Augmented Reality: eine Bestandsaufnahme

Augmented RealityDie erweiterte Realität fasziniert uns schon seit Jahrzehnten und rückt fast unbemerkt in unser Wahrnehmungsgefüge, schließlich ist es ja auch nur eine Erweiterung. Jedoch sind Erweiterungen im Allgemeinen durchaus mit viel Potential ausgestattet wie in dem Fall der augmented reality und so steckt viel mehr dahinter als man zunächst glaubt. Gestalten wir also unser Leben neu und lassen uns wieder vom wissenschaftlichen und technischen Streben verzaubern.

Realitätsverlust

Wie soll man sich aber eine erweiterte Realität eigentlich vorstellen? Im Grunde muss man sich unser Raum-Zeit-Kontinuum vorstellen und es auf ein Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum übertragen. Gibt es doch unsere wahre Realität, kann man sich auch ein Computerspiel vorstellen das die Realität nachstellt. Dann spricht man von der virtuellen Realität. Beide Realitätsmodelle können durch Anreicherungen erweitert werden. Bei der erweiterten Virtualität sind dies reelle Informationen und bei der erweiterten Realität die Anreicherung mit virtuellen Aspekten, wie zum Beispiel die Freistoßentfernung bei einem Fußballspiel im Fernsehen. Diese Erweiterungen nennt man auch mixed reality, weil die jeweiligen Realitäten sich vermischen.

Computergestützt wird die Realitätswahrnehmung auf unterschiedlichste Weise erweitert und die Signale gelangen an alle menschlichen Sinne, wobei häufig die visuelle Wahrnehmung angesprochen wird, indem etwa Videos mit der Darstellung von Zusatzinformationen angereichert werden. Im Folgenden fünf der wohl unglaublichsten Anwendungen, die nicht aus der Story eines Holywood Streifens entnommen sind.

Science-Fiction war gestern

Die aktuell realisierten Projekte zeigen welche gigantischen Möglichkeiten augmented reality umsetzen kann, da wirken die Zusatzanzeigen bei Fußballspielen mittelalterlich. Nehmen wir beispielsweise die Software Wikitude für das iPhone und Android-Smartphones. Ist die App installiert kann man sein Mobiltelefon als interaktiven POI (points of interest) Führer nutzen. Dazu richtet man die Kamera einfach auf ein Gebäude und Wikitude sucht sich in der Datenbank von Wikipedia Einträge zu dem Gebäude und zeigt sie live auf dem Display an. Wird die Kamera nun von dem aktuellen Objekt zum Nächsten geschwenkt, werden die Daten in Echtzeit aktualisiert und erscheinen im Bild. Wikitude ist jedoch nur der Anfang einer Reihe erstaunlicher augmented reality Programme, dafür ist es kostenlos und quasi eine Pflicht-App auf jedem Smartphone.

Besonders spannend ist hingegen die Software Word Lens von Otávio Good. Es handelt sich bei dieser Applikation um ein kommerzielles, jedoch sehr mächtiges Übersetzungsprogramm. Das klingt zunächst etwas ausgelutscht, denn Übersetzungsprogramme gibt es doch wie Sand am Meer. Word Lens ist jedoch nicht irgendein Translator, sondern eine image recognition application. Die Kamera des Smartphones wird dabei auf ein Hinweisschild, Werbetafel oder irgendeine Anzeige gehalten und das Programm übersetzt den Text, um ihn anschließend sogar auf dem Display in die original Anzeige zu platzieren. Das funktioniert nach dem Prinzip der Dokumentendigitalisierung. Potentielle Buchstaben werden mit Referenzschriften aus einer Software-Bibliothek verglichen und passende Wörter anschließend in Windeseile auf dem Display neu zusammengesetzt. Momentan kann die App nur von Englisch in Spanisch und andersherum übersetzen. Geplant sind jedoch durchaus mehr Sprachen und die momentane iPhone-Exklusivität wird auch auf die Android-Systeme ausgeweitet werden.

Google Goggles steht in direkter Konkurrenz zu dieser image recognition application und ist quasi eine Universalanwendung aus dem augmented reality Bereich. Die Funktionen von Wikitude und Word Lens werden in Google Goggles vereint, die Anwendung kann jedoch noch mehr. Besonders erstaunlich ist die Funktion, dass man die Kamera des Mobiltelefons auf ein ungelöstes Sudoku hält und Googles Wunderapplikation das Rätsel binnen Sekunden löst. Hier hat unser Lieblingssuchmaschinenanbieter eine wahre augmented reality Wundertüte geschaffen, die ständig um neue Funktionen erweitert wird. Neben den genannten Funktionen kann die Software auch Logos von Firmen erkennen und automatisch die zugehörige Homepage aufrufen, abfotografierte Gemälde mit zusätzlichen Informationen anreichern oder sogar fotografierte Visitenkarten direkt in die persönlichen Kontakte laden.
Natürlich zieht augmented reality auch nicht an der Gaming-Branche vorbei, denn auch hier wird fleißig getüftelt, ausprobiert und veröffentlicht. So werden etwa mit bestimmten Gegenständen wie Karten Dinge ins Leben gerufen welche dann auf dem Handheld, Computerbildschirm oder dem Fernsehgerät erscheinen. Viele Hersteller buhlen in diesem Bereich um die Vorherrschaft dieser neuen Art des Gaming. Angefangen mit der Wii Konsole bis hin zu Kinect von Microsoft, werden die Spieler mittels der mixed reality immer weiter an die virtuelle Realität herangeführt. Gerade im Smartphone Segment, wie könnte es anders sein, gibt es interessante Spielformate, welche direkt in die Realität projiziert werden. Da wäre zum Beispiel „Star Wars: Falcon Gunner“ zu nennen. Der Spieler sieht einfach durch sein Mobiltelefon auf die tatsächliche Welt, welche von Tie-Fightern aus der bekannten Sci-Fi-Saga angegriffen wird, egal ob man sich im heimischen Wohnzimmer, oder im friedlichen Park nebenan befindet.

Das Sahnehäubchen der augmented reality bilden momentan die niederländischen Entwickler mit ihrem AR-Browser Layar. Diese Software wird mit Entwicklungen und Informationen von verschiedenen Partnern des sogenannten Layar Network gespeist, sodass die Nutzer die ultimative Erfahrung in der erweiterten Realität machen können. Mit der Hilfe eines GPS-Empfängers im Smartphone, sowie einem Lagesensor für den Blickwinkel und Kompass für die Richtung, kann mit den gesammelten Geodaten auf Anbieter wie Twitter, Flickr, Qype, Brightkite und Google zurückgegriffen werden. Somit entstehen Bilder, die an ferne Zukunftsmusik erinnern.

Man geht eine Straße entlang und bekommt von Layar vorgeschlagen, dass man sich doch an einem POI befindet und ob eine Website geöffnet werden soll. Bei Zustimmung verwandelt sich die Straße in ihren längst vergangenen Anblick von vor mehreren Jahrzehnten, bis jetzt leider nur auf dem Display des Geräts. Desweiteren können noch viele weitere Funktionen und Informationen aufgerufen werden die euch das anschließende Video eindrucksvoll zeigen wird. Mit der augmented reality steckt eine Technik noch in den Kinderschuhen, welche uns noch lange und intensiv begleiten wird.

Layar:

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Christian Porsch

Christian Porsch

studierte Informationsmanagement und beschäftigt sich für die Netzpiloten mit allem was in der Gamer-Szene passiert! Desweiteren interessiert er sich gleichermaßen für Film und Kino.

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