wenigsten spekulativ: Eine sehr flexibel agierende Person, die in Gartenhäusern nächtigt, gerne aus zurückgelassenen Flaschen trinkt und sich gelegentlich anderen Ganoven anschließt. Sie hat Bezugspunkte in Rheinland Pfalz, Baden-Württemberg und Oberösterreich, ist möglicherweise drogenabhängig und zwischen 25 und 50 Jahre alt. Eine Frau, die kein bestimmtes Milieu bevorzugt, ein gutes Gespür für Tatorte vor allem in Vororten und Kleinstädten hat, ab und an gezielt Motorräder, Elektrowaren oder Autos stiehlt und sich unliebsamer Beobachter äußerst brutal entledigt, wenn sie bei ihren Verrichtungen überrascht wird. Aber die Frau hatte kein Gesicht und keine Gestalt, kein Alter, keinen Namen, keine Nationalität, keine Muttersprache. 3000 Spuren wurden erfasst und 2400 bearbeitet, darunter nicht einen einziger konkreter Hinweis auf die Identität der Frau. Tausende von lauwarmen, kühlen und kalten Spuren, die sich untereinander widersprechen. Statt sich scharf zu stellen, zerfiel das Bild in tausend Pixel. Das Bild der Frau war das Bildnis einer monströsen Leere.” (Süddeutsche Zeitung Online, Zitat stark komprimiert)... [MEHR]

PROF. SILBERZUNGE: Peter Kruse – die deutsche Stimme des Web?

Dr. Martin Lindner: Foto von mario Sixtus (Bild von Mario Sixtus)

Church of Kruse

"Die Lawine ist nicht mehr aufzuhalten und donnert bereits zu Tal. Überzeugungsarbeit, und da bin ich sehr relaxt, ist da eigentlich nicht notwendig: Und bist du nicht willig, so brauch ich ... Geduld." Standing Ovations im riesigen Friedrichsstadtpalast. Die zum deutschen Blogger-Kongress re:publica versammelten Praktikanten, Studenten, NGO-Jobber, Software-Entwickler und Digitalen Bohemiens bejubeln den Vortrag eines Bremer Unternehmensberaters: "What’s Next - Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren". Danach überall begeisterte Kommentare im Social Web: grandios, rockt das Haus. Netzwerk-Gospel in der Church of Kruse. Mein Lieblings-Tweet ist von Anna Log: "Wenn ich das richtig verstehe, erklärt Peter Kruse hier Buddhismus anhand des Web 2.0." [MEHR]

Selbst-Marketing 2.0 in der Flat World

Dr. Martin Lindner: Bereits an anderen Stellen wurde versucht, die positiven Aspekte von “Marketing 2.0” herauszuarbeiten, aber machen wir uns nichts vor: Das bleibt ein ebenso zwiespältiger und ungemütlicher Begriff wie die untergründig verwandte “Ich AG” (“Unwort des Jahres 2002”). Es stimmt ja: Im Web 2.0 muss ich im doppelten Sinn Stücke von mir selbst preisgeben, um auf diesem neuen Markt mitspielen zu können. Das gilt nicht nur bei “Selbst-Vermarktung” im engeren Sinn, sondern auch dann, wenn ich im Web ein unpersönliches Produkt “vermarkten” will. Im Web muss ich dem Produkt dazu meine persönliche Stimme leihen, also ein Stück von mir selbst.
Die alte Trennlinie zwischen Privatperson und Profession gibt es nicht mehr. Das ist dann nicht so problematisch, wenn ich mich voll und ganz mit dem identifiziere, was ich anbiete. Das ist das untergründige Ziel in der Web-Ökonomie. Aber wie oft ist das in der Realität wirklich hundertprozentig der Fall? Die Krawatte und das Siezen waren in der alten Wirtschaft ja auch ein Schutz vor zu viel Vereinnahmung.
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sbs10: Hacking Behaviours – Firma 2.1

Dr. Martin Lindner: Der europäische Social Business Design Summit (#sbs2010), der erstmals letzten Donnerstag in London stattfand, ist eine von vielen Veranstaltungen aus einer inzwischen recht langen Reihe, seit der MIT-Professor Andrew McAfee 2006 das "Enterprise 2.0"-Mem in die Welt setzte. Seit damals geht es um den schwierigen Versuch, die neuen Kollaborationsformen des "Web 2.0", die sich rund um Wikis, Blogs, Feeds und Tags entwickeln, auf die geschlossenen Ökosysteme innerhalb der Firmen-Firewalls zu übertragen.
Inzwischen gibt es die Enterprise 2.0 Konferenzen in Boston und San Francisco (seit 2007), die Office 2.0 Konferenzen (2007/2008), die deutschen "Enterprise 2.0 Summits" (seit 2008) und viele andere Veranstaltungen mit weniger einprägsamem Namen. Ausgangspunkt ist immer die eine Erkenntnis: Mit der Öffnung zum Web ist die herkömmliche Unternehmens-IT dem Untergang geweiht, und damit auch ein Großteil der formalisierten "Geschäftsprozesse", powered by Microsoft und SAP, die in den letzten 20 Jahren die Informations- und WissensarbeiterInnen in immer engere Korsette einsperrten. Jetzt geht es darum, neue Strukturen aus den Web-Praktiken herauszulesen, zu adaptieren und in mehr oder weniger designte Ökosysteme zu übersetzen. Leichter gesagt als getan.
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