Angela in der Krise

Nicht umsonst sprechen viele in der Union von einer Versozialdemokratisierung ihrer Partei und der Regierung unter Kanzlerin Merkel. Denn zum ordnungspolitischen Denken der CDU hat es bislang eher nicht gehört, Banken zu verstaatlichen oder mit Hilfspaketen angeschlagene Branchen und Unternehmen dergestalt zu stützen, dass der Spielraum kommender Regierungen auf Jahrzehnte hinaus nur noch aus der Tilgung von Schulden bestehen wird. Das erklärte Ziel der Haushaltskonsolidierung, welches für die Kanzlerin und ihre Partei Priorität hatte und so nahe schien – und das die SPD mit Ausnahme ihres Finanzministers nicht so akribisch verfolgt hat wie die Union -, wurde aus der Sicht vieler Unionisten zu leichtfertig aufgegeben. Was aus dem Unionskurs in der Krise folgt, ist die massenhafte Abwanderung ihrer Wähler zur FDP. Und: Es ist wahrscheinlich, dass dieser von vielen kritisierte Kurs die Kanzlerin in nicht allzu ferner Zukunft dann doch Einbußen in den Sympathiewerten bringen wird. Die Bundestagswahl wird Angela Merkel nur wieder gewinnen können, wenn sie ihre Truppen formiert. Es hilft ihr nichts im allgemeinen Geklatsche derer, die sie nicht wählen werden, am 27. September mit Stil unterzugehen. Sie muss ihren eigenen Leuten zuhören und gegebenenfalls auch auf sie zugehen. Der Umgang mit der Basis war ihre Stärke nie, sagen einige, die ihre Karriere und ihren Werdegang seit Jahren verfolgen. Sie wird diese Stärke aber brauchen. Nicht etwa, um eine Kampagne obamaesken Ausmaßes starten und durchführen zu können, sondern um ihrer simplen Wiederwahl willen. Mehr zum Thema auf Cicero:

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Alexander Görlach

Alexander Görlach

ist Chefredakteur und Herausgeber des Online-Debattenmagazins The European (www.theeuropean.de). Für die Netzpiloten schreibt Alexander Kolumnen und kritische Beiträge zur Medienlandschaft und natürlich zu aktuellen politischen Ereignissen.

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