Google wird ein Teil von Alphabet, aber was wird aus Android?

Sommerloch? Von wegen! Genau in dem Moment, wo die Nordhalbkugel unter der Sommerhitze beinahe zum Stillstand kommt, lässt Google eine Bombe platzen und verkündet eine massive Umstrukturierung. Alphabet ist das neue Google, eine Holding-Firma, unter der alle bisherigen Bereiche als eigenständige Unternehmen operieren. Google wird weiterbestehen und sich um die bisherigen Internet-Produkte kümmern. In der Ankündigung hat Larry Page allerdings kein Wort über Android verloren – wir gehen daher der Frage nach, was die Umstrukturierung für das mobile Betriebssystem bedeutet.

ABC… Buchstabensuppe

G steht für Google. Mit diesen Worten hat Larry Page seinen Blog-Post betitelt, in dem er Montagnacht die Umstrukturierung von Google verkündete. Google, das neben der Internetsuche und anderen Online-Diensten auch das Geheimlabor Google X oder Unternehmen wie Nest oder Calico unterstanden, wird in Alphabet umbenannt. Diese Unternehmen sollen alle als eigenständige Unternehmen unter dem Alphabet-Dach ihre Arbeit verrichten – damit es etwas kompliziert wird, gehört auch Google dazu.

Google wird quasi entschlackt und muss sich nun nicht mehr um Projekte kümmern, die mit dem Kerngeschäft eigentlich nichts zu tun haben, so wie etwa selbstfahrende Autos, Kontaktlinsen für Diabetiker oder Internet verbreitende Wetterballons.

Bei all diesen Projekten ist es in letzter Zeit ohnehin immer schwerer geworden, die Frage zu beantworten, was das alles mit Google zu tun hat. Warum forscht ein Internet-Konzern an solchen Dingen? Die Antwort liegt bei Larry Page und seinem großen Vorbild Nikola Tesla. Dessen Erfindungseifer will Page ebenfalls an den Tag legen, aber das kann er eben nicht, wenn er sich als CEO bei Google um alles kümmern muss, was mit großem Verwaltungsaufwand verbunden ist.

Die Lösung ist so logisch wie unausweichlich, Page muss die Verantwortung auf andere Mitarbeiter verteilen. Etwa auf Tony Fadell, der Nest leitet, oder den neuen CEO von Google, Sundar Pichai, der bereits die Chrome- und Android-Sparten geführt hat. Damit sind die „kleinen“ Tochterunternehmen von Alphabet unabhängiger und erinnern in vielen Fällen eher an Startups, die wiederum auch von außen Fördergelder erhalten können – damit dürften dann auch die Aktionäre von Google bzw. nun Alphabet zufriedengestellt sein, bei denen der Forschungsdrang und die damit verbundenen Ausgaben nie auf große Gegenliebe gestoßen sind.

Die Zukunft von Android

Bei all der Berichterstattung ist allerdings ein Detail etwas untergegangen, nämlich Android. Das mobile Betriebssystem hat Larry Page in seiner Ankündigung nicht erwähnt und da stellt sich schon die Frage, was hat das zu bedeuten? Das verschlankte Google bleibt auch weiter die Heimat von den Internet-Diensten, wie es im Blog-Post heißt. Aber ist Android denn Teil davon, wenn es unter all den klassischen Internetdiensten, wie etwa die Suche oder Google Maps, schon etwas aus der Rolle fällt?

Es ist davon auszugehen, dass Android auch weiter ein Teil von Google bleibt. Zum einen, weil Sundar Pichai das Betriebssystem seit einiger Zeit unter seinen Fittichen hat und außerdem, weil bei Android alle anderen Dienste zusammenlaufen. Doch auch wenn Android weiter Teil von Google ist, wird sich sicherlich einiges für das mobile Betriebssystem ändern. Sundar Pichai hat mit dem entschlackten Google nun mehr Luft zum Atmen und kann Android endlich mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Denn auch wenn Android in den letzten Jahren das weltweit beliebteste, mobile Betriebssystem geworden ist, hat es doch mit einigen Problemen zu kämpfen, die sich über die Jahre manifestiert haben. Allen voran dürfte wohl die Update-Problematik auf dem Schirm stehen und da wird es auch allerhöchste Zeit, dass Google hier endlich durchgreift. Doch solche tiefgreifenden Veränderungen lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen und so wird sicherlich noch einige Zeit vergehen, ehe der Nutzer tatsächlich etwas von den ganzen Veränderungen hinter den Kulissen zu spüren bekommt.


Teaser & Image „Google Food“ (adapted) by brionv (CC BY-SA 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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