Für mich persönlich ist das Fernsehen tot bzw. auf dem Weg dorthin. Der gelegentliche Zapp am Abend ist nur noch ein Nachhall auf meine Fernsehwelt der 80er und 90er Jahre. Der sonntägliche Tatort, das ein oder andere Sportevent — und das wars. Das Rauschen des Fernsehers in der leeren WG, die Dialoge von Klaus Jürgen Wussow mit Sascha Hehn, das Beamen von Mister Spock und das Titelthema meines Jugendhelden Capatin Future sind Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. "Richterin Barbara Salesch", "Lensen und Partner", "Brisant" und selbst die "Tagesschau" befriedigen mein Unterhaltungs- und Informationsbedürfnis längst nicht mehr.
Das gesendete Rauschen des Guckkastens wird für mich anch und nach ersetzte durch das viel relevantere Rauschen meines sozialen Netzwerks, sei es via Text auf Friendfeed oder in der ein oder anderen Mogulus-Session von Netzfreunden. Dr. Helmut Thoma, der ehemalige RTL-Chef einmal gesagt "Im Seichten kann man nicht ertrinken!". Der Abgesang auf jeglichen Anspriuch und jegliche Qualität ist jeden Tag in der Glotze zu bewundern, wenn der Buzzer gleich... ja, wirklich gleich... nur noch 3 Minuten... jetzt ist gleich keine Zeit mehr ... dem nächsten Deppen die Leitung frei schaltet und ihn dann nichts gewinnen lässt.
Das Fernsehen ist tot! ... Dass das so natürlich auch nicht stimmt ist klar. Aber die Frage ist berechtigt, welchen Stellenwert das "klassische" Fernsehen, das durchformatierte Fernsehprogramm und die explodierende Vielfalt von verflachten Sendern und genauso verflachten Moderatoren heute noch hat - in einer Zeit, in der das Internet als crossmediale Bühne den Couch-Potatoes die Produktionsmittel in die Hand gibt, eigenes Bewegtbild auf die digitale und vernetzte Mattscheibe zu zaubern. Youtube und Co. bieten ausreichend Alternativen, um etwa das Music-TV wiederzubeleben. Während Flavor Flav auf MTV seine Ladies be-uhrt, spielt mir Miro meine Lieblingsmusikvideos vom virtuellen Band. Die Innovatoren in der deutschen Web 2.0-Szene sprechen heute vom "Mogulieren" und vom "Qiken", man mebeamt und ustreamt... Erfindet sich hier eine neue Form der Bewegtbild- und Fernsehkultur? Oder ist es der berühmte alte Wein in neuen Schläuchen?
Diesen Phänomenen, Fragen, Thesen und Themen gehen unsere Blogpiloten und Gastautoren in den nächsten Tagen nach. Vielleicht landen wir auch durch die Comments unserer Leserinnen und Leser am Ende an einem Punkt, an dem wir ein Bild vom Leben nach dem Tod des Fernsehens haben. Diese Bild könnte zeigen, wie sich das klassische Fernsehen und ihre Macher wandeln können um mit, im und über's Web das Fernsehen neu zu erfinden.
Link aus dem Tweet: http://alwayson.goingon.com/permalink/post/27011
Über den Autor
Steffen Büffel ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.











