Wie kann man Geld im Journalismus verdienen?

76 Wege, um mit digitalen Medien Geld zu verdienen

Mit dem Medienwandel haben sich auch die Möglichkeiten des Geld verdienen im Journalismus verändert – sie haben sich vervielfacht. // von David Plotz

Wie kann man Geld im Journalismus verdienen?

Auf ziemlich die gleiche Weise, auf die ich meine Großmutter ausfragte, wie sie die Große Depression überlebt hatte, fragte mich kürzlich ein jüngerer Arbeitskollege, wie Journalismus in den 1990ern gewesen ist (wir starteten „Slate“ in 1996). Als ich anfing, darüber zu reden, merkte ich, dass sich der Journalismus selbst nicht viel verändert hat – blah blah, Social Media, blah blah, Interaktivitäten, blah blah, Lange Form – aber was sich geändert hat, ist das Geld. Es gab keines. Nun gibt es sehr viel.

Zur Übung machte ich mir zwei Listen: Alle Einnahmequellen vom 1998er Digitalen Journalismus, an die ich mich erinnern kann, und alle Einnahmequellen vom 2014er Digitalen Journalismus, an die ich mich erinnern kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, was sie offenlegen, aber ich vermute, es ist sehr viel.

 

Im Jahr 1998 waren die Einnahmequellen für Online-Journalismus:

  1. Spenden von irgendeiner reichen Person

  2. Spenden von irgendeiner reichen Firma, die eine große Investitionen tätigte

  3. Bannerwerbung

  4. Richtig schlechtes Abonnement-System

  5. Irgendein „Leadgenerierung„-Unternehmen (woran mich Jim Ledbetter erinnert hat)

 

Im Jahr 2014 sind die Einnahmequellen für digitalen Journalismus:

  1. Spenden von irgendeiner reichen Person (z.B. eBay-Gründer Pierre Omidyars „First Look Media„)

  2. Spenden von irgendeiner reichen Firma, die eine große Wette machte (z.B. einige von Bloombergs Projekten)

  3. Werbung von echten (z.B. nicht Netzwerk-) Werbeträgern

  4. Werbenetzwerk-Anzeigen

  5. AdSense-Werbung von Google

  6. Outbrain-mäßige Links zu Inhalten anderer Menschen, die bezahlen, wenn Leser darauf klicken

  7. Native Advertising

  8. Die Native Ads selbst erstellen und eine Gebühr dafür erhalten

  9. Eine Mikro-Webseite für Native Advertising bauen und separat dafür Geld verlangen

  10. Abonnements (kein Inhalt, solange man nicht zahlt)

  11. Paywall (ein paar Imhalte, für mehr muss man bezahlen à la The New York Times)

  12. Mikrobezahlung (man bezahlt für jeden einzelnen Beitrag)

  13. Mitgliedschaft (Inhalt ist kostenlos, aber Bonusmaterial – Rabatte, Easter Eggs – für Mitglieder; z.B. Slate Plus)

  14. Abonnements nur für Tablets

  15. Bezahlte App

  16. Trinkgeldkasse (nach Unterstützung ohne Gegenleistung fragen)

  17. Kindle-Abonnements

  18. Merchandise-Artikel direkt an die Leser verkaufen

  19. Amazon Partnerprogramm-Einnahmen (via Links in Geschichten)

  20. Amazon Partnerprogamm-Einnahmen, wo man Geschichten über Produkte einreicht, um die Kosten zu senken

  21. Eigene Merchandise-Artikel verkaufen, allerdings über ein Unternehmen, das dies übernimmt und einen Anteil abgibt (z.B. Cafè Press)

  22. Leadgenerierung – einen Leser schicken, der ein Käufer wird, und dafür bezahlt werden

  23. Geschichten an mehrere andere Digitalverlage verkaufen, damit sie diese auf ihren Seiten einstellen 

  24. Geschichten an mehrere Druckverlage verkaufen

  25. Syndikation für Textbücher/Akademie (z.B. PARS)

  26. LexisNexis

  27. Inhalte für Werbeträger-Mikroseiten verkaufen

  28. Öffentliche Veranstaltungen – Ticketeinnahmen

  29. Öffentliche Veranstaltungen – Einnahmen durch Unternehmenssponsoren

  30. Konferenzen für Professionelle – Ticketeinnahmen

  31. Konferenzen – andere Formen des Sponsorings (Abzeichensponsoring, Mobilfunkdienstsponsoring)

  32. Bezahlte Partys: Leser zahlen, um sich mit dir zu unterhalten

  33. Konferenzen – Messestände-/Ausstellungseinnahmen

  34. Veranstaltungen als Verkaufsmasche – Menschen für Veranstaltungsinhalte anlocken, dann ihnen etwas verkaufen

  35. Native Events – Veranstaltungen, die für Werbeträger aufgebaut werden

  36. Stiftung spendet einem journalistischen Lieblingsthema

  37. Universität spendet dem journalistischen Medium für ein bevorzugtes Thema

  38. Spenden von Stiftungen, die nicht an ein bestimmtes Projekt gebunden sind

  39. Handy-Bannerwerbung

  40. Interstitials auf Displays von Smartphones und Tablets

  41. Videowerbung von echten Werbeträgern

  42. Netzwerk-Videowerbung

  43. Google/Youtube bezahlt für die Erstellung von Videos

  44. Anteil an Youtube-Videoeinnahmen

  45. Podcast-Werbung – nicht vom Moderator gelesen

  46. Podcast-Werbung, vom Moderator gelesen, bezahlt fürs Durchklicken/Registrierungen

  47. Podcast-Werbung, vom Moderator gelesen, nicht für Leistungen bezahlt

  48. Podcast-Festivals

  49. Podcasts für Sponsoren erstellen

  50. Kreuzfahrten für Leser

  51. Leser oder andere Journalisten unterrichten

  52. Webinars

  53. Foto-Archive sowohl digital als auch gedruckt verkaufen

  54. Printbücher für digitale Inhalte veröffentlichen

  55. Kindle-Singles und andere E-Books

  56. Ungewöhnliche Bücher für Nicht-Amazon-Verlage verkaufen, wie es Slate mit diesem Ursula LeGuin Buch getan hat

  57. Film- und Fernsehrechte verkaufen

  58. Produktplatzierung – für Produkttests und -berichte bezahlt werden

  59. Die Macht deiner Google-Seitenplatzierung nutzen, um Links zu anderen Seiten einzustellen und für Linkverweise bezahlt zu werden (was Google zweifellos wütend macht)

  60. Gesponserte Tweets

  61. Dafür bezahlt werden, Facebook-Beiträge zu einem bestimmten Thema zu verfassen

  62. Werbung in E-Mails

  63. Kickstarter-Fundraising (à la 99 Percent Invisible)

  64. Apps für andere programmieren

  65. Höherwertig spezialisiertes Produkt (z.B. Politico Pro)

  66. Gezielte Recherche nach Abonnenten, die für Premium-Angebote zahlen (z.B. BI Intelligence)

  67. Virale Inhalte für Werbeträger erstellen und Geld für Viralität auf eine BuzzFeed-ige Weise verlangen

  68. Menschen dazu bringen, sich für eine E-Mail-Liste eines Werbeträgers anzumelden, so wie Upworthy es macht

  69. Abonnenten-Daten verkaufen

  70. E-Mail-Listen verkaufen

  71. Eine Plattform erschaffen, großartigen Journalismus darauf einstellen und die Plattform verkaufen (z.B. Atavist)

  72. Wein-Clubs

  73. Zugang zu Archiven verkaufen (Dank an: Joe Turner)

  74. Staatsförderung erhalten, um Journalismus zu erschaffen, z.B. USAID (Dank an: Nochmal Joe Turner)

  75. Mehr als eine Trinkgeldkasse – aufrichtige Spenden, à la Brainpickings und NPR (Dank an: David Harvey)

  76. Weißbücher

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Slate.com und ist hier mit freundlicher Genehmigung von Slate.com als übersetzter Crosspost veröffentlicht.


Teaser & Image by bohed (C00)


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David Plotz

David Plotz

ist Journalist und schreibt seit der Gründung im Jahr 1996 für das Blog Slate.com, welches er von 2008 bis 2014 leitete. Davor arbeitete Plotz, der in Harvard Rechtswissenschaften studiert hat, als Rechtsassistent für das US-Justizministerium. David Plotz hat 2000 den Hume Award des US-Presseclubs gewonnen, später den Online Journalism Award. Er ist Autor der Bücher "The Genius Factory" (2005) und "Good Book" (2009).

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