Künstliche Intelligenz – eine Zukunft ohne Menschen?

In einem Jahr mit Olympischen Spielen in Brasilien und der Europameisterschaft im Männerfußball in Frankreich, zwei Sportereignisse mit hohem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einfluss an die jeweiligen Länder, scheint das Duell zwischen Googles Programm Alpha Go und dem Weltklassespieler Lee Sedol in dem asiatischen Brettspiel Go beinahe unbedeutend, doch stellt dieser im Frühjahr ausgetragene Wettkampf wohl eine Wende in der Beziehung zwischen Mensch und Maschine dar.

Bereits seit den Neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts setzten sich in Mensch-Maschine-Wettkämpfen beim Schach stets die Computerprogramme durch. Selbst ein Ausnahmespieler wie Garri Kasparow konnte dem Schachprogramm Fritz in seinen unterschiedlichsten Versionen nur selten etwas entgegensetzen. Die 64 Felder eines Schachspiels ermöglichen bereits nach dem zehnten Zug einer Partie mehr Möglichkeiten als es Atome im Weltall gibt. Ein Go-Brett hat zum Vergleich 361 Felder.

Der Sieg von Alpha Go im Duell mit Lee Sedol deutet also einen Meilenstein in der Entwicklung künstlicher Intelligenz an, die im Zusammenhang mit aktuellen Fortschritten in den Bereichen Quantum Computing, das Mooresche Gesetz, Genetik und Biotechnologie auf eine Verschmelzung von Menschen mit Maschinen hinaus laufen. Der Blogger Sebastian Haselbeck prophezeit in einem Beitrag auf Netzpiloten.de, dass dann „Lebenslogiken, die wir seit Jahrhunderten kennen, keine Gültigkeit mehr haben würden“.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen einer derartigen Entwicklung sind kaum abzusehen. Zum einen könnten neue digitale Denkmöglichkeiten zu einer automatisierten Wissensgewinnung führen, die unsere Gesellschaft voranbringen würde. Zum anderen ist aber durch die Konzentrierung der Macht von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Händen weniger, bei Abwesenheit von Transparenz, falls eine KI überhaupt noch nachvollziehbar, überprüfbar oder kritisierbar bleibt, eine Gefahr für eine freie Gesellschaft.

Nichtsdestotrotz sind schon heutzutage Vorteile des Einsatzes einer Künstlichen Intelligenz sichtbar. Wenn wir mit den sich in Messengern immer mehr verbreitenden Bots chatten, steckt dahinter eine Künstliche Intelligenz, die Anfragen von Menschen an die Software versteht, weitergibt und verstehbarer Form ein Ergebnis liefert. „Für Facebook und Microsoft stellen ihre Kommunikations-Plattformen Messenger, Skype oder WhatsApp aber auf jeden Fall das Vehikel für ihre Künstlichen Intelligenzen dar“, sagt Jakob Steinschaden.

Für Ole Wintermann geht bereits heute der Nutzen von Künstlicher Intelligenz über Bots hinaus. In einem Beitrag auf Netzpiloten.de geht er der Frage nach, ob eine Künstliche Intelligenz wie Alphas Go bei der Bewältigung des Klimawandels helfen könnte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass „in einer Zeit, in der globale und gesellschaftliche Komplexität mit den nicht mehr absehbaren direkten und indirekten Folgen interdependenter Handlungen und Akteure immer mehr an Dynamik gewinnt“, eine Künstliche Intelligenz hilfreich wäre.

Wintermann geht den Gedanken noch weiter:

Dass sich hingegen ausgerechnet der Mensch mit seiner jahrtausendealten Tradition der Kriege und der in der Neuzeit erworbenen Fähigkeit, sich seiner eigenen Lebensgrundlagen auf globaler Ebene zu berauben, herausnimmt, Maschinen oder Künstliche Intelligenz für deren – für den Menschen nicht mehr nachvollziehbare Entscheidungslogik – zu kritisieren, mutet dann doch etwas überheblich und kurzsichtig – also menschlich – an. Sich wider besseren Wissens mit der Nutzung von Autos und nicht nachhaltigen Energien die eigene Lebensgrundlage beständig aufzuheizen und zu vernichten, zeugt jedenfalls in keiner Weise von der Intelligenz und moralischen Integrität, wie wir sie doch gleichzeitig von Algorithmen und Robotern einfordern.“

Es ängstigt einige Menschen, sollte die Entscheidungslogik, wie Wintermann schreibt, einer Künstlichen Intelligenz überlassen werden. Selbst technologischen Fortschritt positiv gegenüberstehende Menschen wie Steven Hawking, Bill Gates oder Elon Musk betrachten eine Künstliche Intelligenz als mögliche Gefahr an. Doch wie realistisch sind diese Ängste und wie viel ist Panik à la Hollywood-Filmen wie den Terminator? Viele Wissenschaftler im KI-Bereich zweifeln daran, dass eine KI menschliche Grenzen übersteigen kann.

Ähnlich wie in den Anfängen des Flugwesens, als versucht wurde, das Prinzip des Vogelflugs zu kopieren (was später auch aufgegeben wurde), werden heutzutage zu viele Parallelen von Künstliche Intelligent zum menschlichen Gehirn gezogen. Für Nicolas Rougier macht dieser Vergleich und die daraus resultierende Angst des Menschen vor dem Ersetztwerden wenig Sinn, denn ohne einen erkenntnistheoretischen Durchbruch, mit dem das Gehirn und seine Funktionsweisen gänzlich verstanden wird, sind Künstliche Intelligenzen dem menschlichen Gehirn nicht ähnlich oder vergleichsweise überlegen.

Auch der Philosoph Peter Ellerton, Leiter des Critical Thinking Project an der Universität von Queensland, weist in einem Beitrag auf Netzpiloten.de hin, dass das Denken eines Computers auf reiner Rechenleistung beruht, bei dem es um Berechnungen pro Sekunde und die Anzahl der möglichen Rechenwege geht. Das menschliche Denken oder Bewusstsein ist kein Resultat von Berechnungen, wie sie ein binärer Computer durchführt. Er stellt deshalb die Frage, ob Denken denn nicht mehr als Berechnung ist und was es dafür braucht.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass eine Künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen wird oder eine Bedrohung für ihn darstellt. Der Mechatronik-Experte Fumiya Iida hat in einem Experiment mit einer sich eigenständig weiterentwickelnden Künstlichen Intelligenz Ansätze einer Evolution erkannt, kommt aber trotzdem zu den Fazit, dass sich diese immer noch innerhalb der von Menschen gesetzten Grenzen entwickeln, damit unter unserer Kontrolle sind und dort auch immer bleiben werden.

Außerdem sollten wir Menschen nicht den Wert von Kreativität höher bewerten als unsere anderen Fähigkeiten, die Künstliche Intelligenzen wahrscheinlich niemals erlernen werden, wie David Lovell in einem Beitrag auf Netzpiloten.de anmahnt. Ein solidarisches Miteinander als Gemeinschaft setzt auch Empathie voraus, also die Fähigkeit, Gefühle untereinander zu verstehen und zu teilen. Ohne Empathie gibt es auch keine Sympathie und Verständnis für einander. Und derartige Gefühle können Maschinen wohl nicht von selbst entwickeln. Um das, was uns besonders macht zu bewahren, sollten wir es ihnen auch nicht beibringen.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung von SOLCOM, dem führenden branchenübergreifenden Technologiedienstleister in den Bereichen Informationstechnologie und Engineering. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet SOLCOM als Partner global agierender Spitzenunternehmen.


Image „display-dummy“ by geralt [CC0]


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