Die Idee der Socialbar
Jeden Dienstag im Monat treffen sich im Berliner tazcafé sozial engagierte Menschen und Internetexperten, tauschen Erfahrungen und Ideen aus – und knüpfen im besten Falle Kontakte für neue Projekte. Das Konzept: Jeder Interessierte kann die Treffen mitgestalten, organisieren, Themen und Referenten vorschlagen und auch selbst spannende Projekte vorstellen.
Eine Einführung in das politische Campaigning über Web 2.0 gaben drei kurze Vorträge.
— Aktion AK Vorratsdatenspeicherung
Den Anfang machte Ricardo Cristof Remmert-Fontes vom AK Vorratsdatenspeicherung mit einem Bericht über die Online- und Offline-Mobilisierung der erfolgreichen Demo "Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn". Der „AK Vorrat“ setzte zur Online-Mobilisierung vor allem auf Page Peel-Banner (zu sehen unter anderem auf netzpolitik.org und die Vernetzung über Social Networks. Allerdings zeigte sich Remmert-Fontes eher skeptisch, ob sich tatsächlich eine kritische Masse von Menschen rein über Online-Medien erreichen lasse.
Das Web 2.0 sei ein gutes Mittel, um Kampagnen zu organisieren, um Leute zu vernetzen und Informationen zu streuen – allerdings erreiche man damit meist nur die ohnehin Interessierten. Schließlich, so die nicht ganz neue Erkenntnis, sei die Reichweite der „klassischen“ Medien Fernsehen und Zeitung noch weit höher als die des Internet. Ein Mobilisierungs-Video hätte über YouTube vielleicht noch ein paar mehr Leute erreicht, räumte Remmert-Fontes ein. Aber: „Mehr Einfluss hätte das Video immer noch, wenn es in der tagesschau gezeigt würde.“ Real-Life-Aktionen wie die Demo „Freiheit statt Angst“, so Remmert-Fontes´ Fazit, seien momentan noch die einzige wirklich wirksame Möglichkeit, um die Massenmedien, die Leute auf der Straße und den Bundestag auf Anliegen aufmerksam zu machen.
— Creative Acts
Weiter ging es mit Joep van Delft von creative acts, der die kreative Seite von Online-Kampagnen und Aktionen beleuchtete. Seine These: Nutzergenerierte Web-Kampagnen sind die Street Art des Internet. Das belegte er in seiner Präsentation mit vielen anschaulichen Beispielen und Vergleichen zwischen „herkömmlichen“ Aktivismus und Web 2.0-Kampagnen: Auf der „Real-Life“-Seite Ad Busting, die Umgestaltung bekannter Werbemotive und Logos, oder Flashmobs, auf der virtuellen Seite Google-Bomben (http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Bombe) und Online-Demonstrationen.
— Campaigning über Twitter
Den Abschluss machte Jan Michael Ihl mit einer Anleitung zum Political Campaigning über Twitter. Zu diesem Thema sammelte er als „Betreuer“ der Twitter-Accounts von Greenpeace Deutschland und der taz bereits praktische Erfahrung. Er stellte drei Thesen auf:
- 1. Twitter gehört ab morgen zum Standard-Repertoire jeder erfolgreichen Kampagne - nach dem Vorbild Barack Obamas.
- 2. Twitter ist als Feedback-Kanal noch viel interessanter denn als reiner Micro-News-Kanal. Faktoren: Niedrigschwelligkeit & Öffentlichkeit.
- 3. Twitter ist keine Plattform für die Ewigkeit, aber auf jeden Fall fürs Jetzt. Deshalb: sollten NGOs und Initiativen besser _jetzt_ Twitter einsetzen, als zu zögern. Voraussetzung für Erfolg: richtiger Ton, Witz, Offenheit.
Über den Autor
Steffen Büffel ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.











