Apple Store in Russia (Bild via yablyk.com)

Apples Preisproblematik in Russland

Mit der Währungsentwicklung in Russland haben zahlreiche Firmen große Probleme. Die Inflation entwertet ihre Produkte, gerade Apple passt das nicht. // von Philipp Biel

Apple Store in Russia

Währungsschwankungen von fast 80 Prozent (von 50 auf 90 Rubel pro Euro) innerhalb von drei Monaten müssen Online- und Offlinehändler in Russland derzeit schweren Herzens hinnehmen. Ein Dorn im Auge der Händler, deren Produkte über Nacht an Wert verlieren, und eine Freude für die Bevölkerung, die sich nun im Kaufrausch befindet. Schuld sind die westlichen Sanktionen und die niedrigen Rohölpreise, sie schwächen die russische Wirtschaft und bringen dadurch nun auch internationale Konzerne in die Bredouille. Was sollen Firmen wie Apple & Co. nun machen?


Warum ist das wichtig? Apple befindet sich in einer bisher unbekannten Situation, die Reaktion und das Ergebnis heute werden Einfluss auf ähnliche Situationen in der Zukunft haben.

  • Die günstigen Preise wurden auch von Ausländern genutzt, dies ist nun nicht mehr möglich.

  • Reaktionen wie die Einstellung des Verkaufs im Online Stores waren drastisch, gaben Apple aber genug Zeit zur Entscheidungsfindung.

  • Es wird nicht der einzige Währungscrash bleiben. Das Wissen aus dem jetzigen Vorfall kann Apple auch in Zukunft nutzen.


Wie kam es zur Währungsschwächung?

Zum einen ist Russlands Ukraine-Politik ein Dorn im Auge zahlreicher westlicher Staaten. Die Expansion in den Krim und die derzeitige Situation in der Ostukraine zwangen die westliche Welt zur Verhängung von Sanktionen, die Russland auf Dauer schwer trafen.

Zum anderen ist Russland einer der weltgrößten Rohöl-Exporteure und somit schwer betroffen von den niedrigen Rohöl-Preisen auf dem Weltmarkt. Das Finden neuer Vorräte erhöhte die geschätzte Weltmenge um ein Vielfaches und zwang den Preis in die Knie. Auch Verhandlungen über eine künstliche Verknappung, durch weniger Zurverfügungstellung auf dem Weltmarkt, scheiterten zwischen den größten Rohölexporteuren weltweit.

Die Folge: Eine unsichere und stark schwankende Währung die Händler in Angstzustände brachte und die Bevölkerung in den Kaufrausch versetzte.

Die Konsequenzen für Händler

Händler wie Apple & Co müssen indessen mit dem starken Werteverfall ihrer Produkte rechnen. Kunden weltweit bestellten plötzlich ihre iPhones im russischen Apple Online Store und habe die sonst so teuren Geräte mit bis zu 30% Rabatt erhalten. Bereits im November hob Apple die Preise über Nacht an, um den Währungsverlust zum Dollar auszugleichen, nur so konnte man sich auch vor dem totalen Preissturz retten.

Doch eine weitere Korrektur wurde notwendig und so nahm man den Online Store kurzfristig vom Netz und entschied sich die Preise um weitere 54 Prozent anzuheben. Damit liegt das iPhone 6 in der 16GB-Variante bei nun 53.990 Rubel (800 Euro) statt vorher noch 34.990 Rubel. Zum Vergleich: In Deutschland kostet das oben genannte iPhone 6 nur 699€ – man möchte sich vor weiteren Preisstürzen schützen.

Apples Learnings

Auf keine Währung ist Verlass, dies sollte auch Apple nun bekannt sein und so könnte man sich in Zukunft für flexiblere Preise oder eventuell sogar eine USD-Preisbindung einsetzen. Apple ist einer der Konzerne, die von fallenden Preisen am stärksten betroffen sind. Kunden weltweit schwankten plötzlich auf den russischen Apple Online Store um, nur um Geräte zu weitaus günstigeren Preisen zu erhalten. In Zukunft könnte Apple schneller reagieren und die Stores vorsichtshalber innerhalb von Sekunden offline stellen, streng nach dem Motto „lieber gar nicht, als günstig„.

Mit der drastischen Preiserhöhung hat man sich vor noch stärkeren Schwankungen geschützt. Auch hier ist zu erwarten, dass Apple diese Preispolitik bei ähnlichen Vorfällen anwenden wird. Wohl erst nach der Stabilisierung des Rubels wird Apple diese Preise wieder nach unten korrigieren – eine drastische für sie aber zum Schutz notwendige Maßnahme.

Dieser Artikel ist ein Ergebnis der Kooperation von Netzpiloten.de mit dem renommierten Apple-Watchblog Appleunity.de. Appleunity ist auch auf FacebookYouTube, Google+ und Twitter zu finden.


Teaser & Image via yablyk.com


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Philipp Biel

Philipp Biel

war Geschäftsführer vom Apple Online Magazin appleunity.de, ist nun Geschäftsführer einer Videoberatung für klein und mittelständische Unternehmen und schließt gerade seinen Bachelor an der WHU - Otto Beisheim School of Management ab. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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