Jetzt wird es ganz eng: Adobe-Software und Stockfoto-Dienst rücken noch näher zusammen

Adobe hat mit dem Juni-Update sein Kreativlösungs-Paket Creative Cloud turnusmäßig aktualisiert. Vor allem fotoorientierte Content-Produzenten sprechen die Neuerungen an: Der Stockmedien-Dienst Adobe Stock wird noch tiefer in Desktop-Programme des Herstellers integriert. Zudem beinhaltet die Grafiksoftware Photoshop neue umfangreiche Funktionen für die Bild-Retusche.

In der Creative Cloud bündelt Adobe Kreativ-Software für Desktop-Rechner und Mobilgeräte sowie webbasierte Dienste für den Kauf und Austausch von Design-Elementen und Stock-Medien. Vernetzte Workflows über verschiedene Geräte und Plattformen hinweg sind ein zentraler Ansatz der Creative Cloud.
 

Stock-Medien direkt aus der Anwendung kaufen

Vor diesem Hintergrund verzahnt der Hersteller seinen Stock-Medien-Katalog nun noch enger mit den wichtigsten Hauptprogrammen. Nutzer von Photoshop, Illustrator, InDesign, Dreamweaver, Premiere Pro und After Effects können ab sofort aus der jeweiligen Anwendung heraus Bilder in Adobe Stock durchsuchen, in Vorschau-Qualität verwenden und bei Gefallen unmittelbar lizenzieren. Dies ermöglicht ein Update des CreativeSync-Dienstes und der damit verbundenen Bibliotheks-Funktion in Photoshop und Co. Ebenfalls neu: Wer im Team Stock-Bilder und weitere Design-Elemente gemeinsam verwendet, kann in den Creative-Cloud-Bibliotheken Mitbenutzern jetzt Rechte zum Bearbeiten oder Betrachten zuweisen.

Für Einkäufer will Adobe seinen Stock-Dienst anhand einer neuen Premium-Sammlung mit 100.000 kuratierten Bildern attraktiver gestalten. Sie heben sich unserer Stichprobe zufolge tatsächlich vom Stock-Einerlei ab, sind aber mit Preisen von rund 100 bis 500 Euro auch deutlich teurer als üblich.

Neue Funktionen für Photoshop und Co.

Fotojournalisten dürfen an ihren Bildern so ziemlich genau nichts verändern. Wer sich hingegen als Visual Storyteller betrachtet und die Sache mit der fotografischen Wahrhaftigkeit eher locker nimmt, darf ruhig zu den neuen Funktionen in Photoshop greifen. Unter Adobes Hauptprogrammen erfährt der populäre Foto-Editor mit dem Juni-Update die größten Neuerungen.

Der Verflüssigen-Filter erkennt in Photoshop CC 2015.5 nun automatisch Gesichter. So lassen sich Nase, Mund, Augen, Kinn und Wangen bei der Porträt-Retusche leichter als zuvor anpassen. Das Beschnitt-Werkzeug kann jetzt leere Stellen inhaltsbasiert füllen, wenn ein Bild gedreht wird und dabei an den Rändern weiße Flächen entstehen. In einem kurzen Test arbeiteten die beiden neuen Features tadellos.
Photoshop_1 (Image by Adobe)

Außerdem kann Photoshop mittels der Funktion „Match Font“ in Bilddateien verwendete Schriftarten erkennen. Sollte diese nicht installiert oder verfügbar sein, schlägt das Programm eine ähnlich aussehende Schriftart vor.
Photoshop_2 (Image by Adobe)

Dem Trend zu 360-Grad-Videos und Virtual Reality trägt Adobe mit einem speziellen Workflow im Videoschnitt-Programm Premiere Pro Rechnung. Im neuen Sichtfeld-Modus können Filmemacher kontrollieren, was Betrachter in einem Kugelpanorama sehen, wenn sie in eine bestimmte Richtung blicken. Außerdem lassen sich diese Aufnahmen leicht mit Metatags versehen, sodass YouTube und Facebook sie als 360-Grad-Aufnahmen erkennen und entsprechend darstellen. Mehr zu den diversen Neuerungen in weiteren Adobe-Programmen bietet diese Überblicksseite.

Update per App, die Abo-Zahl wächst

Die Updates stehen Bestandskunden direkt über die Creative-Cloud-App für PC und Mac zur Verfügung. Einsteiger erhalten bei der Erstinstallation gleich die aktuellste Version. Die Foto-Software Photoshop und Lightroom ist für 12 Euro im Monat verfügbar, das komplette Adobe-Paket kostet 60 Euro monatlich.

Das Mietsoftware-Modell von Adobe polarisiert die Kreativ-Community seit der Einführung im Jahr 2012. Ein Teil der Anwender vermisst zeitlich unbegrenzt nutzbare Einmalkauf-versionen. Ungeachtet dessen ist die weltweite Zahl der Creative-Cloud-Abonnenten kontinuierlich auf derzeit über sechs Millionen gewachsen.


Image „Screenshot Adobe Creative Cloud“ via Adobe
Images „Photoshop“ by Adobe


Schlagwörter: , , , , , , , ,
Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Journalist und Texter. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Androidpiloten und Applepiloten befasst er sich mit Technik-Themen. Die Dissertation zur Geschichte der Fotoindustrie hat der Wirtschaftshistoriker erfolgreich abgebrochen, um sich der Digitalen Fotografie und vielen anderen Bereichen der Consumer Electronics und IT in der Gegenwart zu widmen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

More Posts - Twitter