Der Verkauf von Abos über Apple wird für Herausgeber einfacher

Vor einigen Tagen wurden bei der jährlichen WWDC-Konferenz Softwareneuheiten vorgestellt. Wir konnten einen Einblick in die Vorhaben erlangen, der für Herausgeber von großem Interesse sein wird.

In einem der seltenen Vorgespräche zur WWDC-Konferenz mit Phil Schiller, dem stellvertretenden Leiter der Abteilung für internationales Marketing bei Apple, verkündete dieser, dass Apple in absehbarer Zeit das Finanzausgleichmodell für Apps verändern wird. Während die bekannte 70/30-Aufteilung weiterhin bestehen bleiben wird, werden Entwickler, die einen Langzeitabonnenten für länger als ein Jahr halten können, nur noch 15 Prozent ihrer Einnahmen an Apple abführen müssen. Die Möglichkeit zum Verkauf von Abonnements wird zudem allen Entwicklern und nicht nur ausgewählten Apps zur Verfügung stehen. Schiller äußert sich dazu mit den Worten: „Jetzt werden wir alle Kategorien öffnen und diese Öffnung schließt auch Spiele ein. Diese stellen eine immens große Kategorie dar.“

Der erste Teil davon stellt den wichtigsten Aspekt für Nachrichtenherausgeber dar: Als die Firma Apple verkündete, dass sie im Jahr 2011 zahlungspflichtige Abonnements einführen wolle, wurde dies mit großer Spannung von einigen Nachrichtenunternehmen erwartet. Diese sahen diese Möglichkeit als einen Weg dafür, die regulären Vertriebserlöse aus ihrem Print-Geschäft auf die digitale Ebene zu übertragen. Im Zusammenspiel mit der Herausgabe des iPads ein Jahr zuvor wirkte dies als Ansporn zu großen Bemühungen durch große Unternehmen (Beispielsweise bei „The Daily“: möge das Projekt in Frieden ruhen) bis hin zu Startups von Einzelunternehmern (wie beispielsweise The Magazine: Möge es in Frieden ruhen). Wie das „Ruhe in Frieden“ bereits andeutet, distanzierten sich die Verleger nach einiger Zeit aus zahlreichen Gründen von der Idee. Zu ihnen gehörten beispielsweise: Unvollständige Nutzerdaten, Schwierigkeiten bei der Akquise neuer Abonnenten oder dem Festhalten an Konzepten wie dem nicht mehr bespielten „Newsstand“-Ordner auf dem Start-Bildschirm.

Während Newsstand mittlerweile Vergangenheit ist, besteht doch weiterhin eine Beschwerde: Apple hat von allen Umsätzen aus Abonnements 30 Prozent abgezogen – dies war einigen App-Herausgebern zu hoch.

Die Verkündung Schillers bedeutet daher, dass dieser Abzug nur innerhalb des ersten Jahres eines Abonnements bestehen wird und danach dann auf 15 Prozent sinken solle. Wenn Sie einem Kunden für ein monatliches Abonnement über iOS 9,99 US-Dollar berechnen, wird Ihr Umsatz im zweiten Jahr um 21 Prozent ansteigen (von 82,92 US-Dollar auf 101,90 US-Dollar). John Gruber fügt hinzu, dass diese Veränderung in einem Sinne auch rückwirkend greifen wird: Bestehende Apps, die bereits ein Jahr dabei sind, werden von der 85/15-Aufteilung in wenigen Tagen und nicht erst in einem Jahr profitieren.

Und noch weitere interessante Fakten dazu:

  • Von nun an kann man in den verschiedenen Vertriebsländern angepasste Werbung schalten. Somit könnte beispielsweise die New York Times Lesern in Indien weniger – oder auch mehr – berechnen als Lesern in den USA.

  • Sie werden „die Möglichkeit bekommen, bestehende Abonnenten den gleichen und neuen Abonnenten einen höheren Preis zu berechnen.“

  • Erneuerungsphasen können ab nun nicht nur monatlich oder jährlich, sondern auch alle zwei, drei oder sechs Monate durchgeführt werden.

  • Es ist zudem ab jetzt auch einfacher, mehrschichtige Abonnements innerhalb einer einzelnen App anzubieten. (Auch wenn das schon zuvor möglich war; die Times bietet in ihrer aktuellen App beispielsweise mit dem digitalen Abonnement für 15 US-Dollar im Monat und dem Times Insider für 25 US-Dollar im Monat diese beiden Optionen an.) Von einer Form zur anderen zu wechseln wird für Nutzer problemlos möglich sein.

Ein weiterer wichtiger und nennenswerter Punkt: Sie können die Entscheidung treffen, den Preis für ein Abonnement für einen bestehenden Kunden anzuheben. Dieser Kunde wird dann eine Benachrichtigung über die Tarifänderung erhalten und die Möglichkeit haben, die Preiserhöhung anzunehmen. Wenn er diese nicht annimmt, endet das Abonnement. Diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, sollten Sie also sorgsam bedenken.

Ironischerweise erweist sich der Teil der Neuregelungen, die am wenigsten über eine direkte Verbindung zu Herausgebern verfügen, als besonders negativ für diese. Abonnements waren zuvor nur für bestimmte Arten von Apps verfügbar (Nachrichten, Cloud-Services, Dating-Apps sowie Audio-/ Video-Streaming-Apps wie Spotify oder Netflix). Jetzt werden sie für alle Apps erhältlich sein. Die Absicht dahinter ist, dass Entwicklern die Möglichkeit gegeben werden soll, beständigere Umsatzmodelle für komplexe Apps entwickeln zu können – und das, ohne zuvor einen hohen Preis dafür verlangen zu müssen. (Denken Sie an dieser Stelle an Ihre Adobe Creative Suite oder Ihre Microsoft Office-Apps, die heute über ein jährlich zu zahlendes Abonnement bezahlt werden. Vor gerade einmal fünf Jahren hätten Sie sie in Form eines einmalig zu zahlenden Paketes erwerben müssen.)

Diese neue Verfügbarkeit bedeutet, dass viele weitere Apps mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Abonnements kostenpflichtig gestalten werden – dazu gehören auch Produktivitäts-Apps für Geräte wie beispielsweise den iPad Pro und für zahlreiche Spiele. In dieser Umgebung stelle ich mir die Frage, ob Konsumenten eine Nachrichten-App nicht vielmehr als einfach eine weitere monatliche Rechnung sehen und diese dann im Wettbewerb steht mit Candy Crush PRO 3.11 für Arbeitsgruppen oder Two Dots Elite.

Die Vorhersagen sind eindeutig:

Das sind jedoch nur Vermutungen meinerseits. Apple hat versucht, seinen Hauptumsatz von fast ausschließlich einmaligen, kostenaufwändigen Anschaffungen (wie ein neues iPhone!) zu wiederholen, regelmäßigen Zahlungen zu verschieben (wie den Apple Music! iCloud-Speicher!). Es ist also sinnvoll, wenn Entwickler einen ähnlichen Weg einschlagen sollen. Nachrichten-Apps waren schon immer an Abonnements gekoppelt (da Herausgeber Nachrichten auf einer täglichen Basis veröffentlichen; Spielentwickler können hingegen langfristig von einer sich mehrheitlich nicht verändernden App profitieren). Aber die Abo-Party wird zunehmend belebter werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Tablet by niekverlaan (CC0_Public Domain)


 

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Joshua Benton

Joshua Benton

ist Leiter des Niemand Journalism Lab, an dem er schon 2008 als Fellow tätig war. Davor arbeitete er zehn Jahre für Zeitungen, die meiste Zeit bei "The Dallas Morning News". Benton hat den Philip-Meyer-Journalism-Award der Organisation "Investigative Reporters and Editors" gewonnen und hat mit dem Bloggen angefangen als Bill Clinton noch US-Präsident war.

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