Gina-Lisa ist nicht Germany’s Next Topmodel geworden – das war auch zu keinem Zeitpunkt zu erwarten. Aber dennoch war Gina-Lisa ein Quotenbringer für die aktuelle GNTM-Staffel, ihr Lieblingsspruch „Zack die Bohne“ war diesmal das, was in den alten Staffeln Bruce Darnells „Das ist der Wahrheit“ war. Nun hat Gina-Lisa eine eigene Sendung – nicht im Fernsehen, sondern im Internet. Sie heißt „Gina-Lisas Welt“, dauert rund fünf Minuten und erzählt Banales aus Gina-Lisas Alltag. ginalisa.png [Screenshot: myvideo] Warum das interessant ist? Weil es Gina-Lisas Sendung vor fünf Jahren nicht gegeben hätte. Ein solches Format wäre im klassischen Fernsehprogramm nicht rentabel gewesen: Zu speziell, zu kurz, zu nischig. Im Internet hingegen hat es „Gina Lisas Welt“ auf Anhieb auf Platz 1 der iTunes Podcast-Charts geschafft. TV 2.0 Digitalisierung und technischer Fortschritt verändern die Fernsehökonomie radikal: günstige Kameras, einfach zu bedienende Schnittprogramme und eine praktisch kostenlose Onlinedistribution machen es möglich, Unmengen an günstig produzierten, aber zielgruppenrelevanten Nischen-Inhalten zu produzieren. Im klassischen Fernsehprogramm gibt es für die meisten Nischenthemen kein Zeitfenster, das Diktat der Einschaltquoten verhindert dies. Im Long Tail des World Wide Web finden diese Nischen-Inhalte jedoch ihren Platz und werden von einer interessierten Zielgruppe nachgefragt. Möglich macht dies die nahezu kostenlose Distribution im Netz, sowie die Möglichkeit, Inhalte zeitunabhängig abrufen zu können. So werden selbst banale Inhalte wie „Gina-Lisas Welt“ zu einem Downloadhit, da sie für eine stark involvierte Zielgruppe einen echten Mehrwert darstellen. Dass klassische Fernsehinhalte künftig mehr und mehr online rezipiert werden, ist so gut wie sicher: Genau wie die Menschen heute Musik auf ihren iPod laden, so werden sie in Zukunft ihre Lieblingsfernsehsendungen und -Serien herunterladen und zeitsouverän konsumieren. Da 85 Prozent der Videoinhalte, die wir schauen, nicht live sind, sondern vorproduziert, ist es für die Rezeption relativ egal, wann wir diese Inhalte konsumieren - Fernsehrezeption wird zeitunabhängig, Programmabläufe werden obsolet. Jeder wird sein Programm individuell auswählen können und selbst entscheiden, auf welcher Plattform er seine Inhalte ansieht. Internet killed the TV-Star? broken-television.jpg[Foto: Franciseanderson] Nicht ganz. Das klassische Fernsehprogramm, wie wir es kennen, wird sich zwar definitiv ändern, allerdings schaut die Mehrheit der Bevölkerung weiterhin Fernsehinhalte auf dem traditionellen Wege. Da der Einfluss des Fernsehens auf unsere Kultur, die politische Kommunikation und unsere Unterhaltungsgewohnheiten so groß ist, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die Ära des traditionellen Fernsehens vorüber ist. Von einem Tod des Fernsehens kann also nicht die Rede sein. Vielmehr befinden wir uns zur Zeit noch mit dem einen Fuß im 20. mit dem anderen im 21. Jahrhundert, und es ist nicht ganz klar, wie sich die Dinge entwickeln werden. Denn während das traditionelle Fernsehprogramm an Bedeutung verlieren wird, so könnte der Fernseher als Empfangsgerät sogar noch an Bedeutung gewinnen: Videospiele, HDTV sowie DVD und Blu-Ray-Filme werden den Absatz von (hochauflösenden) Fernsehgeräten auch in Zukunft pushen und die Vormacht des Fernsehers im heimischen Wohnzimmer sichern. Die Verbreitungsmethoden von Bewegtbildinhalten wird sich jedoch zugunsten des Internets verändern. Zack die Bohne, das ist der Wahrheit.

Über den Autor
Michael Groß studiert Medienwissenschaft und BWL in Trier. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt des Journalismus, interessiert er sich heute mehr für Marketing, Werbung und Netzwerkkommunikation. Privat bloggt Michael unter http://werbeschaf.blogspot.com/
Michael Groß | LifeStyle, Social Media | 12.06.08, 08:32
 
 

5 Kommentare zu “Zack die Bohne, Fernsehen tot”
 
10:47 | Jun 12' 2008| Wer zur Hölle ist Gina-Lisa? | TechBanger.de schreibt:

[...] Meine persönliche Nachricht des Tages stammt von den Blogpiloten: Gina Lisa hat nun ihre eigene Show – nicht im Fernsehen, sondern im Internet. Aha. Doch wer ist diese Gina Lisa überhaupt? Beim Überfliegen des Artikels habe ich doch glatt überlesen, woher man das Mädel kennen sollte. Glücklicherweise schafft die Google Suche Abhilfe: Unter den 306.000 Treffern befinden sich einige aufschlussreiche Seiten. Gina-Lisa ist also eine Teilnehmerin von Germany’s next Topmodel, die derzeit in einen inszenierten Sex-Skandal verwickelt zu sein scheint. Gewonnen hat sie den Model Contest übrigens nicht: diese Ehre wurde Jennifer Hof zu Teil. Ok. Nun bekommt so ein Casting-Mädel also eine eigene Sendung im Netz. Das sieht für mich ganz stark nach einer weiteren Produktion aus, die voll und ganz dem Niveau von “They call us Candy Girls” entspricht – nur dass “Gina-Lisas Welt” nicht auf MySpcace, sondern auf direkt auf Website des Senders sowie auf myvideo.de veröffentlicht wird. Ich bin ja mal gespannt, wie lange sich dieses Format halten wird – und mal ganz nebenbei: Sehen diese Mädels wirklich wie Topmodels aus? [...]

 
03:06 | Jun 15' 2008| fernsehen heute » Heise und die Öffentlich-Rechtlichen … - c’t 18/2007, S. 84: Fernsehen im Umbruch schreibt:

[...] fernsehenlich-rechtliche Fernsehanstalten, die das Internet zum > “Senden” nutzen, werden zu einem gigantischen Machtfaktor, > der die Online-Auftritte vieler Verlage niederwalzen könnte. … auf welcher Seite Heise in dem Konflikt steht ist klar. Heise ist ein privater Verlag mit eigenen Ambitionen im Onlinegeschäft. Gegenwärtig sind sämtliche privaten Verleger dabei, die öffentlich-rechtliche Konkurrenz mit juristischen Mitteln aus dem Feld zu schlagen. Nicht Wettbewerb soll entscheiden wer sich am Markt durchsetzt, sondern Richter. In dem Konflikt geht es den privaten Verlagen darum, Claims abzustecken und Exklusivrechte juristisch absichern zu lassen. Um das Klima der Debatte und anstehende politische Entscheidungen zu beeinflussen, werden die Öffentlich-Rechtlichen deswegen gerne zu einem “gigantischen Machtfaktor” aufgebaut, wobei verschwiegen wird, daß private Verlage einen zig-mal gigantischeren Machtfaktor darstellen. Im Vergleich zu Time Warner, AOL, Fox, Viacom, CNN, MSN, Bertelsmann, Springer etc. sind die Öffentlich-Rechtlichen kein besonders großer Faktor. Im Gegensatz zu privaten Anbietern sind die Öffentlich-Rechtlichen dem gebührenzahlenden Publikum aber (theoretisch zumindest) Rechenschaft schuldig und müssen (wiederum zumindest theoretisch) ein gewisses Niveau halten und auf Publikumswünsche reagieren. Private Anbieter sind lediglich ihren Eigentümern und Shareholdern verantwortlich. In England kann man den Konflikt schon seit Jahren beobachten. Im Gegensatz zu den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland, finanziert sich die BBC zu 100% aus Gebühren. Bei der BBC gibt es keine kommerzielle Werbung. Das stinkt den privaten Verlagen gewaltig und deshalb setzt die zu 100% in privater Hand befindliche britsche Presse und ganz besonders die Murdoch Presse alles daran, die BBC kaputt zu machen. Fast täglich kann man bei Sun und Times (Murdoch), sowie Daily Mail, Daily Telegraph und vielen anderen, frei erfundene Geschichten über angebliche Korruption oder Linkslastigkeit bei der BBC lesen. BBC Produktionen werden von den Kritikern dieser Blätter regelmäßig verrissen, Murdoch’s Sky Channel aber oft über den grünen Klee gelobt. Auf die Dauer wird diese Kampagne sicher Erfolg haben und dazu führen, daß die BBC entweder gezwungen wird, sich zu “öffnen”, d.h. Kapital privater Investoren und somit Werbung zuzulassen, oder daß der Wirkungsbereich der BBC gesetzlich stark eingeschränkt wird. Welchen Effekt die sogenannte “Liberalisierung des Marktes” Mitte der 80er Jahre auf die Qualität der Medien hatte, kann man täglich im TV beobachten. Die Abwärtsspirale ist endlos, falls sich das Publikum nicht dazu aufrafft, mit den Füßen abzustimmen und dem kommerziellen Mist so ein Ende bereitet. [...]

 
15:07 | Jun 15' 2008| fernsehen heute » Fernsehen ist Out! - Studie: Deutlicher Zuschauerschwund beim… schreibt:

[...] fernsehenh bin zu einer Zeit groß geworden, als meine Eltern sich zum ersten Mal einen Fernseher leisten konnten, der auch mehr als Schwarz und Weiß anzeigen konnte (Anfang der 80er). Mitte der 80er habe ich dann zum ersten Mal einen Privaten Fernsehsender geschaut. Seit dem ging die Entwicklung aber Rasant und heute haben wir über 40 Kanäle, von denen ich auf meiner Kiste aber nur 25 eingestellt habe, da auf dem Rest nur unerträgliches läuft (Werbesender, Musiksender usw.). Von diesen 25 Kanälen mache ich aber auch nur selten Gebrauch (richtig schauen kann man eigentlich nur noch Arte). Den Fernseher schalte ich Grundsätzlich nicht vor der Mittagszeit ein. Lediglich Abends kann man die eine oder andere interessante Sendung sehen. Wenn die Privaten jetzt auch auf Pay-TV machen wollen, müssen wir dann für Werbung noch extra bezahlen? Aber ansonsten wäre ein neues System, bei dem man nur für die Sender bezahlt, die man auch empfangen will keine schlechte Idee. Wenn sowieso das Pay-TV kommt, denke ich wäre das gar nicht so schlecht. Nebenbei: Hier wird gerade von Kabel-BW auf digitales Fernsehen umgestellt. Ergebnis bisher: Fast wöchentliche Änderung der Kanalzuordnung (man darf alles wieder neu sortieren) und schlechtere Qualität der Übertragung (Bild stockt kurz oder es gibt die typischen “digitalen” Bildfehler). Während meines Studiums habe ich die Internet-Streams aus dem Ausland geschaut und auch nur Internetradio ausländischer Sender gehört, da ich weder TV noch Radio in meiner Studibude hatte. Damit ging es auch wunderbar und man hatte nicht soviel Mist um die Ohren. Zudem konnte ich dem GEZ-Mann ohne Gewissensbisse sagen, dass ich weder noch besitze und das war ein gutes Gefühl! [...]

 
14:48 | Jun 16' 2008| Print goes Video » Wo liegt die Zukunft des Bewegtbildes? schreibt:

[...] Mögliche Antworten auf diese Frage geben die Blogpiloten in einem Themenschwerpunkt seit Anfang der Woche. Vorgestellt wird u.a. die Webseite hobnox, Gewinner des Grimme-Online-Awards 2008 in der Kategorie Spezial. Hobnox bietet zum einen in verschiedenen Videochannels Konzerte, Reportagen, Interviews und Nachrichten, zum anderen aber auch die Möglichkeit eigene Videos und Sendungen mit Hilfe von bereitsgestellten Audio- und Videoschnittprogrammen online zu produzieren. In der angeschlossenen Community können zudem Ideen zu Videos und möglichen gemeinsamen Projekten ausgetauscht werden. Bei Hobnox kann der Nutzer beides gleichzeitig sein: Konsument und Produzent. Sieht so die Zukunft des Fernsehen aus? Dazu gibt es bei den Blogpiloten ein Video-Interview mit einem der Macher von Hobnox, für den das klassische Fernsehen noch lange nicht tot ist. Außerdem im Themenschwerpunkt bis heute, ein Beitrag zur zur Pro7 Intertsoap Gina-Lisas Welt und zur Plattform Second Brain. [...]

 
16:17 | Jun 22' 2008| Kosmopiloten » Blog Archive » Die Zukunft des Fernsehens schreibt:

[...] 1. Zack die Bohne, Fernsehen ist tot 2. Warum Fernsehen? 3. Vier Thesen zur Überlebenskunst des Fernsehens 4. Die Glotze zwischen tot und lebendig [...]

 
 
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