Gastbeitrag von Ulrike Reinhard Vielleicht ist es ein langsames Sterben. Aber ich glaube nicht einmal, dass es ein Sterben ist. Als der Privatrundfunk ins Leben gerufen wurde, begann der Abgesang auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen. 25 Jahre später leben immer noch beide gemeinsam eigentlich ganz gut nebeneinander - die Qualitätsdiskussion einmal außen vor gelassen. Mit der weiten Verbreitung des Breitbandinternets startet nun wieder ein Abgesang - diesmal auf beide, das öffentlich-rechtliche und das private Fernsehen. Ich glaube nicht daran. Warum? Schenkt man dem neuen Buch von W. Brian Arthur, "How Technology evolves", Glauben, dann sind die meisten Innovationen "Kombinationen aus bereits Bestehendem". Auf unsere Headline bezogen bedeutet das nichts anderes für mich, als dass sich Großteile des aktuellen Fernsehensystems verändern werden - und zwar entlang der gesammten Wertschöpfungskette: Stoffsammlung - Finanzierung - Produktion - Ausstrahlung - Empfänger/Publikum. Das Fernsehen wird durch "neue Elemente" wie etwa Crowdsourcing, Interaktion, Plattformen wie youtube, myspace und andere, Distributionstools wie hobnox, mogulus, blip.TV weiterleben - und zwar zu Gunsten des Publikums, wie ich meine. Es wird zu großen Teilen ein anderes Fernsehen sein als das, was wir heute kennen. Hier ein paar Beispiele, die heute bereits erahnen lassen wie das Weiterleben aussehen wird: Crowdsourcing als Mittel zur Contententwicklung Ein wunderschönes Beispiel dafür ist Matt Hanson's Projekt: “A Swarm of Angels”. Sein erstes Script ist von der Community komplett verändert worden - es gefällt ihm jetzt besser und er sagt, dass es Ideen enthält, auf die er alleine nie gekommen wäre. Wiki und Celtx werden als kollaborative Schreib-Werkzeuge für das Script genutzt. "It´s the idea of conversations and getting the community involved. co-creation = conversation". Das ganze Projekt ist in fünf Phasen eingeteilt, die sich über mehrere Jahre erstrecken - wie im richtigen Film. Die Finanzierung läuft über "Crowdfinancing". Man beteiligt sich an einem Abo-Modell und bekommt dafür Beteiligungsmöglichkeit und zum Schluss eine schöne DVD. Die Erfahrungen zeigen, dass ca. 5 Prozent der Community aktiv mitarbeiten. Open Source Software als Produktionsmittel Ein tolles Beispiel ist das aus den Niederlanden stammende Projekt "Blender" von Ton Roosendaal - Gründer der Blender Foundation und Chefentwickler. Eine Gruppe von Filmemachern und Softwareentwicklern hat sich zusammen geschlossen, um gemeinsam Produktionssoftware für Animationsfilme und Spiele zu entwickeln und zwar auf einem sehr hohen Niveau. Und erfolgreich dazu. Die wichtigsten Projekte der Blender Foundation sind “Peach” und “Apricot". Sie basieren beide komplett auf Open Source Software, offenen Formaten, und leben von der Beteiligung der Community. Hobnox: Web-TV und Social Community Hobnox ist eine internationale Plattform fuer audiovisulle Kultur und Kretivität. Sie verbindet WEB-TV mit modernen Social Media Tools. Auf Hobnox finden Kreative alles, was sie für die Produktion, Präsentation, Zusammenarbeit, Sicherheit und Vermarktung ihrer eigenen Arbeit benötigen - und alles Open Source.

Über den Autor
Steffen Büffelist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.
Steffen Büffel | Social Media | 30.06.08, 08:49
 
 

5 Kommentare zu “Das Fernsehen ist tot, lang lebe das Fernsehen!”
 
11:50 | Jul 01' 2008| Die Wochenlinks: TV googelt, Benzinpreisfinder für nach dem Stau » Interactive TV Award schreibt:

[...] … oder ist Fernsehen schon Crowd Sourcing? Das Fernsehen ist tot, lang lebe das Fernsehen!   [...]

 
21:28 | Jul 02' 2008| Vogelperspektive der Piloten « Formen schreibt:

[...] 2 Juli, 2008 Schon in diesem Beitrag werden Vorzüge der Blogpiloten deutlich. Einen Überblick zu haben ist viel wert. In der letzten Zeit gab es bei den Piloten Beiträge zum Thema: “Das Fernsehen ist tot“. Zuerst konnte ich nichts damit anfangen, also habe ich es mir mal genauer angeschaut. Wieder geht es um Wirkungen des Web 2.0. Dem normalen Fernsehen wird mehr und mehr durch das Internet TV eine Alternative geboten. [...]

 
10:59 | Jul 09' 2008| Volker Agüeras Gäng schreibt:

Marius Sixtus zum Thema:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/64/179513/

 
07:05 | Jul 18' 2008| fernsehen heute » Re: Sozialneid? - Premiere startet Prepaid-Fernsehen schreibt:

[...] fernsehenist so sicher falsch. Premiere bringt Sachen, wie Discovery, > > etc., die im “frei empfangbaren TV” nie kommen. Auch alle > > Fußballspiele, bis vor kurzem, Englische Liga, und so weiter, wären > > nie im ÖR TV gekommen. Und die von Premiere angebotenen “Softpornos” > > sicher auch nicht. Es ist ein Zusatzangebot von Sachen, die ÖR haben > > da wenig mit am Hut. Vielleicht bei normalen Filmen und TV-Serien. Erweitere es auf “FreeTV”. Neben einigen Sachen, die das Free TV in der Tat wohl nie machen würde (z.B alle Bundesliga-Spiele live), macht Premiere im schlimmsten Fall nichts anderes, als Programmmaterial, das sonst von privaten oder öffentlich-rechtlichen Stationen gebracht worden wäre, im PayTV verschwinden zu lassen, denn nicht immer werden alle Events parallel im FreeTV angeboten (als Film-Fan hat es mich sehr geärgert, als Mitte der 90er die Oscar-Verleihung komplett im Premiere-Programm verschwand). Ohne irgendeiner Form von Exklusivität wäre Premiere auch höchst unattraktiv. Wegen sich ewig wiederholender Themenkanäle bucht keiner Pay TV (frag mal Kabel Deutschland). [...]

 
05:01 | Jul 19' 2008| fernsehen heute » Israelisches Fernsehen (Deutschland) - Phantomdebatte um Meinungsvielfalt schreibt:

[...] fernsehenssefreiheit wird immer mehr dazu missbraucht, um aus > wirtschaftlicher Macht auch politische Macht zu erzeugen. > Nun stelle man sich mal vor, die Fusion Springer-pro7sat1 hätte > funktioniert… Hatten wir das nicht schon einmal mit umgekehrtem Vorzeichen? Man sieht, diese Leute haben aus ihren Fehlern (und den Fehlern anderer) von damals gelernt … Und wer es noch immer “fair” findet, daß nach 1945 von uns so gut wie keine Reparationen gezahlt werden mußten – der sollte sich heute besser einmal mit den Eigentums- und Mitspracherechten von Ausländern an Unternehmen und in Institutionen (nicht nur in der Medienlandschaft) sondern auch bei lebensnotwendigen Dingen wie Nahrung, Wasser, Energie, Transport, Kommunikation, Medizin etc. beschäftigen! Nachdem nun seit Wochen die “Neo-Nazi” Keule geschwungen wird und inzwischen sogar von der Bundsjustizministerin vehement der Einsatz der Bundeswehr im Innern unterstützt wird (übrigens auch als ein Angriff auf unser Grundgesetz zu werten!), erwarte ich nun während der Weltmeisterschaft einen Terroranschlag, der den Neo-Nazis in die Schuhe geschoben wird, gefolgt vom “Verteidigungsfall” und entsprechenden Maßnahmen. Denn: Eines ist klar – bei 5 Millionen Arbeitslosen ist nicht Schluß! Die richtigen Probleme bekommen wir erst nächstes Jahr nach der MwSt-Erhöhung. Denk ich an Deutschland in der Nacht … [...]

 
 
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