Before I Die (Bild: Tiffany Bailey [CC BY 2.0], via Flickr)

10 Webseiten, die deinen Blick auf die Welt verändern können

Wann werde ich sterben? Was will ich davor noch schaffen? Und wie wärmt man Mikrowellenessen eigentlich richtig auf? Das Netz hält auf diese und viele andere Fragen Antworten parat.// von Jakob Steinschaden

Before I Die (Bild: Tiffany Bailey [CC BY 2.0], via Flickr)

Du fühlst dich gefangen in den News Feeds und Update-Streams des Internet? Bist ein Opfer der Algorithmen, die dir vorgeben, was du denken sollst? Findest in den nie enden wollenden Posts deiner “Freunde” und Branchenbekannten gerade keine Klick-würdigen Links? Dann surf´ doch wieder einmal hinaus ins World Wide Web – zum Beispiel zu diesen zehn spannenden Webseiten.


Warum ist das wichtig? Das Internet wurde auch dazu, seinen eigenen Horizont zu erweitern – man muss diese Möglichkeit nur nutzen.

  • Mit Hilfe von statistischen Berechnungen können Webseiten ihren Usern zeigen, welchen Platz sie in der Welt haben

  • Wer die Geheimnisse des Alltags entschlüsseln will, bekommt in spannenden Videos Einblicke

  • Webseiten wie MakeLoveNotPorn.tv wollen unser eingefahrenes Denken über Pornografie im Internet aufbrechen


1. Before I Die

Einmal einen Löwen knuddeln, jeden Kontinent besuchen, den Mount Everest besteigen, ein Buch schreiben, Enkelkinder kriegen, ein Start-up machen, Französisch lernen, und so weiter und so fort: Auf der Webseite Before I Die können Besucher per Facebook/Twitter/Google-Login eine Liste weiterschreiben und der Welt verraten, was sie noch machen möchten, bevor sie das Zeitliche segnen. Sich die Liste durchzusehen, macht auch Spaß und könnte den einen oder anderen auf eine neue Idee zur Lebensgestaltung bringen. Hervorgegangen ist die Webseite aus der The Sum-Konferenz, die Anfang November in San Francisco stattfand.

2. Population.io

Ich werde voraussichtlich am 13. Juni 2066 sterben, bin älter als 55 Prozent der Weltbevölkerung, habe am gleichen Tag Geburtstag wie 296.533 andere Menschen. Ausgerechnet hat mir das die Webseite Population.io, die von Wolfgang Fengler (Analyst bei der Weltbank), K.C. Samir (International Institute for Applied System Analysis)und Benedikt Groß (Computer-Designer aus Stuttgart) gemacht wurde. Vielleicht sind die Formeln der Webseite, die noch in der Beta-Phase steht, noch nicht perfekt, aber sie könnte deine Wahrnehmung über deinen Platz in der Welt doch ein wenig zurechtrücken.

3. 50 Life Hacks

Bei Buzzfeed und Co. bleibt immer der schale Beigeschmack, dass man sich vielleicht unterhalten, aber nichts gelernt hat. Nun, einen richtig praktischen Listicle gibt es hier. Hier lernst du, dass man ein Glätteisen auch zum Bügeln von Hemden verwenden kann, wie man den Dotter einfach vom Eigelb trennt oder dass man Mikrowellen-Essen gleichmäßig wärmen kann, wenn man in der Mitte des Tellers Platz freilässt. Und wer weiß, vielleicht kennst du ja Life Hack Nummer 51, den du in die Kommentare darunter schreibst.

4. PostSecret

Von den Smartphone-Apps Whisper und Secret liest man immer öfter (schlechtes), doch es gibt auch eine Webseite, wo User ihre Geheimnisse posten können, ohne gleich per GPS-Ortung getrackt zu werden. Die Geständnisse, die es auf der Webseite zu lesen gibt, ob wahr oder erfunden, regen jedenfalls zum Nachdenken an.

5. SmarterEveryDay

Im Sinne des lebenslangen Lernens sei der YouTube-Kanal SmarterEveryDay empfohlen. Dort veröffentlicht Destin Sandlin, ein “Redneck” (Eigendefinition) aus Alabama regelmäßig Clips, in denen er den ungeklärten Geheimnissen des Alltags auf den (wissenschaftlichen) Grund geht. So erfährt man etwa, warum Katzen fast immer auf allen vier Pfoten landen, warum Insekten von Licht angezogen werden oder wie man mit einem Laser ein Tattoo entfernt.

6. Tracing The Past

Über den Holocaust, den Völkermord der Nazis an sechs Millionen Menschen, lernen junge Menschen heute meist nur im Schulunterricht, in Dokumentationen, Filmen oder Büchern. Die Webseite Tracing The Past, die vom gleichnamigen Verein unter der Leitung von Historiker Roderick Miller umgesetzt wird, rückt die Verbrechen und vor allem die damals ermordeten Menschen wieder sehr nah an den User heran. So habe ich auf der Open Street Map etwa erfahren, dass damals der Wiener Markus Auerbach keine fünf Gehminuten von meiner Wohnung in Wien lebte, nach seiner Flucht nach Belgien in die Konzentrationslager Auschwitz, Gross-Rosen und Buchenwald gesperrt wurde und am 22. Februar 1945 im deutschen Wetterfeld zu Tode kam.

7. Vsauce

Was ist eigentlich die Welt wert? Welche Farbe hat ein Spiegel? Warum haben wir Déjà Vus? Antworten auf diese großen Fragen hat der YouTube-Kanal Vsauce, den der US-Amerikaner Michael Stevens 2010 ins Leben rief. Seine YouTube-Videos sind mittlerweile so populär, dass er drei Schwester-Kanäle hat, die sich mit Spezialthemen wie Videospielen beschäftigen. Weltweit haben mehr als acht Millionen User die wissenschafltich fundierten Erklärvideos abonniert.

8. MakeLoveNotPorn.TV

Herkömmliche Pornoseiten im Netz hat wohl fast jeder Internetnutzer gesehen und hat zumindest eine vage Vorstellung davon, was es dort zu sehen gibt. Die britische Unternehmerin Cindy Gallop will damit brechen und “gute” Pornos, die echten Sex und keine Stereotypen zeigen, im Netz etablieren. Das Vehikel dazu ist MakeLoveNotPorn.tv, wo Sexfilmchen der anderen Art veröffentlicht werden. Jeder, der will, kann authentische Clips hochladen und wird dann an den Einnahmen der Webseite beteiligt.

9. You Are Getting Old

Mehr als 1.193.261.000 Mal hat mein Herz bisher geschlagen, mehr als 275.146.000 Mal habe ich eingeatmet, insgesamt 528 Kerzen müssten bis dato auf meinen Geburtstagstorten gebrannt haben. Ähnlich wie Population.io hat es sich die Webseite You Are Getting Old zum Ziel gesetzt, dem User auf Basis seines Geburtstages ein paar Zahlen zu geben, die sein Leben umreißen. Auch interessant: Ich bin so alt wie die beiden Schauspielerinnen Laura Marano (Superbad”) und Aryana Engineer (“Resident Evil: Retribution”) zusammen.

10. What Does The Internet Think?

Was denkt eigentlich das Internet über Russland, Gott und Kim Kardashian? Nun, die Webseite What Does The Internet Think? will Antworten darauf geben. Sie nimmt den gefragten Begriff, schickt ihn an verschiedene Suchmaschinen (Google, Bing) und analysiert, wie oft der Begriff dort in positivem, negativem oder neutralem Zusammenhang vorkommt – und zack, kann sie anzeigen, was “das Internet” über die Dinge denkt.


Teaser & Image by Tiffany Bailey (CC BY 2.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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