SemantiFind verspricht, bessere Suchergebnisse durch eine semantische Erweiterung zu Google zu erzielen. „It eliminates

ambiguity, allows you to say things the way you want and helps filter out the noise from your existing search engine.” Heißt es in der Selbstbeschreibung. Das klingt zunächst verlockend. Ob es aber tatsächlich so einfach und automatisch abläuft, wie es sich liest, soll der Blogpiloten-Test zeigen.
Wie funktioniert SemantiFind? – die Theorie
Bevor man
SemantiFind nutzen kann, muss man einen Account anlegen und anschließend eine Toolbar für den Internet Explorer oder Mozilla Firefox installieren. Dann kann es im Prinzip auch schon losgehen mit der Suche. Da SemantiFind keine eigene Suchmaschine entwickelt hat, sondern mit dem Such-Riesen Google kooperiert, geht man entweder auf die Seite der Suchmaschine oder gibt den gesuchten Begriff in die Suchbox im Browserfenster ein. Dann erscheint ein Auswahlfenster von SemantiFind, in dem man die Bedeutung des eigenen Suchbegriffs auswählen kann. Wenn ich nach „apple“ suche, kann ich zum Beispiel wählen, ob ich die Frucht, das Unternehmen oder vielleicht doch die Tochter von Gwyneth Paltrow meine.
Dann stellt mir
SemantiFind die Suchergebnisse zusammen. Seiten, die unter der gewählten Bedeutung aufgeführt sind und die meinem gewünschten Ergebnis entsprechen, kann ich dann in der Toolbar durch „Semantify“ als bedeutend markieren. SemantiFind basiert also auf dem Prinzip der Weisheit der Vielen, die entsprechende Labels aufstellen und verfeinern.
Wie gut funktioniert SemantiFind? – Der Praxistest
Ich habe mich dazu entschlossen, mit „apple“ die Tochter von Gwyneth Paltrow zu meinen, zu der ich gerne etwas Näheres erfahren möchte. Und genau an diesem Punkt beginnt die schöne Vorstellung der semantischen Suchmaschinenerweiterung zu bröckeln. Denn
SemantiFind findet leider nicht nur, bzw. in diesem Fall sogar gar keine Ergebnisse, die mit „Apple“ und „Gwyneth Paltrow“ gelabelt wurden, sondern Ergebnisse für Gwyneth Paltrow selbst.
Ein Lesetest zeigt: In den meisten der gefundenen Seiten taucht nicht einmal der Name der Tochter auf und bei Wikipedia ja auch nur der Vollständigkeit halber. Als Gegentest gebe ich bei Google „Apple+Gwyneth Paltrow“ ein und erhalte an oberster Stelle einige Suchergebnisse zur Tochter der Schauspielerin. SemantiFind kann mit diesem Term allerdings nichts anfangen und zeigt „no results found“ an. Ein Löschen des +-Zeichens bringt auch keine Verbesserung.
Für wen ist SemantiFind gedacht?
Nun, in erster Linie bleibt
SemantiFind auf den englischen Sprachraum, bzw. englische Suchbegriffe begrenzt. Es werden auch nur englischsprachige Seiten angezeigt. Wer „Lothar Matthäus“ sucht, bekommt gerade so noch einen englischen Wikipedia-Artikel, wer aus Lothar „Loth“ macht und noch einen „Kader“ vornedran setzt, bekommt gar kein Ergebnis. Wer mit deutschen Suchbegriffen arbeitet und deutschsprachige Seiten durchsuchen möchte, für den ist SemantiFind also ohnehin nicht geeignet.
Blogpiloten-Urteil
Aus der Traum von „Stop searching, start finding“. Oder zumindest verschoben. Da der Gwyneth Paltrow-Fall nicht das einzige Beispiel für ein verfehltes Suchergebnis ist - beim
ReadWriteWeb gab es ähnliche Probleme mit dem Begriff „Georgia“ - muss leider festgehalten werden: In der Theorie klingt das alles sehr verlockend, es hält aber in der Praxis nicht, was es verspricht. Ob es am Prinzip der Wisdom of the Crows oder an etwas Anderem liegt,
SemantiFind muss auf jeden Fall noch an sich arbeiten, bevor es sich eine wirkliche semantische „Erweiterung“ zu Google nennen darf.
Über den Autor
Rike Albrecht studiert Politikwissenschaft, Medienwissenschaft und Germanistik an der Universität Trier. Seit Beginn ihres Studiums beschäftigt sie sich auch mit Web2.0 und Onlinemedien.