Apple gegen Google – Ein ungleicher Wettstreit

Ein unheimlich beliebter Vergleich ist der zwischen Apple und Google – doch bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich als ein Vergleich zischen Äpfeln und autonom fahrenden Autos. Apple und Google sind nicht nur die beiden größten Technik-Unternehmen, es sind auch die beiden wertvollsten Unternehmen der Welt. Es überrascht also nicht, dass die beiden Konzerne immer wieder miteinander verglichen werden und als Konkurrenten angesehen werden – dabei ist dieser Vergleich ungefähr so zutreffend wie der Vergleich zwischen einem Apfel und einem Roboter (nicht Androiden). Denn während Apple kleine Brötchen bäckt forscht Google mit gewaltigen Schritten an der Zukunft.

Unreife Äpfel

Vorgestern war es mal wieder so weit: Apple hat auf der Keynote zur WWDC neue Produkte vorgestellt und … enttäuscht. Zumindest die Erwartungen der meisten Beobachter. Zugegeben, das D in WWDC steht für Developer und dementsprechend hat man die Veranstaltung auch genutzt, um für Entwickler relevante Produkte vorzustellen. Aber selbst von denen wusste keines so richtig zu begeistern, einige waren sogar von eben diesen Entwicklern „inspiriert„. Trotz allem wurde aber auf der Bühne von Tim Cook auch wieder der Vergleich zu Android gesucht für verschiedene Sticheleien genutzt. Diese dürften Google allerdings ziemlich kalt lassen. Natürlich stimmt es, dass Apple-Devices eine deutlich bessere Versorgung mit Updates erfahren, zumindest wenn man sich nur die reine Versionsnummer ansieht. Trotzdem dürfte Google darüber nur müde lächeln, schließlich besitzt Android globale Marktanteile von über 70 Prozent.

Doch blicken wir noch ein bisschen zurück in die nahe Vergangenheit. In der vergangenen Woche sorgten zwei Meldungen aus der Technikwelt für Schlagzeilen: Google hat ein eigens entwickeltes autonom fahrendes Auto entwickelt, mit dem der öffentliche Personennahverkehr revolutioniert werden kann, wenn es gelingt, das Projekt entsprechend hoch zu skalieren. Auf der anderen Seite hat Apple Beats Audio, einen Hersteller von High-End-Kopfhörern für 3 Milliarden US-Dollar gekauft. Allein dieser Vergleich verdeutlicht, in was für unterschiedlichen Größenordnungen die beiden Konzerne denken. Apple versucht den Markt zurückzuerobern und Google will die Welt verändern – oder wie es Matthew Yglesias von Vox so treffend ausdrückte: Apple spielt Dame, während Google Schach spielt. Das Spielfeld gleicht sich also, doch das Spiel selber ist um ein vielfaches komplexer.

Die Welt verändern

Als Steve Jobs in den 80ern John Sculley (http://en.wikipedia.org/wiki/John_Sculley) von Pepsi zu Apple holen versuchte, fragte er ihn: „Willst du dein ganzes Leben gezuckertes Wasser verkaufen, oder willst du mit mir kommen und die Welt verändern.“ Natürlich hat Apple die Welt verändert und das nicht zu knapp, doch immer nur neue Smartphone-Upgrades und neue Software-Versionen vorstellen ist letztendlich nichts anderes als gezuckertes Wasser zu verkaufen.

Diese zurückhaltende Strategie ist Larry Page, CEO von Google dagegen zu langweilig. In einem Interview mit Wired gab er sich besorgt, dass mit der Art, wie wir heute Unternehmen leiten, etwas grundlegend falsch ist. Genauer gesagt, geht es den meisten Unternehmen nur noch um den Wettkampf mit der Konkurrenz – dies führt allerdings dazu, dass alle nur noch kleine Schritte gehen und minimale Verbesserungen herausbringen, statt wirkliche Innovationen. Aus diesem Grund hat Page zusammen mit Sergey Brin das Forschungslabor Google X gegründet. Hier werden neue Moonshots erforscht, also gewagte Technologien, die den Markt und die Gesellschaft grundlegend verändern können, wenn sie den Sprung vom Forschungsprojekt zur Marktreife schaffen. Dazu gehören neben Google Glass auch eine Forschungsabteilung für Roboter, Project Loon (http://www.google.com/loon/) – mit dem abgelegene Regionen per Ballon und Drohne aus der Luft mit einem Internet-Anschluss versorgt werden sollen – und sogar Kontaktlinsen für Diabetiker und eben selbstfahrende Autos. Allesamt nicht nur sehr schwer zu erforschen und zu regulieren, sondern auch bedeutend wichtiger als stylische Kopfhörer.

Mut zum Risiko

An derartigen Moonshots zu forschen ist natürlich heikel für Unternehmen, da sich schlicht nicht abschätzen lässt, wie groß die Erfolgschancen sind. Wenn es gelingt, schlägt das Projekt natürlich ein wie eine Bombe, allerdings ist es bis dahin ein langer Weg, auf dem viel schief gehen kann. Hier findet sich ein weiterer grundlegender Unterschied zwischen den beiden Unternehmen, nämlich die Führungsetage. Während Tim Cook bei Apple sicher kein schlechtes Gehalt verdient, hat er doch wenig Einfluss auf die Richtung der Firma. Er besitzt keine Mehrheit an dem Unternehmen – diese liegt bei den Aktionären und ist entsprechend breit gefächert. Page und Brin halten dagegen ganz klar die Mehrheit an Google und tun alles in ihrer Macht stehende um die Kontrolle an der Firma zu behalten.

Und hier wird ein weiterer massiver Unterschied deutlich. Google hat heute das, was Apple einst hatte: Visionen und Mut zum Risiko. Und dieser Mut zum Risiko wird belohnt. Als kürzlich das Wirtschaftsforschungsunternehmen Millward Brown Google als wertvollstes Unternehmen vor Apple eingestuft hat, geschah dies, weil Google durch die vielfältigen Forschungsgebiete sich breiter aufstellen und die eigene Marke stärken konnte, während sich Apple nach wie vor auf wenige Bereiche wie Smartphones, Tablets und Laptops konzentriert. Diese sind ja keinesfalls schlechte Geräte, doch gemessen an den vorhandenen Ressourcen tut Apple nicht genug. Gut möglich dass dem Konzern und den Aktionären dies genügt, doch ein Vergleich mit Google wird damit künftig immer abwegiger.


Image (adapted) „The raging battle between Apple’s iPhone and Google’s Android“ by Tsahi Levent-Levi (CC BY-SA 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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